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Camping im Altmühltal: Betreiber warten auf Vorgaben

Am 30. Mai dürfen die Plätze öffnen, doch wie und für wen ist unklar - 13.05.2020 05:57 Uhr

Wie voll werden die Camping- und Reisemobilstellplätze – im Bild die Anlage am Treuchtlinger Kurpark – dieses Jahr? Da für viele ein Urlaub im Ausland nicht in Frage kommt, werden Reisen in die Region beliebt sein. Doch auch die Betreiber müssen auf Abstands- und Hygieneregeln achten.

12.05.2020 © Archivfoto: Benjamin Huck


"Seitdem das verkündet wurde, schellt bei mir das Telefon in einer Tour", berichtet Uwe Horsmann. Er betreibt den Campingplatz an der Altmühl in Pappenheim. Normalerweise hätte die Saison bereits am 1. April begonnen, nun geht es in Bayern, Corona-bedingt, erst am 30. Mai und damit zu Beginn der Pflingstferien los – und die Menschen scheinen sich nach Urlaub zu sehnen.

Horsmann hat die besucherfreie Zeit genutzt, um seinen Campingplatz auf Vordermann zu bringen und Spender mit Desinfektionsmittel zu montieren. Gut 100 Parzellen hat er auf dem Areal, fast jede zweite wird vorerst leer bleiben, um den Abstand zwischen den Gästen einzuhalten. "Unser Gelände ist zwar sehr weitläufig und könnte mehr Besucher vertragen, allerdings könnte es dann in den Waschhäusern eng werden", so der Betreiber.

Nachdem für viele Menschen der Urlaub im Ausland ausgefallen ist, wollen sie in der Region bleiben, wo eben auch der Pappenheimer Campingplatz ein Anlaufpunkt ist. Deshalb rufen viele Reisende bei Horsmann an, um bereits einen Platz zu reservieren. "Dabei ist Camping oft eine spontane Angelegenheit. Die Menschen fahren mit dem Wohnmobil durch die Gegend und suchen sich dann abends einen Platz", erzählt er. Zwei bis drei Parzellen werde er deshalb für spontane Übernachtungsgäste freihalten.

Ganz und gar ohne Reservierung konnten die Gäste bislang auf dem Treuchtlinger Reisemobilstellplatz am Rande des Kurparks vorbeikommen. Nach der Erweiterung im vergangenen Jahr gibt es dort nun 91 Parzellen für Wohnmobile, die schon in normalen Sommern oft voll belegt sind und wo es dann durchaus eng werden kann.

Das Problem mit den Duschen

"Wir überlegen, derzeit nur jede zweite Parzellen zu belegen", sagt die Leiterin der Kur- und Touristinformation, Stefanie Grucza. Zwar sei auch hier der Abstand zwischen den Parzellen nicht das Problem, da diese großzügig angelegt sind. Allerdings wolle man den Gästen möglichst den gewohnten Service samt Duschen und Waschräumen bieten. Knackpunkt ist dort die Hygiene. Bis zum Ende des Monats erstellt die Touristinformation dafür zusammen mit dem städtischen Ordnungsamt ein passendes Hygienekonzept.

Zunächst möchte die Stadt als Betreiber auch daran festhalten, dass die Besucher auf dem Platz ohne Voranmeldung campen können. Doch bereits jetzt gibt es zahlreiche Anfragen von Urlaubswilligen, vor allem aus Bayern. Grucza rechnet damit, dass der Urlaub in der Region und in Deutschland stark zunehmen wird, da klassische Reiseländer im Süden wegfallen. "Dann müssen wir auch über Reservierungen im Voraus nachdenken, damit die Gäste nicht enttäuscht sind, wenn sie hier keinen Platz finden."

Zu Pfingsten ausgebucht

Recht voll wäre es auch ohne Corona in den Pfingstferien am Brombachsee-Campingplatz in Langlau geworden. "Wir waren bereits im Voraus komplett ausgebucht", sagt der Geschäftsleiter des Zweckverbands Brombachsee, Dieter Hofer. Dennoch steht auch hier das Telefon nicht still, die Menschen sehnen sich nach Erholung. Die aktuellen Beschränkungen haben das Geschäft vorerst zum Erliegen gebracht, wie es weiter geht, ist noch unklar. Denn genaue Vorgaben aus München fehlen.

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Gastro, Kita, Sport: Diese Lockerungen gelten nun für Bayern

Nach wochenlangen Verboten und Beschränkungen hat das bayerische Kabinett eine weitreichende Lockerung der harten Anti-Corona-Maßnahmen beschlossen. "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für ein vorsichtiges Öffnen," sagte Ministerpräsident Markus Söder. Folgende neue Maßnahmen sieht der Freistaat vor.


So hat der Campingplatz am See große Flächen für Gäste mit Zelten – die sind aber auf Duschräume angewiesen, bei denen nicht sicher ist, ob sie schon wieder öffnen dürfen. Für Wohnmobilisten besteht das Problem nicht, da sie ja meist eine Nasszelle dabei haben. "Wir bräuchten eine Woche Vorlauf, um alles vorzubereiten", sagt Hofer. Er und seine Kollegen warten derweil ab, welche Anforderungen die Staatsregierung verkündet.

Auch Uwe Horsmann aus Pappenheim vermisst eine klare Ansage von der Regierung. "Zwar haben wir den Termin genannt bekommen, ab dem wir wieder öffnen dürfen. Aber ansonsten gab es keine Vorgaben." Trotz mehrmaliger Anfrage beim Landratsamt konnte ihm niemand sagen, ob er besondere Maßnahmen einhalten muss. "Ich habe mir meine Informationen dann im Internet zusammengesucht, beim ADAC und beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband."

Recht kurzfristige Auskunft

Konkretes von der Staatsregierung gibt es bisher noch nicht einmal für die zuständigen Abteilungen im Landratsamt, wie Daniel Schwegler, stellvertretender Leiter des Sachgebiets für öffentliche Sicherheit und Gewerbe am Landratsamt, sagt: "Uns geht es da nicht anders wie den Gastronomen oder Campingplatzbetreibern. Wir erhalten erst sehr kurzfristig Informationen von der Staatsregierung." Er bittet die Betreiber deshalb um Verständnis, wenn das Landratsamt noch keine Auskünfte geben kann. Die neuen Regelungen würden zu gegebener Zeit kommen.

Bislang ist die Öffnung der Campingeinrichtungen auch noch nicht im bayerischen Infektionsschutzgesetz verkündet worden, das wird wohl erst im Laufe der nächsten Wochen der Fall sein. Bis dahin heißt es für die Betreiber hoffen und warten auf neue Anweisungen.

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