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Sonntag, 09.08.2020

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Bürgerinitiative plant Nahwärmenetz für Wettelsheim

Gruppe wirbt für eine gemeinschaftliche und nachhaltige Heizanlage mit regionalem Brennstoff - 17.07.2020 11:54 Uhr

Holz statt Öl: Viel Wald steht zum Beispiel am Hang des Patrichbergs hinter den Initiatoren des Wettelsheimer Nahwärme-Projekts. Mit dem Rohstoff aus der Region möchte die Gruppe das potenzielle Heizwerk später einmal befeuern.

© Foto: Patrick Shaw


Wie viel Gedanken sich die Initiatoren um Hannes Köhnlein, Matthias Hüttinger, Martin Huber, Wolfgang Auer, Andreas Görg, Stefan Heuberger, Michael Traub, Stefan Föttinger und Rainer Lechner gemacht haben, sieht man schon der Info-Broschüre an, die in den nächsten Tagen in allen Wettelsheimer Briefkästen liegen soll. Auf zwölf eng bedruckten Seiten erläutern die Macher die Gründe für ihren Vorstoß sowie Vorteile, technische Eckdaten und Wirtschaftlichkeit eines Nahwärmenetzes.

"In Wettelsheim gibt es noch viele alte Ölheizungen, denen spätestens 2026 das Aus droht", erklärt Matthias Hüttinger. Deshalb hätten sich viele aus der Gruppe Gedanken über bezahlbare, nachhaltige und regionale Alternativen gemacht – und seien bei der Nahwärme gelandet. "Wettelsheim hätte die perfekte Größe dafür", meint Hüttinger, der sich mit seinen Mitstreitern auch schon das Netz in Dornhausen angeschaut hat und im Kontakt zu den Initiatoren in Rehlingen steht, wo ebenfalls gerade ein Netz entsteht.

Heizen mit Holz aus der Region

Die Energie für die "dörfliche Zentralheizung" soll in Wettelsheim in einem Hackschnitzel-Heizwerk entstehen. "Viele Leute denken, Nahwärme ginge nur mit Biogas", sagt Hüttinger. Im Rohrachdorf gibt es jedoch keine solche Anlage – dafür aber viele Waldbesitzer. Ziel der Gruppe wäre deshalb "ein Kreislauf, bei dem das Holz komplett aus dem Umkreis kommt." Je nach Größe der Anlage könnten dennoch benachbarte Biogasanlagen zugeschaltet werden. Und noch wichtiger: "Der Energieträger ist wechselbar, wenn Holz irgendwann nicht mehr wirtschaftlich sein sollte", so Hüttinger. "Das Netz haben wir dann ja schon."

Ein Problem haben die Initiatoren allerdings: "Wir wollen die Leute informieren und überzeugen, können aber noch nichts zu Anschluss- und Verbaucherpreisen sagen, weil diese von der Größe des Netzes und der Zahl der angeschlossenen Haushalte abhängen." Dennoch hätten Hüttinger und seine Mitstreiter "gern jetzt schon ein erstes Ja oder Nein".

Dafür haben sie die umfangreiche Broschüre konzipiert, die sie nun im Dorf unter die Leute bringen. Zu ihr gehört auch ein Erhebungsbogen, der das generelle Interesse abfragen soll. "Wir erhoffen uns einen möglichst vollständigen Rücklauf, damit wir ein vollständiges Bild erhalten und alle Dorfbewohner informiert sind – auch wenn kein Interesse besteht", so die neun Impulsgeber.

Bis 31. August soll die Umfrage laufen, dann wertet die Gruppe den Rücklauf aus und stellt ihn anonymisiert einem Ingenieurbüro zur Verfügung. Dieses errechnet daraus die konkreten Kosten und Einzugsgebiete eines möglichen Nahwärmenetzes und stellt sie in einer Informationsveranstaltung vor. Wenn anschließend genug Wettelsheimer mitmachen, soll die Initiatorengruppe in einen Verein oder eine Genossenschaft übergehen, die sich um Bau und Betrieb des Netzes kümmert.

Für "konkurrenzfähig zu einer Ölheizung" hält Matthias Hüttinger das Nahwärmekonzept allemal. Zudem spare es Platz im Haus, sei nachhaltig und könne beim Bau gleich auch mit Glasfaseranschlüssen für schnelles Internet kombiniert werden. Denn "am Ende zählt auch für uns alle der Preis", so die umtriebigen Wettelsheimer.

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