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B2-Umgehung: Wann kommt der Dattelbergtunnel?

Zum Dietfurter Großprojekt ist die Voruntersuchung abgeschlossen - Lokal oder überörtlich relevant? - 15.12.2020 06:04 Uhr

An verkehrsreichen Tagen rollen auf der B2 bis zu 20.000 Fahrzeuge durch Dietfurt. Eine Umgehung würde das Dorf entlasten, für die im „Nadelöhr“ zwischen Altmühl, Ried und Jurakante aber wenig Platz ist. Ein Tunnel durch den Dattelberg (im Hintergrund) wäre nach Ansicht der Dorfgemeinschaft die richtige Lösung.

14.12.2020 © Foto: Patrick Shaw


Eigentlich sollte es zum von den Dorfbewohnern und der Stadt bevorzugten "Dattelbergtunnel" durch die Jurakante östlich des Treuchtlinger Ortsteils bis zum Jahresende "ein klares Ja oder Nein geben", wie der Leiter des Staatlichen Bauamts in Ansbach, Heinrich Schmidt, unserer Zeitung Ende August in Aussicht stellte. Doch daraus wird wohl nichts. Denn laut Bauamts-Abteilungsleiter Christoph Eichler gehen diese Woche gerade erst die Ergebnisse der Voruntersuchung ans Bundesverkehrsministerium.

So könnte der geplante „Dattelbergtunnel“ bei Treuchtlingen einmal aussehen (in Fahrtrichtung Weißenburg): links im Hintergrund Dietfurt und die alte B2, vorne links die Lärmschutzwand sowie rechts die Brücke über die Altmühl und das südliche Tunnel-Portal.

15.11.2019 © Visualisierung: Staatliches Bauamt Ansbach


Diese benötigt das Ministerium wiederum für die Wirtschaftlichkeitsprüfung, die für das voraussichtlich rund 90 Millionen Euro schwere Projekt nötig ist. "Nachdem die ermittelten Kosten die veranschlagten Kosten aus dem Bundesverkehrswegeplan deutlich überschritten haben, wurde von uns eine Nutzen-Kosten-Analyse in Auftrag gegeben", schreibt Eichler auf Anfrage unserer Zeitung. Deren Ergebnis wird nun wohl über die "Bauwürdigkeit" des Tunnels entscheiden.

Ein Knackpunkt bei der Beurteilung scheint die Frage zu sein, ob die Umgehung punktuell als Entlastung für Dietfurt oder als überörtliches Infrastrukturprojekt eingestuft wird, wie der CSU-Bundestagsabgeordnete Artur Auernhammer mitteilt. Er ist einer der Hauptakteure im Ringen um den kreuzungsfreien Ausbau der Bundesstraße 2. Nach der Fertigstellung der Umgehung von Wernsbach sind die Weißenburger "Hörnlein-Kreuzung" und die Ortsdurchfahrt von Dietfurt die beiden einzigen verbliebenen "Nadelöhre".

"Da können wir keine Kreuzung brauchen"

"Man darf die Umfahrung nicht für Dietfurt allein sehen, sondern für die gesamte Achse Nürnberg-Augsburg", so Auernhammer. "Das hängt alles zusammen, und da können wir keine Kreuzung oder Ampel brauchen." Er sei "ein klarer Befürworter der Tunnellösung, weil sie auch von der Stadt und den Bürgern so gewünscht ist", betont der Abgeordnete. Deshalb werde er dem Ministerium und den Genehmigungsbehörden auch weiterhin "auf den Füßen stehen", um grünes Licht für den Dattelbergtunnel zu erhalten und auch den Ausbau der Hörnlein-Kreuzung zu beschleunigen.


Lange Röhre: B2 geht bei Dietfurt unter die Erde


Der "kleine" Dattelbergtunnel wäre mit seiner 900 Meter langen zweispurigen Röhre samt anschließender Brücke über die Altmühl und Lärmschutzwänden im Ortsbereich ein echtes Mammutprojekt. Dabei ist er von den sieben möglichen Trassen, die die Behörden in einem mehr als dreijährigen Beteiligungsprozess gemeinsam mit den Dietfurtern und ihren Nachbarn erarbeitet haben, sogar die drittgünstigste. 83 Millionen Euro standen Ende vergangenen Jahres in der Schätzung – tatsächlich dürften sich die Baukosten allerdings mittlerweile wegen der Preissteigerungen im Baugewerbe zwischen 90 und 100 Millionen Euro bewegen.

Die Umgehungstrasse von Norden mit Dietfurt im Hintergrund sowie dem neuen Kreisverkehr an der Schambachkreuzung (vorne) samt Zubringer von/in Richtung Osterdorf.

15.11.2019 © Visualisierung: Staatliches Bauamt Ansbach


Kaum Alternativen möglich

Die alte B-2-Trasse durchs Dorf beizubehalten und einzuhausen, hätte mit 92 Millionen Euro zu Buche geschlagen und war sowohl wegen der Ablehnung der Bürger als auch wegen der Eingriffe in die Ökologie der Altmühl als erstes durchgefallen. Ein längerer Tunnel wäre mit mehr als 140 Millionen Euro unbezahlbar gewesen, ebenso wie die 106 Millionen Euro teure oberirdische Variante über die steile Jurakante.

Lediglich die beiden Strecken durchs Dietfurter Ried hätten mit rund 50 Millionen Euro weniger gekostet, wären aber wegen der Lärmbelastung und der Schäden am Naturschutzgebiet nicht genehmigungsfähig gewesen. Auch an der Tunnel-Variante kam allerdings bereits Kritik vom Bund Naturschutz, insbesondere wegen der weit ausgreifenden Zubringer. Was die Gutachter dazu sagen, steht in der Umweltverträglichkeitsprüfung, die ebenfalls Teil der nun abgeschlossenen Voruntersuchung ist.

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Nichts geht mehr: Wütende Dietfurter blockierten B2

Genug ist genug, dachten sich einige Dietfurter und blockierten am Freitag kurzerhand eine Stunde lang die B2. Sie sind wütend darüber, dass es für ihren Ort keine Umgehungsstraße gibt und sie den Motorenlärm ertragen müssen. Mit der Aktion wollten sie erreichen, dass man ihr Anliegen in Berlin ernst nimmt. Wenig erfreut zeigten sich die Autofahrer, die wegen der Protestaktion im Stau standen.


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