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Auernheim: Bei der Windkraft ist die Luft raus

"Dichtezentrum“ für Rotmilan dürfte das Aus für den Bürgerwindpark bedeuten - 08.03.2017 06:06 Uhr

Die Windräder auf der Hochfläche bei Degersheim bleiben vorerst die einzigen im östlichen Hahnenkamm. Der geplante Bürgerwindpark bei Auernheim hat nach der Ausweisung eines „Dichtezentrums“ für den Rotmilan kaum noch Chancen auf Verwirklichung. © Archivfoto: Patrick Shaw


Kurz zuvor hatte Baum nach eigenen Worten von Landrat Gerhard Wägemann erfahren, dass das Landesamt für Umwelt den Hahnenkamm um Auernheim zum „Dichtezentrum“ für den Rotmilan erklärt hat. Diese Information liege ihm auch schriftlich vor.

Während sich Treuchtlingen vor der Einführung der „10-H-Regelung“ in Bayern (zehnfach Höhe von Windrädern als Mindestabstand zu Wohngebäuden) noch als „Modellregion“ für Bürger-Windkraft profilieren wollte, sei eine Ablehnung des 2009 initiierten Bürgerwindparks nun so gut wie sicher, so der Rathauschef. Zwar habe das mit der Planung betraute Ingenieurbüro Wust „viel in das Projekt investiert und deshalb Einspruch erhoben“. Die Entscheidung durch das Landratsamt sei damit aber lediglich bis Anfang April aufgeschoben. Er habe keine große Hoffnung, dass sich bis dahin noch etwas an der Sachlage ändern wird, bekannte Baum.

Dem Bürgermeister zufolge ist es freilich möglich, dass Privatinvestoren unabhängig von dem Beschluss weiter am Bau einzelner Windräder auf dem Areal bei Auernheim dran sind. Das Bürgerprojekt zur Beteiligung möglichst vieler an der nachhaltigen Energiegewinnung und deren Profit sei jedoch „aller Voraussicht nach gestorben“. Das finde er „schade und traurig“. Nach all den Steinen, die der Stadt in den vergangenen Jahren in den Weg gelegt worden seien (Naturparkzonierung, Einsprüche aus dem Ries, Rotmilan) ärgere er sich darüber jedoch nicht einmal mehr.

10-H-Regelung war das Aus

Der Fall Auernheim bestätigt damit auch die Aussage einer vor knapp zwei Wochen veröffentlichten Studie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. „Die Windkraft in Bayern ist tot“, lautet ihr Fazit. Seit der im November 2014 von der CSU-Mehrheit im Landtag beschlossenen 10-H-Regelung sei der Ausbau der Windenergie in Bayern – anders als damals von der Staatsregierung prognostiziert – „praktisch komplett zum Erliegen gekommen“.

Die wissenschaftliche Analyse aus Triedorf zeigt, dass die Zahl der Bauanträge für Windkraftanlagen in den Jahren 2014 bis 2016 von landesweit 215 auf Null zurückgegangen ist. „Während der Windkraftausbau in Bayern bis 2014 noch auf klarem Wachstumskurs war, ist absehbar, dass dieser in Kürze komplett zum Erliegen kommen wird,“ so die Verfasserin Karina Tyroller. Die 10-H-Regelung lasse unter dem Strich weniger als 0,05 Prozent der bayerischen Landesfläche für Windenergie übrig.

„Diese massive Einschränkung, gepaart mit der ablehnenden Haltung von Regierung und einem kleinen, aber lautstarken Teil der Bevölkerung, bewirkt ultimativ eine Abwanderung der Windkraftprojektierer“, unterstreicht auch Hans Arpke, Vorsitzender des Vereins „Klimaschutz – Bayerns Zukunft“, der die Gegner der 10-H-Regelung bei ihrer Verfassungsklage unterstützt hat. Diese wurde im Mai 2016 abgelehnt. „Ohne einen starken Ausbau der erneuerbaren Energien wird der Atomausstieg bis 2022 in Bayern nicht gelingen“, sind die Kritiker überzeugt. „Wir fordern daher die Abschaffung der 10-H-Regelung.“

Für die Auernheimer und Windischhausener hatte CSU-Stadtratsmitglied Karl Heckl aus Gundelsheim bei der Bürgerversammlung (eigener Bericht folgt) unterdessen einen anderen Tipp parat: „Bei euch würde ich’s mit Wasserkraft probieren, da habt ihr mehr Chancen“, spielte er augenzwinkernd auf die mehrfachen Überschwemmungen in Windischhausen im vergangenen Sommer an.

Patrick Shaw Treuchtlinger Kurier

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