Donnerstag, 03.12.2020

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Breitband: Treuchtlingens Weiler ziehen an der Stadt vorbei

Mit dem "Höfebonus" kommt das schnelle Internet nun auch in die entlegensten Winkel des Stadtgebiets - 19.10.2020 06:04 Uhr

In der Treuchtlinger Kernstadt hat die Telekom zuletzt in Eigenregie Glasfaserkabel bis zum Verteilerkasten gelegt. Die Höfe und Weiler bekommen nun über das Förderprogramm sogar Glasfaser bis ins Haus – und mit der vierfachen Geschwindigkeit.

16.10.2020 © TK-Archiv, Patrick Shaw


Schnelles Internet ist schon jetzt die Lebensader des ländlichen Raums. Die Möglichkeit, abseits der Ballungsräume über die Datenautobahn zu kommunizieren, zu arbeiten und zu leben, entscheidet über die Zukunft von Dörfern, Kleinstädten und ganzen Regionen. Nochmals rapide verstärkt hat den Ausbaudruck die Corona-Pandemie mit der Notwendigkeit von Homeoffice und Online-Beschulung.

Vertragsabschluss: Gerhard Krämmer von M-net, Herwig Rößner von der Breitbandberatung Bayern, Treuchtlingens „Breitbandpate“ Michael Satzinger, Bürgermeisterin Kristina Becker sowie Thomas Braun und Markus Sand von der Telekom (von links).

16.10.2020 © Patrick Shaw


Für das große, dünn besiedelte Treuchtlinger Stadtgebiet hat dies wie vielerorts ein Paradoxon zur Folge: Jahrelang waren die für große Telekommunikationsanbieter wenig rentablen Weiler und Höfe geradezu abgeschnitten von der digitalen Welt; nun gilt jedoch in Sachen Netzgeschwindigkeit: "Die Letzten werden die Ersten sein." Mit dem dritten Breitbandförderprogramm der bayerischen Staatsregierung, dem sognannten Höfebonus, erhalten die entlegensten Winkel des Stadtgebiets den schnellsten Internetzugang.

Den entsprechenden Vertrag unterzeichneten Bürgermeisterin Kristina Becker und die Vertreter der beiden erfolgreichen Bieter Telekom und M-net diese Woche in Anwesenheit von Herwig Rößner von der bayerischen Breitbandberatung und dem städtischen "Breitbandpaten" Michael Satzinger. Knapp 300.000 Euro nimmt die Stadt dafür in die Hand, weitere 880.000 Euro kommen aus München.

"Die letzten sind die teuersten"

So groß ist die Wirtschaftlichkeitslücke, also der Betrag, den die beiden Firmen bei einer selbst finanzierten Erschließung draufzahlen müssten, und den deshalb Kommune und Freistaat übernehmen. Umgerechnet auf die insgesamt nur 44 DSL-Anschlüsse sind das rund 27.000 Euro pro Anschluss, umgelegt auf die 24 Haushalte sogar fast 50.000. "Die letzten Anschlüsse sind immer die teuersten", bestätigt Herwig Rößner. Bereits im April 2019 hatte der Stadtrat kontrovers über das Kosten-Nutzen-Verhältnis diskutiert, die Vergabe dann aber mit nur zwei Gegenstimmen abgesegnet.

Erschlossen werden nun Schlittenhart mit Maiershof und Melchershof (20 Anwesen), zwei Grundstücke in Windischhausen südlich der Untermühle, die Siebeneichhöfe mit Hagenhof und dem Auernheimer Sägewerk (sechs Gebäude), Spielhof und Eichhof, Lehnleinsmühle und Kohlmühle sowie Bonhof und Obere Papiermühle. Ebenso geplant ist der Anschluss des Stadtbauhofs, der Biogasanlage am Dietfurter Sträßchen und des Bubenheimer Flugplatzes.

Sie alle erhalten mit dem Ausbau Glasfaseranschlüsse bis ins Haus samt Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde. "Das sind Bandbreiten wie in München", vergleicht Gerhard Krämmer von M-net. Wie schon bei den ersten zwei Förderverfahren, bei denen zunächst die größeren Dörfer zum Zug kamen, teilt sich sein Unternehmen den Ausbau mit der Telekom.

500 Mal so schnell in acht Jahren

Wie schnell die Entwicklung voranschreitet, macht Berater Herwig Rößner deutlich: "Im Jahr 2012 haben wir noch von zwei Megabit gesprochen, jetzt sind es 1000." Damit ziehen die Höfe und Weiler bis auf Weiteres an Kernstadt und Ortsteilen vorbei, in denen die Bürger aktuell über verschiedene Kabel- und Funklösungen mit Geschwindigkeiten zwischen 30 und 100 Megabit pro Sekunde online gehen.

Die neuen Glasfaserleitungen markieren zudem den Start in die Umsetzung der bayerischen Gigabitrichtlinie, indem sie es auch Anliegern außerhalb der Erschließungsgebiete ermöglichen, sich an den Ausbau "dranzuhängen". Dauern dürfen die Arbeiten vertragsgemäß höchsten vier Jahre. Dafür müssen neue Trassen aufgegraben werden, meist bis in die betroffenen Grundstücke.

Schnelles Internet sei "sehr wichtig für eine ländliche Kommune wie Treuchtlingen und eine Zukunftsperspektive für die Höfe und Weiler", ist auch Rathauschefin Becker überzeugt. Dort zu leben habe viele Vorzüge – vorausgesetzt man könne problemlos online arbeiten. Sie hoffe, dass mittelfristig "auch gewerbliche Kunden davon profitieren und sich neu ansiedeln".

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