Sonntag, 29.03.2020

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Corona: Treuchtlingen im stillen Ausnahmezustand

Der Polizei beschert die Situation eher Ruhe, ehrenamtliche Hilfe blüht, nur die Tafel hat Probleme - 24.03.2020 06:04 Uhr

Patrouille in verwaisten Straßen: Bis auf die durchfahrenden Autos und Lastwagen herrscht in der Treuchtlinger Stadtmitte seit dem Wochenende gähnende Leere. Die Polizei musste bislang kaum Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen ahnden. © Patrick Shaw


"Nur ganz vereinzelt" mussten die Ordnungshüter laut Polizeichef Dieter Meyer am vergangenen Wochenende allzu sorglose Bürger auf die seit Samstag landesweit geltenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens hinweisen und Übertretungen unterbinden. "Dies geschah nur mündlich, ohne Anzeigenerstattung, da die Verstöße nicht schwerwiegend waren und die Betroffenen teilweise die neuen Maßnahmen noch nicht kannten", so Meyer.

So hätten einige Männer einen im Krankenstand befindlichen Kumpel besucht oder Nachbarn bei häuslichen Arbeiten unterstützt. Auch Fahrzeugkontrollen blieben ohne Folgen, alle Kontrollierten verhielten sich "einsichtig und verständnisvoll".


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Sehr viele Fragen verunsicherter Bürger erreichten die Beamten am Wochenende allerdings telefonisch. Die meisten drehten sich Meyer zufolge darum, wie man sich in speziellen Einzelfällen richtig verhalten sollte. Zu diesem Zweck weist die Polizei nochmals auf das beim Landratsamt eingerichtete Bürgertelefon hin, das unter der Rufnummer 09142/90 25 00 über die meisten Fragen rund um die Corona-Pandemie informiert.

Vorsicht vor Betrugsversuchen!

Ausdrücklich warnt die Polizei indes vor Anrufen angeblicher Mitarbeiter kommunaler Verbände oder Gesundheitsämter, wie sie am Wochenende bei einigen Familien eingegangen seien, um persönliche Daten abzufragen. Allerdings ist es schwierig, hier eine generelle Aussage zu treffen, denn tatsächlich kontaktieren die Gesundheitsämter derzeit auch aktiv Personen, die möglicherweise Kontakt zu Corona-Infizierten hatten. Meist werden letztere aber gebeten, den Behörden die Kontaktdaten zur Verfügung zu stellen, sodass die Angerufenen oft informiert sind. Zudem wird bei amtlichen Anrufen stets die Telefonnummer angezeigt.

"Seien Sie bei telefonischen Anfragen sehr vorsichtig und zurückhaltend mit der Herausgabe von Daten", rät nichtsdestotrotz Polizeichef Meyer. Es sei "abzusehen, dass Straftäter die schwierige Situation und die Unsicherheit der Menschen ausnutzen, um Betrügereien zu begehen".

LKG bietet Einkaufsservice

Für alle Bürger aus Treuchtlingen und seinen Ortsteilen, die unter Quarantäne stehen oder zu Risikogruppen gehören, bietet die Landeskirchliche Gemeinschaft seit dem gestrigen Montag eine kostenlose Einkaufshilfe an. Wer sie nutzen möchte, schickt seine Einkaufsliste (auch Besorgungen aus der Apotheke) per E-Mail an stefan.greiner@lkg-treuchtlingen.de oder gibt sie von 9 bis 13 Uhr unter der Nummer 0152/21 98 92 44 telefonisch durch.


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Die Liste wird dann zusammen mit den Kontaktdaten an freiwillige Einkäufer weitergeleitet. Bezahlt wird, indem der Auftraggeber das Geld an der Haus-/Wohnungstür in einem Umschlag oder einer Schachtel übergibt oder es an einer telefonisch vereinbarten Stelle hinterlegt. Im zweiten Fall werden die Einkäufe vor der Tür abgestellt.

Weitere Hilfsangebote gibt es von der Treuchtlinger Nachbarschaftshilfe (Telefon 0171/78 49 83 2), den VfL-Baskets (Josef Ferschl, 09142/76 68), dem Kolping-Bildungswerk (Marlen Seurich-Nar, 0151/56 61 56 55) und Ulrike Rauscher (09142/97 56 99 0). Die ständig wachsende Liste ist auch im Internet unter www.treuchtlingen.de/corona zu finden.

Treuchtlinger Tafel muss schließen

Die Treuchtlinger Tafel trifft die aktuelle Lage gleich doppelt. Am Donnerstag, 26. März, hat die Ausgabestelle in der Eulenhofstraße, die gerade erst umfassend renoviert wurde, zum vorerst letzten Mal geöffnet. "Die meisten unserer ehrenamtlichen Helfer sind über 70 Jahre alt, da besteht schon die Sorge, sich als Risikogruppe anzustecken", sagt der Vorsitzende, Altbürgermeister Wolfgang Herrmann. Gegenwärtig verteilen bei der Treuchtlinger Tafel 16 Ehrenamtliche Lebensmittel an etwa 35 Bedürftige, hinzu kommen sieben Vereinsmitglieder, die sich um Abholung und den Transport kümmern.

Zudem liefern laut Herrmann die Supermärkte derzeit weniger Lebensmittel, da durch die "Hamsterkäufe" nicht mehr so viel übrig bleibt. Da auch die Kundschaft der Tafel in den vergangenen Wochen zurückgegangen sei, hätten die Lebensmittel aber bisher gereicht. Am 30. April wollen die Verantwortlichen die Ausgabestelle nach aktuellem Stand der Dinge wieder öffnen. "Gern auch früher", sagt Herrmann, der die Entwicklung im Auge behält. Einen Notdienst gebe es bis dahin allerdings nicht (mehr zur Tafel hier).

Hintergründe zu den Zahlen des Robert-Koch-Instituts finden Sie hier

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