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Chor-Geburtstag: Treuchtlinger Kantorei wird 100

Das Ensemble blickt auf ein Jahrhundert Chorgeschichte zurück - 16.10.2020 12:18 Uhr

Gebührendes „Geburtstagsständchen“: Mit ihren Beiträgen zum Festgottesdienst erfüllte die Treuchtlinger Kantorei „dank“ der Corona-Abstandsregeln die Markgrafenkirche mit raumgreifendem Klang.

© Jürgen Leykamm


Unter Einhaltung der Abstandsregeln verteilte sich die Sängerschar dabei über die gesamte Empore, was den Klang immerhin noch raumgreifender wirken ließ – etwa die wechselnden Passagen der Männer- und Frauenstimmen bei "Lobsinget dem Herrn" von John E. West oder "Herr, Gott des Lebens" von Robert Jones.

Seit 35 Jahren leitet Raimund Schächer die Treuchtlinger Kantorei.

© Jürgen Leykamm


Dazwischen ging das "Hör mein Bitten" nach Psalm 55 von Felix Mendelssohn-Barholdy unter die Haut. Gemeinsam mit dem vierstimmigen Chor ließ Sopranistin Silke Schebitz die Zuhörer erst das Flehen klanglich spüren und dann, begleitet von Robert Lörner an der Orgel, die Sehnsucht, wie eine Taube wegzufliegen.

Klage und Lobpreis – beides sind Motive, die in den Auftritten der Kantorei immer wieder vorkommen. Und das schon sei 100 Jahren. Als evangelischer Kirchenchor im März 1920 im Nebenzimmer des Hotels "Adler" gegründet, macht sich seinerzeit als erster Chorleiter ein Lehrer verdient. Ab 1950 sind es dann hauptamtliche Kantoren, die das Ensemble leiten – Helmut Scheller ist der erste.

Neue Namen, stetes Wachstum

Während der Amtszeit von Kantor Helmut Schott von 1964 bis 1974 avanciert der Kirchenchor zur "Evangelischen Kantorei Treuchtlingen". 1985 übernimmt schließlich Kirchenmusikdirektor Raimund Schächer die Leitung des Chors, der sich 1997 erneut umbenennt und seither als "Treuchtlinger Kantorei" über die Stradtgrenzen hinaus bekannt ist.

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Seit 1992 gibt es zudem eine enge Zusammenarbeit mit dem Volksbildungswerk und dem Weißenburger Kammerorchester, aus der große Aufführungen in der Marienkirche entstehen – etwa mit dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, dem "Messias" von Georg Friedrich Händel, der "Schöpfung" von Josef Haydn oder der Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart.

Unter der Leitung Schächers wächst das Ensemble von 25 auf bis zu 45 Sänger an; derzeit sind es 35, davon mehr als die Hälfte aus den umliegenden Gemeinden der Dekanate Pappenheim und Heidenheim. Die Kantorei hat sich damit in einen dekanatsübergreifenden Chor gewandelt, weshalb ihre Konzerte nun hier wie dort zu erleben sind – etwa schon seit 1985 im Münster in Heidenheim. Hinzu kommen Chorreisen unter anderem nach Wisla in Südpolen, Levin in Mecklenburg oder Kremsmünster/Linz in Österreich.

"Ein himmlischer Klang"

Im Festgottesdienst attestierte Pfarrer Bastian Müller dem Ensemble "einen himmlischen Klang". Die Verbundenheit der Gemeinde lasse sich im Gesang auf besondere Weise spüren. Wie eine Stimmgabel bräuchten Christen einen solchen Anstoß, um "klingen" zu können. Die Liebe Christi sei "der Kammerton unseres Herzens". Die Kantorei sorge "nicht nur für einen guten Klang, sondern trägt auch zum guten Ruf unserer Stadt bei. Hier ist ein ganz wunderbarer Klangkörper entstanden und zu einer musikalischen Einheit verschmolzen", schloss sich Bürgermeisterin Kristina Becker an.

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Für die Ehrungen des Landesverbands "Singen in der Kirche" bestieg Chorleiter Schächer dann selbst die Kanzel, um alle weit in der Kirche verteilten Sänger und Besucher im Blick zu haben. Ein solches Jubiläum sei "ein lebendiges Zeichen dafür, wie Gott in der Kirche wirkt", zitierte er Verbandspräsident Reinhold Meiser.

Geehrt wurden Marga Bittl, Erika Käser, Luise Näser und Helga Schmidt für je 70 Jahre Mitgliedschaft, Irma Nicol für 65 Jahre, Wolfgang Ehrentreich, Rudolf Etschel und Hermann Kreß für je 55 Jahre, Christa Uhlig für 50 Jahre, Lydia Hegner und Marianne Neumeyer für je 45 Jahre, Erna Pfahler für 40 Jahre, Wolfgang Frank und Gabriel Lypp für je 30 Jahre, Sigrid Fiegl, Marita Herrmann, Julia Jürgensen, Hildegard Kaiser und Friedrich Wöllmer für je 25 Jahre sowie Ulrike Spatz für 20 Jahre.

Im November erscheint noch eine Festschrift, und am Sonntag, 22. November, krönt ein Konzert mit Bach-Werken in der Marienkirche das Jubiläumsjahr.

Jürgen Leykamm E-Mail

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