Donnerstag, 04.03.2021

|

zum Thema

Aus Sicherheitsgründen: Kein NKD mehr in Treuchtlingen

Mit der Filiale hat das vorletzte Kleidungsgeschäft in der Stadtmitte geschlossen - 22.01.2021 06:04 Uhr

Mittlerweile trennt ein Zaun den Gehsteig in der Treuchtlinger Bahnhofstraße vom Altmühltaler-Firmengelände. Die ehemalige NKD-Filiale musste für immer dicht machen, weil sich keine neue Verkaufsfläche fand.

21.01.2021 © Lidia Piechulek


Man könnte Jutta Böhrer mit ihrem Modetreff am Wallmüllerplatz so langsam als "Last Woman Standing" bezeichnen. Seit Jahresbeginn ist ihr Geschäft das einzige für Bekleidung, das in der Treuchtlinger Stadtmitte liegt und damit für viele Kunden bequem fußläufig zu erreichen ist. Denn Ende Dezember hat mit der NKD-Filiale in der Bahnhofstraße der letzte verbleibende Mitanbieter geschlossen. Mittlerweile ist auch der leuchtend rote Schriftzug verschwunden, stattdessen trennt nun ein niedriger Zaun Gebäude und Gehweg voneinander.

Gewollt haben die Schließung weder NKD noch die Firma Altmühltaler Mineralbrunnen als Vermieter. Doch letztere war gezwungen, das Gebäude zurück ins Betriebsgelände zu holen und dieses vollständig zu umzäunen. Hintergrund sind mehrere DIN-Normen und Anforderungen des Bundesinnenministeriums an sogenannte Kritische Infrastrukturen.


Nach dem Umbau war vor Corona: Zwei Jahre "neue Mitte" in Treuchtlingen


Die Firma Altmühltaler zählt demnach zu den "kritischen Infrastrukturen im Sektor Energie, Wasser oder Informationstechnik und Telekommunikation" gemäß den Vorgaben der Bundesämter für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sowie der Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Wasser für mehr als 500.000 Menschen

Dazu zählen große Kraftwerke, Strom-, Fernwärme- und Telekommunikationsnetze, Kanalisationen und Kläranlagen ab 500.000 Einwohnern sowie Trinkwasserversorger mit einer Bedeutung für mehr als eine halbe Million Menschen. Letzteres Kriterium erfüllt der Treuchtlinger Getränkeriese und muss deshalb nicht nur sein Betriebsgelände besonders sichern, sondern darf dort künftig auch keine Fremdfirmen mehr beherbergen.

Wäre es nach der Firma NKD gegangen, dann hätte die Filiale nicht schließen, sondern nur eine andere Ladenfläche beziehen müssen. Denn der Textildiscounter in der Bahnhofstraße war meist gut besucht. Etwa ein halbes Jahr lang habe sich die Stadtverwaltung auf Bitten des Konzerns darum bemüht, im Treuchtlinger Stadtgebiet eine neue Immobilie aufzutun, berichtet Rathaussprecherin Marina Stoll. Am Ende sei eine Umsiedlung jedoch an den strikten Anforderungen von NKD an die neue Verkaufsfläche gescheitert.

Bilderstrecke zum Thema

Wasser und Limo vom Band: So sieht es aus im Treuchtlinger Altmühltaler-Werk

Zusammen mit der Jungen Union und weiteren Gästen durfte unsere Zeitung hinter die Kulissen des Altmühltaler-Werks in der Treuchtlinger Stadtmitte blicken.


Zwischen 350 und 400 Quadratmeter groß müssen demnach die Räume für eine Filiale des Discounters sein. Und sie müssen sich zwingend auf einer Ebene befinden. Laut Stadtverwaltung ist dies bei NKD grundsätzlich so geregelt, damit ein einziger oder nur wenige Mitarbeiter den Überblick über den Markt behalten können. So spart das Unternehmen Personalkosten.

Alle Alternativen ungeeignet

Laut Marina Stoll hat die Stadt der Firma NKD einige Objekte als Alternativstandorte angeboten und auch die Zusammenlegung mit anderen Einzelhändlern unter einem Dach angeregt. Letztlich seien aber sämtliche Vorschläge durchgefallen, sodass die Filiale Ende vergangenen Jahres nun tatsächlich schließen musste. Wie viele Mitarbeiter davon betroffen sind und was aus ihnen geworden ist, konnte der Treuchtlinger Kurier nicht in Erfahrung bringen, da der Pressesprecher von NKD zu keiner Stellungnahme bereit war.

Für den Kleiderkauf gibt es in Treuchtlingen zwar noch die Discounter "Takko" und "Ernsting’s Family" in der Ansbacher Straße sowie "KiK" in der Nürnberger Straße. Im Zentrum und als Fachgeschäft ist "Juttas Modetreff" nun aber allein auf weiter Flur. Das schmälert erneut die ohnehin nicht sonderlich große Attraktivität der Stadtmitte.

Bilderstrecke zum Thema

Treuchtlingens Mitte: Der "Walli" im Wandel

Das Wallmüllerplatz ist heute Treuchtlingens Zentrum - und sein Gesicht immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Das ist aber noch gar nicht so lange der Fall...


Mit Blick auf die den Einzelhandel zusätzlich beutelnde Corona-Krise stellt sich Bürgermeisterin Kristina Becker deshalb bereits auf ein erheblich abgespecktes "neues Normal" nach der Pandemie ein. Als besonders "schmerzhaft" empfindet sie die Ungleichbehandlung von kleinen Geschenkeläden, Parfümerien, Spiel- und Schreibwarengeschäften gegenüber den großen Drogeriemarktketten. Letztere führen oft dieselben Produkte im Sortiment, dürfen aber im Lockdown öffnen, weil sie auch Waren des täglichen Bedarfs verkaufen.

"Wie werden die Innenstädte künftig aussehen?", fragt Becker. Als Chance für eine Belebung sehen sie und Stadtentwicklungs-Beauftragter Hubert Stanka "mehr Gastronomie, Kultur und Veranstaltungen". Ob das klappt, steht aber in den Sternen. . .

LIDIA PIECHULEK / PATRICK SHAW E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Treuchtlingen