"Arabisches Mittagsbuffet": Orientalische Küche im Kulturladen

Die Syrerin Manal Alkayat bietet in der Bahnhofstraße jeden Montag orientalisches Essen an - 11.10.2019 06:00 Uhr

Manal Alkayat (links) kocht im Kulturladen wöchentlich beim „Arabischen Mittagsbuffet“. Die Mahlzeiten sind kostenlos, Spenden sind gerne willkommen. Die Idee entstand schon vor einem halben Jahr. Margit Kleemann (rechts) unterstützte sie dabei. © Foto: Micha Schneider


So einfach lässt einen Manal Alkayat nicht nach Hause gehen. Zumindest nicht, ohne ihre Spezialitäten gekostet zu haben. "Probieren Sie", sagt die quirlige Frau mit weißem Kopftuch. Auf dem Buffet-Tisch im Treuchtlinger Kulturladen steht am Montagmittag unter anderem "Shourbat adas" – eine Linsensuppe mit Roten Linsen, Pflanzenfett, Gemüsebrühe und Reis. Dazu gibt es Makloubeh, eine Art Eintopf, mit Hähnchen und Baklava, das aus Strudelteigblättern, Mandeln, Zucker, Zimt und Walnüssen besteht – alles arabische Spezialitäten.

"Kochen ist mein großes Hobby", sagt die 36-Jährige, "ich bin schon immer in der Küche gewesen." Die Idee für dieses "Arabische Mittagsbuffet", das jeden Montag von 11.30 bis 14 Uhr in der Bahnhofstraße 26 angeboten wird, gab es schon seit einem halben Jahr. Margit Kleemann, die Mitorganisatorin, kennt Alkayat bereits seit Jahren. Die Köchin stammt aus Damaskus und ist erst seit vier Jahren in Deutschland. In einem Sprachkurs in der Flüchtlingsunterkunft in Wald am Altmühlsee waren sich Kleemann und Alkayat das erste Mal begegnet. "Manal konnte damals kein Wort Deutsch", sagt Kleemann. Mittlerweile hat sie die Niveaustufe A2 absolviert. Dass sie bald noch besser Deutsch spricht, dafür könnte auch das Mittagsbuffet sorgen. Dort kocht sie für Einheimische arabische Gerichte. "Ich will gerne unter Leuten sein und auch gerne deutsche Leute kennen lernen", sagt Alkayat. Die Einheimischen lernen dort nicht nur sie, sondern auch orientalisches Essen kennen. "Die Leute können verschiedene Dinge ausprobieren und schauen, wie es ihnen schmeckt", sagt Alkayat.

Günter Moser ist einer der Gäste. "Wir lieben orientalisches Essen und die orientalische Kultur", sagt Moser. Er und seine Frau Violetta werden öfters herkommen. "Es ist eine sehr familiäre Atmosphäre hier", sagt Moser, dessen Frau aus Griechenland stammt. "Da ist das Essen relativ ähnlich. Ich beschäftige mich seit Jahren mit orientalischem Essen und bin regelmäßig dabei, es selbst nach zu kochen", so Violetta Moser, die auch Tanzlehrerin für orientalischen Tanz ist.

Seit vier Jahren in Deutschland

Gefördert wird das Arabische Mittagsbuffet laut Dorothee Bucka, der Leiterin der Freiwilligenagentur Altmühlfranken, vom bayerischen Innenministerium. Förderträger ist die "Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligen-Agenturen/Freiwilligen-Zentren/ Koordinierungszentren Bürgerschaftliches Engagement". Das Arabische Mittagsbuffet ist Teil des Projekts "Sprache schafft Chancen", das bis Juni 2020 mit Option auf eine Verlängerung gefördert wird.

Manal Alkayat hätte jedenfalls nichts dagegen, auch im nächsten Jahr noch für die Menschen aus der Region zu kochen. Denn kochen ist ihr Leben. Auch als in ihrem Heimatland der Krieg ausbrach, als sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn Syrien zunächst in Richtung Jordanien verlassen musste, weil sich bewaffnete Streitkräfte von Präsident Baschar al-Assad mit bewaffneten Gruppierungen der Opposition blutige Kämpfe lieferten und plötzlich nichts mehr so war, wie zuvor, arbeitete sie als Köchin. Drei Jahre lang bereitete sie für kriegsverletzte Syrer das Essen zu.

Seit vier Jahren nun lebt sie in Deutschland. Mit einem überfüllten Schlauchboot war sie übers Mittelmeer gelangt, über die Türkei und Griechenland kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland – sie ist Kriegsflüchtling. "Mein Ziel, als ich hierher kam war es, einen Imbiss aufzumachen", sagt sie. "Aber das ist leider sehr schwierig gewesen."

Nach vier Monaten in ihrer neuen Heimat fing sie stattdessen auf Minijob-Basis in einem Gasthof in Oberasbach an als Köchin zu arbeiten. Nebenan war sie mit ihrer Familie seinerzeit in einer Flüchtlingsunterkunft untergebracht. Später arbeitete sie elf Monate lang im Land-Gut-Hotel Adlerbräu in Gunzenhausen.

Ihre Chefin, erzählt sie stolz, sei sehr zufrieden mit ihr gewesen, aber wegen Rückenschmerzen musste sie kürzer treten. Sie strebte außerdem eine Teilzeit-Stelle an, was mit den Arbeitszeiten im Restaurant nur schwer zu vereinbaren gewesen wäre. Ihr Sohn hat an der FOS Weißenburg die mittlere Reife absolviert, will Abitur machen. In einem Gasthof in Büchelberg fand sie zuletzt zumindest in den Sommermonaten wieder Arbeit als Köchin.

Seit September nun ist sie wieder auf der Suche nach einem Teilzeit-Job. Doch ob die Familie dauerhaft in Deutschland bleiben kann, ist ungewiss. "Ich hoffe, dass sie eines Tages ihren Traum vom Imbiss verwirklichen kann", sagt Margit Kleemann, ihre Weggefährtin, die sie über viele Jahre unterstützt hat. Aus der Übung wird Manal Alkayat jedenfalls definitiv nicht kommen. Sie hat ja jetzt ein Ehrenamt inne – als Köchin im Kulturladen – beim Arabischen Mittagsbuffet.

Micha Schneider

Springer-Redaktion

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