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Bauen ohne Flächenfraß: So soll Treuchtlingen künftig wohnen

Das Thema "Bauen und Wohnen" beschäftigte den Stadtrat bei seiner jüngsten Klausurtagung - 16.11.2020 12:18 Uhr

Modernes Wohnen zwischen historischem Bestand im Treuchtlinger Zentrum: Ein gutes Beispiel für innerstädtische Nachverdichtung ist das Wohnbauprojekt, das derzeit in der Hauptstraße zwischen Kirchenstraße und Altmühl entsteht. Die Vorteile: wenig Flächenfraß und kurze Wege.

14.11.2020 © Patrick Shaw


Die Nachverdichtung – also das Füllen von Baulücken und die konzentriertere Bebauung – hat nach Ansicht der Arbeitsgruppe angesichts des wachsenden Flächenverbrauchs hohe Priorität. "Sowohl in der Stadt als auch in den Dorfkernen sollten bevorzugt leerstehende Bauplätze gefüllt werden, bevor mit der Erschließung neuer Gebiete begonnen wird", so der Tenor. Auch leerstehende Gebäude seien vorrangig zu nutzen, bevor neue Häuser entstehen.

Ein Problem ist den Ratsmitgliedern zufolge allerdings, dass sich die Kommune seit jeher schwer tut, Bauplätze oder freie Gebäude im Stadtgebiet zu erwerben. So möchten zum Beispiel viele Eigentümer ihre Grundstücke für Kinder oder Enkel zurückhalten, in der aktuellen Situation wolle ohnehin kaum jemand verkaufen. Dasselbe Bild habe schon vor drei Jahren eine Abfrage unter den Grundstücksbesitzern ergeben.


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Die Bürger wollten außerdem eher neu bauen, statt zu sanieren, so die Arbeitsgruppe einhellig. Die Kommune müsse deshalb Anreize schaffen, etwa durch Zuschüsse für den Abbruch oder die Kostenübernahme für Beratungsleistungen. Konkret könnte die Verwaltung ein Kataster mit Baulücken und Leerständen erstellen und so mit Eigentümern über deren Verkaufsbereitschaft ins Gespräch kommen. Stadtratsmitglieder und Ortssprecher könnten dabei mitwirken. Wenn dennoch neue Baugebiete erschlossen werden, sollte die Stadt der Gruppe zufolge "aus Wirtschaftlichkeitsgründen statt vieler kleiner eher auf größere Baugebiete setzen".

Der Galgenbuck heute: Auf dem einstigen Areal der Firma Stöckermann (im Vordergrund schräg gegenüber der Sportanlage; im linken Bild ganz rechts) wurden in den vergangenen Jahren einige der letzten möglichen Baugrundstücke erschlossen.

28.08.2020 © Rudi Beringer, Limes-Luftbild


Mehr Gewerbeflächen nötig?

Die Ausweisung neuer Gewerbeflächen sehen die Klausurteilnehmer als weniger dringlich an. Dies steht allerdings im klaren Gegensatz zu den Ergebnissen der jüngsten Bürgerbefragung zur Standort- und Tourismusentwicklung (Bericht über die Ergebnisse folgt in Kürze). Darin wünschen sich viele der Befragten die Ansiedlung von mehr Gewerbe, um zusätzliche Steuereinnahmen und Arbeitsplätze zu schaffen.

Einen weiteren Schwerpunkt der Diskussion bildete der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum beziehungsweise sozialem Wohnungsbau. Dass dieser vorhanden ist, geht ebenfalls aus den Ergebnissen der Bürgerbefragung hervor. Die Stadt sollte deshalb nach Ansicht der Arbeitsgruppe insbesondere den Bau von Mehrfamilienhäusern ermöglichen, die zwar nicht in die Kategorie "sozialer Wohnungsbau" fallen, deren Wohnungen aber trotzdem bezahlbar sind.

Wohnen muss bezahlbar sein

Eine Anregung in diese Richtung war auch, über die Gründung einer städtischen Wohnungsbaugenossenschaft nachzudenken. Diese könnte nach Auffassung der Ratsvertreter – eventuell in Zusammenarbeit mit privaten Investoren – in relativ kurzer Zeit nötigen Wohnraum schaffen.

Für den sozialen Wohnungsbau geeignete Flächen soll die Stadtverwaltung zeitnah ermitteln. Wichtig ist es der Arbeitsgruppe zufolge vor allem, schnell Alternativen zur einst dafür angedachten, aber wegen der Nähe zur Altmühl wohl unbebaubaren Fläche in der Gstadter Straße zu finden. Dann könne ein solches Projekt zügig in Angriff genommen werden.


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Für Neubaugebiete wünschen sich die Ratsmitglieder neben Einfamilien- auch mehr Doppel-, Reihen- und Mehrfamilienhäuser. Je nach Quartier müsse es dafür passende Konzepte geben. Zudem müsse in Bebauungsplänen die Nachhaltigkeit eine größere Rolle als bisher spielen. Beispielsweise sollten Zisternen gefordert (und im besten Fall gefördert) werden, die Versorgung mit regenerativen Energien wie Nahwärme oder Solarenergie müsse zur "Grundausstattung" gehören. Auch für das Nachrüsten im Bestand sollten Anreize geschaffen werden.

Keine Steingärten zulassen

Steingärten lehnten alle Diskussionsteilnehmer mit Blick auf die Artenvielfalt ab Zur Steuerung des Zuzugs regte die Gruppe an, über eine Richtlinie zur Bauplatzvergabe nachzudenken. Dies könne eine gerechte Verteilung der knappen Baugrundstücke zwischen Einheimischen und Auswärtigen ("Einheimischen-Modell") sowie Familien mit und ohne Kinder ermöglichen.


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Stadtverwaltung und Ratsmitglieder sollen die Vorschläge und Ideen aus der Arbeitsgruppe nun auf Plausibilität prüfen, priorisieren und in Projekte gliedern. Parallel soll der Bedarf an Wohn-, Gewerbe- und Wirtschaftsflächen für die mittelfristige Stadtplanung ermittelt werden. Eine Rolle spielen dabei neben den Treuchtlinger Interessen auch überörtliche Entscheidungen, wie zum Beispiel die Entwicklung der für Treuchtlingen so wichtigen Bahnanbindung.

tk / psh E-Mail

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