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Sonntag, 22.09.2019

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Awo Auernheim feiert Sanierung mit Herbstfest

Einrichtung in der ehemaligen Dorfschule gibt es nun seit 30 Jahren - 14.09.2019 05:58 Uhr

Das alte Schulhaus war vor 30 Jahren die Keimzelle der Einrichtung für psychische Langzeiterkrankte der Arbeiterwohlfahrt im kleinen Auernheim. Nun hat die Awo das U-förmige Gebäude grundlegend saniert und neu ausgestattet. © Foto: Patrick Shaw


Das Awo-Haus in Auernheim ist in gewisser Weise ein Phänomen. 88 psychisch kranke Menschen leben hinter seinen hohen Zäunen – Menschen mit schizophrenen Psychosen, Angst- und Zwangsneurosen, sozialen Phobien oder Suchtstörungen. Manche von ihnen sind bisweilen laut oder aggressiv, viele sind dem Alltag nicht gewachsen. Rund um die Uhr eingesperrt sind jedoch die wenigsten, die Dorfbewohner begegnen ihnen fast täglich. Dennoch stehen die meisten Auernheimer zu ihren kranken Mitbürgern.

"Da gibt es eine große Akzeptanz im Dorf", sagt Einrichtungsleiterin Christa Unkelbach. Nur selten bekomme sie Kommentare wie "Die Säufer sind doch selbst schuld!" zu hören. Und auch die gelegentlichen Beschwerden seien eher harmlos – etwa wegen weggeworfener Kippen, oder wenn ein Bewohner in der Öffentlichkeit laut wird.

Im Gegenteil: "Wenn einer unserer Bewohner den Bus verpasst oder abgängig ist, nimmt ihn oft ein Auernheimer mit oder gibt uns Bescheid", so die Heimleiterin. "Die Leute sind sehr offen und kennen einander, wir sind ja hier ein großer Arbeitgeber." Gut ein Drittel der 94 sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiter wohnt in Auernheim. "Und wir haben auch kein besonders kritisches Klientel", erklärt Unkelbach. Intensivstraftäter nehme das Haus wegen der dörflichen Lage nicht auf.

Umbau bei Vollbelegung

Seit 1984 gibt es die "beschützende Einrichtung" in dem Hahnenkammdorf, Träger ist seit 1989 die Arbeiterwohlfahrt (Awo), die die Gebäude 2011 auch kaufte. Der ältere Teil umfasst das frühere Schulhaus und das Lehrerwohnhaus, von 2014 bis 2016 entstand daneben ein großer Neubau. Im vergangenen Jahr wurde nun der Altbau grundlegend umgebaut und renoviert – "bei laufendem Betrieb und Vollbelegung", wie Christa Unkelbach betont. "Das war schon eine Herausforderung und eine schwierige Zeit."

Das alte Lehrer-Wohnhaus, das früher Wohneinheiten beherbergte, ist nun reiner Verwaltungstrakt. Dort gibt es einen Veranstaltungssaal, einen Beschäftigungsraum sowie die Büros der Sozialpädagogen und Therapeuten. Neben ihnen beschäftigt die Awo in Auernheim auch Krankenschwestern und Altenpfleger, denn 26 der 88 Heimbewohner sind teils stark pflegebedürftig. Dazu kommen noch fünf Auszubildende, darunter zwei Studenten der Dualen Hochschule in Heidenheim/Brenz.

Weitläufig und mit Privatsphäre

Die drei nach therapeutischen Schwerpunkten gegliederten Wohnbereiche sind unterdessen komplett ins alte Schulhaus und den Neubau umgezogen. Dadurch hat das Awo-Haus zwar nicht mehr Heimplätze gewonnen, aber 80 Prozent der Bewohner haben nun ein Einzelzimmer. "Das und die Weitläufigkeit des Areals entschärfen viele Spannungen", erläutert Unkelbach. Ein Wohnbereich widmet sich der Vorbereitung auf den Alltag, der zweite Bewohnern mit einem "erhöhten Hilfebedarf" und der dritte der "pädagogisch intensiven Betreuung".

Hell und freundlich: Im frisch renovierten Awo-Haus sollen die Bewohner möglichst würdig leben und auf die selbstständige Bewältigung des Alltags vorbereitet werden. © Foto: Patrick Shaw


Im gesamten Altbau wurden darüber hinaus die Sanitäranlagen, Türen und Fenster sowie die Elektrik von Grund auf erneuert. Insgesamt rund 2,2 Millionen Euro hat der Awo-Kreisverband Mittelfranken Süd dafür zusammen mit dem Bezirk locker gemacht. Weitere 5,1 Millionen Euro flossen zuvor schon in den Neubau. Die Unterbringungskosten für die Heimbewohner werden je nach Erkrankung und Pflegebedarf über die Eingliederungshilfe und/oder die Renten- und Pflegeversicherung cofinanziert.

"Wir sind froh, dass nun wieder Ruhe im Haus einzieht", blickt Christa Unkelbach mit Erleichterung voraus auf das Herbstfest am Sonntag, 22. September. Mit ihm feiert die Auernheimer Einrichtung nicht nur den Abschluss ihres Umbaus, sondern gleichzeitig auch ihr 30-jähriges Bestehen unter der Regie der Awo, das 40-jährige Bestehen des Awo-Kreisverbands und den 100. Geburtstag der Arbeiterwohlfahrt.

Das Programm des Herbstfestes

Den Abschluss seines Umbaus und sein 30-jähriges Bestehen feiert das Awo-Haus in Auernheim am Sonntag, 22. September, mit einem großen Herbstfest. Los geht es um 10 Uhr mit einem Dekanatsgottesdienst im neuen Festsaal, den der örtliche Posaunenchor begleitet. Nach dem Mittagessen folgen gegen 12.15 Uhr die Reden der Hausleitung und der Ehrengäste. Ab 13.30 Uhr können die Besucher stündlich an Hausführungen mit verschiedenen Lern- und Spielangeboten teilnehmen. Für Kinder gibt es eine eigene Station. Außerdem warten ab 14 Uhr Kaffee und Kuchen sowie ein "Überraschungsgast". 

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