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Auernheim: Der Rechtlerwald ist Geschichte

Fallende Holzpreise und mehr Pflegeaufwand wurden zu einer großen Belastung - 03.08.2019 06:01 Uhr

Auernheim, der höchstgelegenste Ort Mittelfrankens, hat eine jahrhundertealte Geschichte. Ein Kapitel dieser Historie schließt sich nun: Der Rechtlerwald wird aufgelöst, da er sich für die Rechteinhaber nicht mehr rentiert. © Archivfoto: Rudi Beringer/Limes-Luftbild


Im höchstgelegensten Dort Mittelfrankens geht eine jahrhundertealte Tradition zu Ende: Der Rechtlerwald wird aufgelöst. Die Stadt Treuchtlingen hat die Rechte für den 137 Hektar großen Forst abgelöst. Der Hauptgrund war die immer schwierigere Bewirtschaftung des Waldes.

Der Auernheimer Wald war zuletzt in 15 Holzrechte unterteilt. Jedes Holzrecht kann noch halbiert oder geviertelt werden, so kamen 28 Inhaber auf die 15 Rechte – je nachdem, wie viel sie zur Bewirtschaftung des Forsts beitragen. Vor zehn Jahren waren es sogar noch 25 Rechte, die Anzahl ist immer mehr zurückgegangen. Denn neben dem Recht, Brenn- oder Bauholz zu entnehmen, gab es auch Pflichten, etwa bei der Aufforstung.

Die Bewirtschaftung hat die Stadt Treuchtlingen übernommen, die auch seit der Gebietsreform Eigentümerin des Walds war. Doch in den vergangenen Jahren kamen immer mehr Kosten auf die Rechtler zu, auch für das Jahr 2018 mussten sie eine Nachzahlung leisten. "Letztlich ist das Holz auf dem Freien Markt günstiger als im Rechtlerwald", erläutert Hans-Peter Lang, der sich im Rathaus um den Stadtwald kümmert.

Für die Auernheimer ist ihr Wald durchaus ein emotionales Thema. Die Geschichte dieser Bewirtschaftungsform reicht bis ins sechste Jahrhundert zurück. Damals bauten die Franken die Auernheimer Höhe als Stützpunkt zur Beherrschung des umliegenden Raums aus. Um den Kirchberg entstanden Höfe von königsfreien Wehrbauern, eine Art Besatzungstruppe, die im Auftrag des Königs Vorspanndienste an strategisch wichtigen Straßen zu leisten hatte und durch Streifzüge die Sicherheit überwachte.

Nutzung genau geregelt

Auf diese Zeit geht wohl auch das Holzrecht zurück. Wegen des starken Bevölkerungswachstums wurden gegen Ende des Mittelalters die gemeinschaftlich genutzten Äcker, Wiesen und Wälder, die sogenannte Allmende, knapp. Deshalb wurde die Nutzung durch Gemeindeordnungen genau geregelt. Nutzungsrechte hatten nur im Ort Geborene, die über ein Haus und eine Hofstätte mit Grund und Boden verfügten. Verbunden mit den Rechten waren aber auch Pflichten gegenüber der Markgenossenschaft. Im Lauf der Jahrhunderte gingen die gemeinsamen Rechte an Äckern und Wiesen verloren. Nur das Holzrecht blieb sowohl in Auernheim als auch in weiteren Teilen Frankens erhalten.

Der Gemeindewald und die damit verbundenen Holzrechte sind folglich ein sensibles Thema – wie auch in anderen Gemeinden gab es deshalb immer wieder Auseinandersetzungen. So fochten in Auernheim 69 Rechtler von 1957 bis 1966 einen Streit mit der damals noch eigenständigen Gemeinde aus. Dabei ging es vor allem darum, was unter "Brennholz" zu verstehen sei und wie viel Holz den Rechtlern zustand. Sogar der bayerische Verwaltungsgerichtshof in München wurde bemüht. Am Ende stand fest, dass ein Recht drei Klafter, also etwa neuneinhalb Kubikmeter Brennholz umfasst, und nicht ausschließlich das minderwertige Faulholz.

Schon 1986 ergab sich bei der Abrechnung des Holzrechts ein Defizit in Höhe von rund 6550 D-Mark. Dies sorgte für Unruhe im Dorf und wurde mit der Stadtverwaltung bei einer Versammlung eigens erörtert. Auch die Ablösung der Nutzungsrechte war immer wieder Gespräch und treibt die Auernheimer seit der Eingemeindung um. Ende 1973, vor Inkrafttreten der neuen Gemeindeordnung, beriefen Landratsamt und Forstamt vor Ort eine Aufklärungsversammlung ein. Damals wurde den Rechtlern die Ablösung ihrer Nutzungsrechte nach der sogenannten "Faustregel" angeboten. Demnach hätten sie etwa 40 Prozent des Gemeindewalds erhalten. Dieses Angebot lehnten die Rechtler damals als unzureichend ab.

Ablösesumme gezahlt

Im Laufe der Jahre wurde die Gemeinschaft der Waldrechtler in Auernheim immer kleiner. Viele Dorfbewohner lösten ihre alten Nutzungsrechte ab. Die Rechte für den Wald endeten bereits zum 31. Dezember 2018. Die Stadt hat den Rechtlern für die Ablöse eine einmalige Summe gezahlt, per notariellem Vertrag werden die im Grundbuch eingetragenen Rechte gelöscht. 

beh/rme E-Mail

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