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Altmühltherme: Zurück auf Los fürs Freibad

Der Umbau des Thermalbads ist fast abgeschlossen, doch draußen kündigt sich die nächste Baustelle an - 19.05.2020 06:04 Uhr

Im Erdgeschoss der Treuchtlinger Altmühltherme geben die Maler dem frisch sanierten Thermalbad den letzten Schliff vor der Wiedereröffnung. © Altmühltherme


Die Altmühltherme ist für Treuchtlingen Aushängeschild, Besuchermagnet und ein andernorts selten gewordener Teil der kommunalen Daseinsvorsorge. Zugleich kommt einem angesichts der Kosten und des aktuellen Umbaus aber auch der Begriff "Millionengrab" in den Sinn. Als letzter Akt der Modernisierung sind nun Thermalbecken und Saunalandschaft fast fertiggestellt und könnten wohl Anfang Juli öffnen – wäre da nicht die Corona-Pandemie. Anders sieht es dagegen im Außenbereich aus: Vor allem am Freibad hat der Zahn der Zeit so stark genagt, dass es Thermenchef Ulrich Schumann in der ersten Bäderausschusssitzung des neuen Stadtrats unangenehm schien, "ein solches Bad betreiben zu müssen".

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Bereits komplett fertig ist laut Schumann das große Innenbecken im Obergeschoss samt Sprudelliegen, Wasserfall, Strömungskanal und Wasser-Bar. Auch die Duschen und das Restaurant sind betriebsbereit, im Ruheraum fehlt lediglich die Einrichtung. Das Thermalbecken im Erdgeschoss ist ebenfalls schon mit Wasser gefüllt und soll nach Schumanns Worten künftig mit kostenlosen Bewegungsangeboten und Mineralienaufgüssen "das Heilwasser als Hauptkonzept viel stärker herausstellen". Der zugehörige Thermengarten mit Kneippbecken wurde um ein Stück der einstigen Freibad-Liegewiese erweitert.

Noch etwa eine Woche lang zu tun haben die Arbeiter im Bereich der Whirlpools, des Grander Trinkbrunnens und des neuen Fußreflexzonenpfads. In der Saunalandschaft samt Dampfbad, Eisbrunnen und Panoramasauna kümmern sich die Maler gerade um den letzten Anstrich, dort wird es weitere zwei bis drei Wochen bis zur Fertigstellung dauern.

Weitere Becken maroder als gedacht

Außerdem fehlen noch die rund 180 Liegen, die die Badleitung wegen der Corona-Krise nun aber nicht auf einmal, sondern je nach Bedarf Stück für Stück anschafft, um Geld zu sparen. "40 bis 50 Prozent der Bevölkerung haben noch Angst vor einem Badbesuch", so Schumann. Noch etwas länger braucht schließlich der Sauna-Außenbereich – bis die Terrasse und die Schienenbus-Sauna einsatzbereit sind, wird es wohl Mitte/Ende Juni werden.

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Nicht ganz so gut sind die Nachrichten für das Thermal-Außenbecken. Erst im April hatte der Stadtrat nichtöffentlich entschieden, das 25 Jahre alte Becken im Zuge des Umbaus gleich mit zu reparieren. Eingeplant waren dafür sechs bis acht Wochen. Nach Schumanns Worten war eine Ausbesserung jedoch angesichts der umfangreichen Schäden und der mangelhaften Bauweise nicht möglich, sodass das Becken nun komplett neu gefliest wird. Zunächst sei von einer Verzögerung um drei bis vier Wochen die Rede gewesen, nun jedoch von bis zu zehn Wochen. Über die Mehrkosten kann derzeit nicht einmal der Architekt verlässliche Aussagen treffen.

"Wir könnten fast schon loslegen", gibt sich Badchef Schumann dennoch zuversichtlich. "Leider bekommen wir aber derzeit keine Info vom Ministerium, wann wir wieder öffnen dürfen." In Bayern gilt der Shutdown für Schwimmbäder und Saunen nach wie vor – in einem Zug mit Bordellen, wie einige Stadtratsmitglieder befremdet feststellten.

Freibad braucht neue Identität

Rissige Fliesen, abgeplatzte Verkleidungen: Das Treuchtlinger Freibad hat schon bessere Tage gesehen. © Altmühltherme


Die nächste große Baustelle steht nun jedoch im Freibad an. Ulrich Schumann spricht von einem "desolaten Zustand beider Becken und des Umgangs". Teils hebe sich der Boden, die Schäden an Fliesen und Einfassungen seien noch größer als im Thermal-Außenbereich. "An vielen Stellen ist die Glasur gebrochen, es gibt messerscharfe Risse, und der Untergrund bröselt", so der Badleiter. Schon vergangenes Jahr habe man deshalb die Beckenränder komplett mit Epoxidharz überzogen: "Das sieht furchtbar aus, war aber die einzige Möglichkeit, das Freibad überhaupt in Betrieb zu nehmen."

Zudem brechen laut Schumann immer mehr Platten aus der steinernen Verkleidung der Liegestufen, was ebenfalls gefährlich sei. Der sandige Untergrund ohne Mörtelbett mache die Reparatur zu einer Sisyphusaufgabe – jeder Frost lasse die Stufen erneut auffrieren.

Bereits im Herbst 2018 hatte der Badleiter den Werk- und Bäderausschuss erstmals auf den wachsenden Sanierungsbedarf hingewiesen. Damals habe es geheißen, dass man noch zwei Jahre mit dem "Flickwerk" im Freibad leben müsse, ein Jahr später habe der Ausschuss dann 20.000 Euro für die Entwicklung eines zukunftsfähigen Konzepts bewilligt. Derzeit sehe er den Bereich eher als "zusätzlichen Außenbereich des Familien- und Aktivbads", so Schumann.

Erhalten, verkleinern, schließen?

Das scheint Altbürgermeister Wolfgang Herrmann (CSU) indes nicht zu schmecken. "Ich bin nach wie vor dafür, ein echtes, familienfreundliches Freibad anzubieten", kritisiert er dessen stiefmütterliche Behandlung im Zuge der Thermen-Modernisierung. "Es ist auch gar nicht angedacht, das Freibad zur Disposition zu stellen", versichert seinerseits Ulrich Schumann. "Aber wir wollen unseren Planungsauftrag dazu nutzen, um das Konzept zu überdenken."

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"Eine große Befürworterin, das Freibad als ortsnahe Alternative für die Bevölkerung zu erhalten", ist nach eigenen Worten auch Bürgermeisterin Kristina Becker. Es sei aber nötig, "es zu optimieren und gegebenenfalls auch zu verkleinern". Eine Schließung wäre nach Ansicht von Josef Ferschl (SPD) indes "fatal, weil diesen Sommer wegen Corona sehr viele Menschen daheim Urlaub machen werden".

Die aktuell unumgänglichen "Notreparaturen" werden die Stadt laut Badchef Schumann rund 10.000 Euro kosten, insgesamt kämen für die laufenden Ausbesserungsarbeiten jährlich 40.000 bis 50.000 Euro zusammen. Eine Komplettsanierung würde dagegen allein für die maroden Sitzstufen mit etwa 100.000 Euro zu Buche schlagen. Einen Beschluss über die Zukunft des Freibads fasste der Ausschuss am Ende nicht. Der Betrieb soll laut Schumann "heuer erst einmal weiterlaufen wie im letzten Jahr". Das gelte auch für das Preissystem.

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Baden in der Altmühltherme:

Das kostet der Thermalbadbesuch künftig

Die Eintrittspreise im Thermalbereich der Altmühltherme folgen nach dessen Wiedereröffnung (für die noch kein Termin feststeht) dem System im Familien- und Aktivbad. Für zwei Stunden werden 8,90 Euro fällig, für die Tageskarte 14,90 Euro. Wer mit Zwei-Stunden-Karte länger bleibt, bezahlt eine Nachgebühr von 1,50 Euro pro angefangener halben Stunde (bis zum Tageskartenpreis). Für die Sauna gilt ein Aufpreis von 6,00 Euro. Fürs Freibad gibt es weiterhin nur eine Zehnerkarte für 40 Euro und eine Saisonkarte für 96 Euro.

Kinder zwischen sechs und 17 Jahren sowie Badegäste mit einem Behinderungsgrad ab 50 Prozent erhalten 30 Prozent Ermäßigung, Stromkunden der Stadtwerke mit Kundenkarte 20 Prozent. Kinder bis einschließlich fünf Jahre in Begleitung eines Erwachsenen baden kostenlos. Dazu kommen auf alle regulären Preise noch Ermäßigungen über die hauseigene Geldwertkarte.

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