Historische Einblicke ins Dorfleben

Ausstellung über Gundelsheim im Wandel der Zeit öffnet

16.7.2021, 05:50 Uhr
Josef Seel lebt und liebt Gundelsheim. In regelmäßigen Ausstellungen informiert er über

Josef Seel lebt und liebt Gundelsheim. In regelmäßigen Ausstellungen informiert er über "sein" Dorf.  © Milena Kühnlein

Es gibt Menschen, die auf ihrem Gebiet wie eine Art wandelnde Lexika sind. Josef Seel ist einer von ihnen. Der gebürtige Gundelsheimer hat viele, viele Stunden darauf verwendet, die Geschichte des Ortes detailliert nachzuvollziehen und für die Öffentlichkeit aufzubereiten.

"Ich habe zuhause auf dem PC rund 10.000 Dokumente und Bilder liegen", erzählt der fröhliche 75-Jährige. In Stadt- und Kirchenarchiven hat er Postkarten, Urkunden, Fotografien und Prospekte rund um Gundelsheim gesammelt und teilweise übersetzt.

Jurahäuser im Fokus

In einem Raum in der alten Volksschule in Gundelsheim stellt er die spannendsten Fundstücke aus dieser Recherche in einem Raum aus. Vor allem die Geschichte der alten Jurahäuser, heute ist davon im Dorf nur noch eins erhalten, interessieren ihn. Die Fotoreihe der Ausstellung zeigt, wie sich das ursprüngliche Bauerndorf verändert hat, welche Häuser abgerissen und neu gebaut wurden, oder welche heute sogar noch stehen.


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Während Seel durch den Raum läuft, fallen ihm ständig neue Anekdoten ein, man meint, dieser Mann kenne die Geschichte jedes Pflastersteins in Gundelsheim. Woher er seine Faszination für Geschichte nimmt? Es interessiere ihn einfach, sagt der pensionierte Controller schulterzuckend.

Ein "waschechter Gundelsheimer"

Dass dieses Interesse vielleicht doch mehr eine echte Leidenschaft ist, ist spätestens dann offensichtlich, wenn Seel sein Gundelsheimer Modell zeigt. In liebevoller Kleinstarbeit hat er dabei das Dorf aus dem Jahr 1820 im Maßstab 1:200 nachgebaut - von Bäumen und Dachziegel bis hin zur Ortsquelle. Auch das Weber-Thoma-Haus (Maßstab 1:16) und ein Jurahaus-Nachbau hat der "waschechte Gundelsheimer", wie er sich selbst nennt, in Kleinform errichtet.

Ein weiteres Highlight der Ausstellung sind alte Hochzeitsbilder, die "verliebte" Paare bis tief ins 20. Jahrhundert hinein zeigen. Allein aus modischem Interesse, lohnt sich da ein längerer Blick. Postkarten von Soldaten des 1. Weltkriegs geben noch mehr Einblicke, wie die Lebensrealität von damals ausgesehen haben könnte. Besonders stolz ist Seel außerdem auf eine Urkunde aus dem 15. Jahrhundert, die er selbst übersetzt hat.

Wer Lust hat, sich auf eine historische Zeitreise ins vergangene Gundelsheim zu begeben, hat ab dem 18. Juli von 9 bis 18 Uhr die Chance dazu. Geöffnet wird ab dann nach Interesse und Bedarf, der Eintritt ist frei.

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