Sonntag, 18.04.2021

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"Dank" Corona: Weniger Unfälle in Treuchtlingen

Die Polizeistatistik für 2020 weist fast überall die niedrigsten Zahlen seit zehn Jahren aus - 08.03.2021 06:04 Uhr

Einer der 55 Unfälle mit Verletzten im vergangenen Jahr: Schneetreiben wird Mitte Februar 2020 sieben Autofahrern auf der B 2 bei Dettenheim zum Verhängnis. Eine Treuchtlingerin gerät auf die Gegenspur und prallt in einen Sattelzug, ein zweiter Autofahrer rammt den Wagen. Die Frau wird eingeklemmt, Trümmer treffen vier weitere Fahrzeuge.

05.03.2021 © TK-Archiv, Patrick Shaw


Insofern ist die Statistik für 2020 laut Polizeichef Dieter Meyer zwar "positiv, aber nur bedingt aussagekräftig". Der Rückgang der Mobilität habe sich unmittelbar auf die Verkehrsdichte und damit auf die Unfallzahlen ausgewirkt. Einige nennenswerte Eckdaten gibt es dennoch.

Insgesamt registrierte die Treuchtlinger Polizei vergangenes Jahr in ihrem Einzugsgebiet 709 Verkehrsunfälle. Das sind 153 oder knapp 18 Prozent weniger als im Vorjahr und entspricht in etwa dem Trend auf Landkreis-, Bezirks-, Landes- und Bundesebene. Bei 55 Unfällen gab es 65 Verletzte, davon 53 leicht und zwölf schwer. Dies ist der niedrigste Stand binnen der vergangenen zehn Jahre – 2015 zählte die Polizei mit 87 Leicht- und 35 Schwerverletzten noch fast doppelt so viele Unfallopfer.

Wie schon im Vorjahr, endete allerdings auch 2020 ein Unfall tödlich. Anfang September stürzte ein 72-jähriger Motorradfahrer zwischen Gundelsheim und Möhren und starb an seinen Verletzungen.

Unerklärlich viele Wildunfälle

Von den 555 Kleinunfällen – also Zusammenstößen ohne Verletzte, Straftat oder Geldbuße – waren mit 359 mehr als die Hälfte Kollisionen mit Wild. "Schlüssige Erklärungsansätze für die beständig hohe Zahl von Wildunfällen (...) können hier jedoch auch die für die Jagd Verantwortlichen beziehungsweise die Verkehrsunfallkommission nicht liefern", stellt Polizeichef Meyer fest.


Treuchtlingen 2019: Mehr Unfälle, aber weniger Verletzte


Nicht nur auf Corona, sondern auch auf "den Kontrolldruck des Jahres 2019 mit einer Vielzahl von Geschwindigkeitsmessungen und entsprechenden Veröffentlichungen in der örtlichen Presse" führt Meyer den starken Rückgang der Unfälle mit überhöhtem Tempo als Hauptursache zurück. 37 Mal krachte es aus diesem Grund im Vorjahr, nur 23 Mal im Jahr 2020. Dabei wurden 14 Menschen verletzt (Vorjahr: 19). Bei 169 Tempokontrollen sprachen die Beamten zudem 115 Geldbußen und 125 Verwarnungen aus. In 26 Fällen mussten die Delinquenten den Führerschein zeitweise abgeben.

Gegenläufig ist der Trend indes beim Telefonieren am Steuer: 271 Verstöße ahndeten die Ordnungshüter – trotz des geringeren Verkehrsaufkommens knapp zehn Prozent mehr als 2019. "Sehr viele Verkehrsteilnehmer nutzen Handy und sonstige elektronische Geräte bei der Fahrt und werden dadurch abgelenkt, mit teils schrecklichen Folgen für sich und andere", warnt Meyer. "Ein Blick aufs Handy bei Tempo 100 bedeutet 83 Meter im Blindflug." Die Polizei werde deshalb "mit allen rechtlichen Möglichkeiten dieser Entwicklung entgegensteuern".

"Rasen und Drängeln tötet Menschen"

Verletzte im Verkehr gibt es laut Meyer vor allem in Folge von hohem Tempo, mangelndem Abstand, Fehlern beim Abbiegen und Wenden sowie Verstößen gegen das Rechtsfahrgebot. "Jeder Einzelne trägt Verantwortung im Verkehr und muss sich bewusst sein, dass Geschwindigkeit über Leben und Tod entscheiden kann", mahnt der Inspektionsleiter. Jeder Kilometer pro Stunde, um den das Durchschnittstempo sinkt, reduziere die Unfallzahl um etwa vier Prozent. Zuwiderhandlungen sei aber nur beizukommen, indem "Verkehrsteilnehmer rund um die Uhr mit Kontrollen rechnen müssen". Denn: "Rasen, Drängeln, Alkohol und Drogen töten Menschen!"

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Erfreulicherweise zurückgegangen ist im vergangenen Jahr die Zahl der Unfallfluchten. 62 Mal türmte ein Fahrer (Vorjahr 80), 23 Täter erwischte die Polizei (Vorjahr 29). Die niedrige Aufklärungsquote liegt Meyer zufolge unter anderem daran, dass viele Schäden erst angezeigt werden, wenn sie Tage später zum Beispiel beim Autowaschen entdeckt werden. "Solche Unfallfluchten sind für uns fast nicht mehr zu klären", so der Polizeichef. Umso mehr seien die Beamten auf Zeugen angewiesen.

Zufrieden ist die Inspektion mit ihrer Arbeit im Bereich von Alkohol und Drogen am Steuer. Ihr erklärtes Ziel ist es, mindestens fünfmal so viele Alkoholsünder bereits vor einem potenziellen Unfall zu erwischen als erst dann, wenn es bereits gekracht hat. Das hat die Treuchtlinger Polizei vergangenes Jahr mit 24 präventiv gestoppten Trunkenheitsfahrten gegenüber drei Alkohol-Unfällen mehr als erreicht (Vorjahr: 26 zu 5). Mit 21 registrierten Fällen habe man die Aufklärungszahl beim Drogenkonsum vor Fahrtantritt im Vergleich zu 2019 sogar fast verdoppelt.

Mehr Unfälle mit Senioren

Weitere Geldbußen hagelte es bei mehreren Kontrollaktionen zur "Rotlichtüberwachung". 65 Mal fuhren Verkehrsteilnehmer unter den Augen der Polizei über eine rote Ampel. 2019 war diese Zahl mit nur fünf Verstößen verschwindend gering.


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Einen Schwerpunkt ihrer Verkehrssicherheitsarbeit sieht die Inspektion "bei unseren schwächsten Verkehrsteilnehmern, den Kindern". Vier Kinder wurden vergangenes Jahr in Treuchtlingen im Verkehr verletzt, zwei davon auf dem Schulweg (Vorjahr: 6/0). Das seit Jahren niedrige Niveau führt Meyer unter anderem auf "die frühzeitige Verkehrsaufklärung im Kindergarten und eine intensive Radfahrausbildung in der Grundschule" zurück, aber auch auf "den unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz der Schulweghelfer, die bei Wind und Wetter dafür sorgen, dass die Kleinsten sicher zur Schule und wieder nach Hause kommen".

Besser scheint auch das Fahrverhalten der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren zu werden. Im Jahr 2020 waren 31 von ihnen an Unfällen im Treuchtlinger Raum beteiligt (Vorjahr 49), 23 Mal waren sie die Verursacher. Bei den Senioren ab 65 Jahren stieg die Unfallzahl dagegen von 38 auf 43, Verursacher waren die älteren Verkehrsteilnehmer in 27 Fällen (Vorjahr: 23).

Motorradfahren bleibt gefährlich

Relativ gefährlich, in absoluten Zahlen aber ein eher geringer Unfallfaktor ist das Motorradfahren. So stellt die 2019 gegründete "Kontrollgruppe Motorrad" des Polizeipräsidiums Mittelfranken fest, dass derzeit jeder fünfte Verkehrstote in Bayern und jeder dritte in Mittelfranken ein Motorradfahrer ist. Mehr als die Hälfte dieser schweren Unfälle werde von den Bikern selbst verursacht.


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Für den Treuchtlinger Bereich verzeichnete die Polizei im Jahr 2020 allerdings nur neun Unfälle mit Motorradfahrern (Vorjahr: 13). Ein Biker wurde getötet, acht verletzt. In der Kontrollgruppe arbeiten auch zwei Treuchtlinger Beamte mit, sodass in der näheren Region oft engmaschiger als andernorts kontrolliert wird. Unfälle mit Radfahrern zählte die Inspektion im vergangenen wie schon im vorvergangenen Jahr 14, dabei wurden 13 Radler verletzt.

Markante Unfallschwerpunkte gibt es aus Sicht der Polizei in Treuchtlingen und Umgebung nicht. Unter dem Strich erwarte man für dieses Jahr – weitere Lockerungen der Corona-Beschränkungen vorausgesetzt – aber wieder höhere Unfallzahlen. "Bei allen positiven Entwicklungen sollte man sich immer wieder vor Augen führen, welches unermessliche Leid hinter jedem Toten oder Schwerverletzten steht", fasst Polizeichef Meyer zusammen.

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