Auf Treuchtlingens Burg gibt es jetzt einen Sleeperoo Cube

10.6.2021, 15:00 Uhr
Statt auf dem Turm, wird die ausgefallene Übernachtungsmöglichkeit nun umgeben von alten Mauern, im ehemaligen Burgzimmer (mi. im Bild, rechts von dem Gebäude mit braunem Dach) aufgebaut.

Statt auf dem Turm, wird die ausgefallene Übernachtungsmöglichkeit nun umgeben von alten Mauern, im ehemaligen Burgzimmer (mi. im Bild, rechts von dem Gebäude mit braunem Dach) aufgebaut. © Foto: Rudi Beringer/Limes-Luftbild.de

Der "Cube" (zu deutsch: Würfel) ist eine Erfindung des Hamburger Start-Ups Sleeperoo und steht bereits an rund ein Dutzend außergewöhnlicher Orten in Deutschland. In Treuchtlingen hätte er bereits zum 1. April existieren sollen. Der Start verzögerte sich allerdings aufgrund eines Planungsfehlers, den das Landratsamt bemerkt hatte.

Aus Brandschutzgründen nicht erlaubt

Die Preise pro Übernachtung in diesem Schlafwürfel fallen mit 130 Euro pro Person und Nacht nicht gerade günstig aus. Noch dazu sind Platz und Ausstattung im Würfel eher minimalistisch gehalten. Das Haupt-Argument für eine Übernachtung ist allerdings von jeher "das Erlebnis".


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Also das Drumherum und der Standort. Außerdem das Gefühl, entweder irgendwie "mittendrin" odr eben komplett "für sich" zu sein – wie man‘s nimmt. In Treuchtlingen wäre es hoch oben auf dem Bergfried, also eben dort, wo sich eigentlich niemand des Nachts aufhalten darf, auf jedem Fall ein "ganz für sich"-Erlebnis geworden.

Fenster zu allen Seiten und minimalistische Ausstattung: So sieht der Sleeperoo-Cube aus.

Fenster zu allen Seiten und minimalistische Ausstattung: So sieht der Sleeperoo-Cube aus. © Foto: Sleepero

Doch die Eckdaten für das Übernachtungsziel haben sich jüngst geändert, weil das Landratsamt die Verantwortlichen auf eine bestehende Baurechtsverordnung aufmerksam gemacht hat. Demnach seien auf dem Turm nur "Aufenthalte von kurzer Dauer" gestattet. Und zwar aus Brandschutzgründen.

In den Ruinen des Burgzimmers

Um das Projekt dennoch zu realisieren, gab es demnach nur zwei Lösungsmöglichkeiten: Die Errichtung einer Feuerschutztreppe entlang der Außenwand des Burgturms, oder aber die Suche eines alternativen Standorts auf dem Burgareal.

Die Kur- und Touristinformation wollte am Erscheinungsbild des Turmes freilich nichts verändern. So fand man letztlich in Absprache mit Sleeperoo ein Plätzchen, das für beide Seiten noch immer attraktiv genug ist. "Nicht nur das, beide Seiten finden diesen Standort letztlich sogar besser", erklärt die Tourismuschefin, Stefanie Grucza.

Statt auf dem Turm werden die künftigen Gäste des Schlafwürfels umgeben von altem Gemäuer, die einst ein Burgzimmer gewesen sind, nächtigen. Inmitten der Ruinen käme dabei vielleicht sogar noch eher das Gefühl dafür auf, wie es damals gewesen ist, in einer mittelalterlichen Burg hoch über der Altmühlstadt zu nächtigen.

Bei ihrem Aufenthalt sollen die Gäste nichtsdestotrotz einen Schlüssel für den Burgturm erhalten, um die Aussicht auf den Nagelberg auch einmal von oben genießen zu können.

Aktuell nur geduldet

In den vergangenen Wochen wurde im alten Burgzimmer ein niedriges Holzpodest erbaut, auf dem der Sleeperoo-Cube künftig stehen soll. In Treuchtlingen angekommen ist der "Cube" tatsächlich erst am Mittwoch, 9. Juni, sodass Buchungen theoretisch seit dem 10. Juni möglich sind. Da touristische Übernachtungen lange Zeit ohnehin nicht möglich gewesen sind, habe es hier zuletzt wenig Handlungsdruck gegeben, die Lieferung voranzutreiben, erklärte Grucza auf Nachfrage.

Handlungsdruck gibt es jedoch auf lange Sicht aus dem Landratsamt, denn die Übernachtungsgelegenheit gilt auch auf ihrem aktuellen Standort im Burgzimmer lediglich für ein Jahr als geduldet. Die Stadt bereitet nun einen Bauantrag vor, um eine uneingeschränkte Genehmigung für den Standort zu bekommen.


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Das Problem: Obwohl der Sleeperoo-Cube auf Rollen steht und theoretisch verschieb- und verstaubar wäre, gilt dieser laut Baurecht als stehende Baut, weil er in der Praxis länger als drei Monate am gleichen Standort bleiben soll (angedacht ist es bis Mitte Oktober). Grundsätzlich stimmte die Stadt Treuchtlingen dem Sleeperoo-Projekt allerdings zunächst einmal als Testphase für diese Saison zu. Gezeigt hat sich jetzt schon: So einfach es klingen mag, einen Würfel auf die Obere Veste zu stellen, und dafür etwas Geld von Seiten des Start-Ups zu bekommen – liegt der Teufel doch mal wieder im Detail.

So läuft eine Übernachtung ab

Die Burganlage bleibt auch dann, wenn es für den Sleeperoo-Cube eine Buchung gibt, weiterhin für alle jederzeit zugänglich. Dies ist auch deshalb möglich, weil die Übernachtungsgäste in der Regel erst gegen 17 Uhr anreisen.

Nur in den Abendstunden und im Rahmen des Check-Ins wird der Bergfried an die Übernachtungsgäste sozusagen "exklusiv übergeben". Was den Ablauf anbelangt, so werden der Check-in und der Check-out in der Kur- und Touristinformation erfolgen: Die Urlauber erhalten dort eine Art Snack-Box mit Getränken und Naschereien sowie die Schlüssel zu ihrem Cube.

Für eine Übernachtung zahlen die Gäste dann 135 Euro, wobei 20 Euro davon bei der Stadt verbleiben.

Hinzu kommen zehn Prozent Provision (13,50 Euro pro Übernachtung), falls die Gäste ihren Aufenthalt über die Internetseite tourismus-treuchtlingen.de gebucht haben.

Zuzüglich müssen die Gäste jeweils eine Kurtaxe von aktuell einem Euro pro erwachsenem Übernachtungsgast bezahlen. Dieser Beitrag ist erst vor wenigen Monaten mit Blick auf die diesjährige Tourismussaison erhöht worden (wir berichteten am 26. Februar).

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