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Donnerstag, 02.04.2020

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Barbara Engelhardt reist für die Tiere quer durch Ostafrika

Wettelsheimer Tierschützerin besuchte den Sudan, Äthiopien und Somalia - 18.02.2020 05:57 Uhr

Auf ihren Reisen für den Tierschutz scheut Barbara Engelhardt keinen Kontakt zu den Einheimischen – hier etwa zu zwei jungen Eselreitern im Sudan. © Foto: privat


Eigentlich ist unsere Zeitung weder ein Tierschutz-, noch ein Reisemagazin. Doch wenn die Wettelsheimer Aktivistin Barbara Engelhardt auf Weltreise geht, um Straßenhunde in Nordkorea zu verarzten, Strände in Grönland zu säubern, mit dem Papst über den Stierkampf zu debattieren oder iranischen Mullahs den Tierschutz im Islam zu erklären, ist das so außergewöhnlich, dass es stets einen Bericht wert ist.

Dabei sticht die jüngste Tour der Mittsechzigerin nochmals aus alledem heraus. Zwei Monate lang reiste sie durch den Sudan, Äthiopien und Somalia. Zurück kam sie vorvergangene Woche – abgemagert, mit Reizhusten wegen des Smogs in den Großstädten und dankbar, nicht erschossen worden zu sein. Für Engelhardt jedoch kein Grund, mit ihrem Engagement aufzuhören.

Tierschützerisch hat aus Sicht der Wettelsheimerin vor allem der Sudan "Entwicklungshilfe" nötig. Anders als in den Nachbarländern seien dort viele der Straßenhunde "halb tot", sodass sie etliche habe einschläfern müssen. "Man schaut nicht zu, wie ein Tier langsam verhungert", so Engelhardt. Auch auf dem Viehmarkt und im Zoo habe sie festgestellt, dass "die Menschen dort einfach keinen Bezug zum Tier haben".

So waren im Tiergarten in Khartum die Löwen so abgemagert, "dass man die Rippen zählen konnte und sie schon nichts mehr zu sich genommen haben". Nach einem Hilferuf via Facebook und Berichten zahlreicher Medien griff die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" – die Engelhardt nach eigenen Worten erst auf das Leid der Tiere aufmerksam gemacht hatte – zwar ein und ließ die Großkatzen aufpäppeln. Einer der Löwen schaffte es aber nicht.

Erste Hilfe für einen Straßenhund: Der Vierbeiner hatte eine tiefe, eiternde Wunde am Hinterlauf. Zum Helfen animiert Barbara Engelhardt stets auch Einheimische. © Foto: Barbara Engelhardt


Ein Grund für solche Fälle ist die Armut, das räumt Engelhardt ein. "Fleisch ist teuer", hätten die Verantwortlichen erklärt – und etwas anderes fressen Löwen nicht. Eine andere Ursache sieht die Mittelfränkin in der "strikten saudischen Form des Islam", die im Sudan praktiziert werde. Das mache auch die Aufklärungsarbeit schwierig. Broschüren verteilen oder gar fotografieren? Oft verboten. Einmal sei sie sogar verhaftet worden, den Kamerachip, den sie bei sich hatte, sah sie nicht wieder.

Auch an der Grenze nach Äthiopien hielten Bewaffnete Engelhardt fest – ein Ärgernis, das sich später als Glücksfall herausstellte: Drei andere Reisende, die die Grenze nachts überqueren wollten, lagen tags darauf im nächsten Dorf in Särgen. Meist kommen der Aktivistin, die fließend Englisch, Französisch, Spanisch und Arabisch spricht, ihre Furchtlosigkeit und entwaffnende Offenheit jedoch zugute. Denn Engelhardt reist nicht auf touristischen Pfaden, sie schlägt sich per Bus und Bahn durch, übernachtet im Zelt oder bei Fremden, die sie auf der Straße anspricht.

Einen tierfreundlicheren Eindruck als der Sudan machte auf die Wettelsheimerin das benachbarte Äthiopien: "Die Hunde und Esel in Addis Abeba waren in vergleichsweise gutem Zustand. Wir haben Straßenhunde verarztet, die aber meist von Autos angefahren waren." "Wir" bedeutet für Engelhardt: sie und die Passanten, die sie stets (teils für einen kleinen Lohn) zum Mithelfen animiert. Das sei in Äthiopien leicht gewesen, berichtet sie, und sie habe sich in Sachen Tierliebe "endlich mal in guter Gesellschaft gefühlt".

In Äthiopien teilen sich Mensch und Tier oft dieselben elenden Lebensbedingungen, wie hier Hund und Herr unter einer Brücke. © Foto: Barbara Engelhardt


Für recht skurril müssen indes die Einheimischen in Somalia die Deutsche gehalten haben. Denn dort versorgte sie nicht nur kranke Hunde und vermittelte sie in Obhut – sie versuchte auch, den Menschen beizubringen, dass zu laute Musik die Tiere stresst und ihren feinen Ohren schadet. Darüber, dass sie ihr Radio leiser drehen sollten, seien die an Lärm und Trubel gewöhnten Somalier regelrecht "entsetzt" gewesen.

Neben den Tieren wollte Engelhardt am Horn von Afrika aber auch Straßenkindern helfen. Ihre Idee, für kleines Geld Kojen bauen zu lassen, damit die Kinder nicht im Freien schlafen müssen, erwies sich aber als unausgereift. "Die Leute sagten, wenn ich das mache, locke ich noch mehr Kinder vom Land in die völlig überfüllte Stadt", erzählt sie. Doch solche Hinweise sind für die Wettelsheimerin wertvoll – und etwas, das man eben nur erfährt, wenn man ganz nah dran ist an den Menschen.

Mehr zu Barbara Engelhardts unkonventioneller Tierschutzarbeit gibt es im Internet unter www.sos-tierschutz.eu

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