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Corona in Markt Berolzheim: Tiefe Einschnitte, findige Ideen

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Vom Virus will sich die Gemeinde nicht unterkriegen lassen - 25.01.2021 06:04 Uhr

St. Maria ist eine von zwei evangelischen Kirchen im schmucken Dorf Markt Berolzheim im Altmühltal. Während der Corona-Zeit war und ist das Gemeindeleben aber äußerst eingeschränkt.

24.01.2021 © Martin Lettenmeier


Zumindest, soweit es möglich ist. Denn "wir müssen handlungsfähig bleiben", sagt Bürgermeister Fritz Hörner. Deshalb finden die Marktgemeinderatssitzungen konsequent statt. "Dieses Jahr haben wir ein großes Bauprogramm zu bewältigen", erklärt Hörner. Und das klappt nicht ohne enge Abstimmung.

Kreativität: Im Mai protestierte der Wirt des Markt Berolzheimer Gasthauses „Zur Sonne“ im Narrenkostüm gemeinsam mit Stammgästen gegen die für die kleine Dorfgaststätte existenzbedrohenden Corona-Beschränkungen.

24.01.2021 © Archivfoto: privat


So tagte das Kommunalparlament zwischen April und September vergangenen Jahres einfach im Schützenheim und kehrte erst in den Rathaussaal zurück, als es kälter wurde – natürlich unter Beachtung der Auflagen. "Parallel dazu hat sich das Gremium immer wieder mal kurz dort oder per WhatsApp abgestimmt", blickt der Rathauschef zurück.

Die eigentlichen Gefahren sieht der Grünen-Politiker andernorts: "Das Problem in Corona-Zeiten sind die Ballungszentren mit ihren Menschenansammlungen" – und eben nicht der ländliche Raum, der während der Pandemie "eine Wertschätzung genießt, die er schon lange verdient hat", so Hörner. "Wir haben wenigstens Freiraum, Fläche und schöne Landschaften, in denen sich die Menschen weitgehend ungefährdet bewegen können."

In Verbindung bleiben

Doch auch die Markt Berolzheimer bekommen die Pandemie zu spüren. Für die evangelische Kirchengemeinde etwa habe die Krise "starke Einschnitte für die Familie der Gläubigen bedeutet", berichtet Pfarrerin Myriam Krug-Lettenmeier. Frauenfrühstücke und Gemeindenachmittage fielen aus, obwohl doch der Glaube vor allem in der Gemeinschaft erfahrbar sei. "Und so haben wir von Anfang an versucht, in Verbindung zu bleiben", blickt die Seelsorgerin zurück. "Gottesdienste wurden online durchgeführt, das Kindergottesdienstteam hat online Geschichten erzählt und Bastelaktionen eingestellt, und unser Kindergarten hat Mitmachstationen im Ort angeboten. Allen älteren Gemeindemitgliedern ohne Internet haben wir die Gottesdienste nach Hause gebracht."

Gemeinschaft: Bei der Wiedereinweihung der Michaelskirche im vergangenen September kam die Markt Berolzheimer Kirchengemeinde immerhin wieder zusammen – wenn auch nur mit Abstand und Maske.

24.01.2021 © Archivfoto: Jürgen Leykamm


Auch den Gemeindenachmittag gab es "in der Tüte": In ihr befanden sich eine Andacht, ein Tütchen Kaffee, etwas Süßes und ein Symbol zur Andachtsbotschaft. Defizite blieben dennoch: "Ganz arg vermisst haben wir und vermissen wir immer noch die Kirchen- und Gospelchorproben", so Krug-Lettenmeier. Immerhin habe sich der Posaunenchor zwischenzeitlich im erlaubten Maß einige Male treffen können. Die Seelsorgerin bleibt denn auch unerschütterlich optimistisch: "In jeder Krise liegt eine Chance, die wollen wir nutzen. Gemeinsam glaubensstark – ist das Motto, unter dem wir als Kirchenfamilie ins neue Jahr gestartet sind."

Wer Menschenleben retten muss, kann hingegen keine Pause machen oder ins Internet ausweichen – so wie die Berolzheimer Feuerwehr. Sie hat nach dem ersten Lockdown die aktive Mannschaft in kleine Gruppen aufgeteilt. "So konnten wir bis Ende September gut üben", erläutert Kommandant Kevin Stützer. Letztlich musste dann aber doch der Übungsdienst eingestellt werden. Die Jahresversammlung wurde verschoben, der Erste-Hilfe-Kurs fiel aus. Die Pandemie erweise sich "für uns als neue, große Herausforderung", so Stützer.


Neuland für Pfarrer: Was können die Kirchen trotz Corona leisten?


Auch im Namen der Rettungsdienste und vieler ähnlicher Organisationen betont der Kommandant, dass "wir unserer Bestes geben und alles dafür tun, dass Menschen, die in Not geraten sind, geholfen wird". Im Zweifelsfall werde wohl kein zwischen brennenden Balken eingeklemmtes Opfer danach fragen, ob der Retter eine Maske trägt.

Fußball ohne Duschen

Im Freizeitsport ist dagegen vieles einfach ausgefallen. Kein Sommerfest, kein Mitternachtsturnier, keine Weihnachtsfeier – beim 1. FC Markt Berolzheim war es in den vergangenen zehn Monaten eher still. Der Vorstand tauschte sich virtuell aus, die Generalversammlung wurde von März auf Juli verschoben – "unter Einhaltung aller Vorgaben", wie Vorsitzender Philipp Ersfeld betont. Nervös ist der Vorstand bezüglich des anstehenden 100. Vereinsjubiläums: "Wir planen das Fest vorerst weiter, da wir nicht abschätzen können, ob es im Juli besser ist oder nicht." Eine Alternative sei vielleicht, die Feier als Open-Air stattfinden zu lassen.

Humor: Augenzwinkernd verpasste Steuerberater Friedrich Burmann einer seiner Wandskulpturen eine Corona-Maske.

24.01.2021 © Archivfoto: Jürgen Leykamm


Dem Abbruch der laufenden Fußballsaison folgte die Wiederaufnahme des Trainings in Kleingruppen mit Hygienekonzept. "Mitte August gab es dann wieder erste Testspiele", erzählt Ersfeld. Allerdings herrschte Duschverbot. Die Gastgeber zogen sich bei den Heimspielen in der Gaststätte um und überließen den Gästen die beiden Kabinen. Ende September wurde dann der Saisonbetrieb wieder aufgenommen und verlängert. "Eine richtige Entscheidung des Bayerischen Fußballverbands", so Ersfeld. Der neuerliche Lockdown bereitet dem Vereinschef nun jedoch erneut Kopfzerbrechen.

Wehmut macht sich schließlich auch beim Männergesangverein breit. Dank eines tollen Konzerts mit dem Schwarzmeer-Kosakenchor habe das Jahr 2020 sehr gut begonnen, erinnert der Vorsitzende Werner Schmid. Dann kam das Verbot des Chorsingens, die Proben wurden ausgesetzt. "Unsere Chormitglieder haben ein Durchschnittsalter von 65 Jahren. Optionen wie Online-Proben wurden aus technischen Gründen nicht weiterverfolgt", erklärt Schmid. "Jeder unserer Sänger vermisst die Gemeinschaft und das Erlebnis, vor Publikum singen zu dürfen. Wir sind aber trotzdem optimistisch, dass wir im Laufe des neuen Jahrs wieder unserer Leidenschaft nachgehen können."

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JÜRGEN LEYKAMM E-Mail

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