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Deutschland-Takt: Mit der Bahn "von Tür zu Tür"?

SPD-Bahnexperte Martin Burkert informierte in Treuchtlingen über die Taktverdichtung - 01.11.2019 06:26 Uhr

Sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr soll der Deutschland-Takt deutliche Verbesserungen bringen. Dann könnten neben den gewohnten Regionalzügen laut dem SPD-Bahnexperten Martin Burkert auch wieder „stündlich ICEs und ICs in Treuchtlingen halten“. © TK-Archiv / Patrick Shaw


Bis 2030 will die Bundesregierung die Fahrgastzahlen in Deutschlands Zügen verdoppeln, was laut Burkert "zugegebenermaßen ein heroisches Ziel ist". Der Deutschland-Takt sei jedoch ein probates Instrument, dies auch zu erreichen. Auf eine Kurzformel gebracht, gehe es darum, "zuerst den Fahrplan zu erstellen, und dann die Züge darauf zu setzen", so der 55-Jährige. Sind die Pläne erst einmal aufeinander abgestimmt, laufe der Verkehr auf der Schiene umso effizienter, so das Konzept dahinter.

„Die Signale stehen auf grün“: MdB Martin Burkert in Treuchtlingen. © Jürgen Leykamm


Um ihn noch mehr zu fördern, sollen auch andere Maßnahmen greifen, wie der Berichterstatter für den Schienenverkehr der SPD-Fraktion im Bundestag unterstreicht. So habe das Bundeskabinett erst kürzlich beschlossen, die Umsatzsteuer im Fernverkehr auf Gleisen zu senken und diesen damit faktisch zu verbilligen. Ein echter Coup sei mit der Schnellfahrtverbindung zwischen München und Berlin gelungen: Auf dieser Strecke habe die Bahn seither das Flugzeug als meist nachgefragtes Verkehrsmittel abgelöst. Und auch Treuchtlingen profitiere davon: Einige der ICE-Verbindungen bringen die Reisende in weniger als vier Stunden von der Altmühlstadt nach Berlin, teils sogar ohne umzusteigen.

Um die neuen Herausforderungen zu meistern, will die Bahn laut Burkert zudem 30 neue Züge für den Fernverkehr bestellen. Parallel dazu müsse freilich auch für eine intakte Infrastruktur gesorgt werden. Für eine Erweiterung der Kapazitäten sorge dann der Deutschland-Takt.

Ein einfacher Musterfahrplan

Für ihn gab es dem Abgeordneten zufolge schon vor einem Jahr einen ersten Gutachterentwurf. Ziel sei "ein Musterfahrplan für den Nah- und Fernverkehr im ganzen Land". Dies werde für bessere Verbindungen und Umstiegsmöglichkeiten sowie kürzere Reisezeiten sorgen. Das Potenzial für den Personen- wie auch für den Güterverkehr lasse sich so besser ausschöpfen.

Maßnahmen wie eine Digitalisierung der Stellwerkstechnik sind dafür allerdings nach Burkerts Worten unabdingbar. Wenn die Züge auf den großen Hauptachsen im Halbstundentakt fahren und die Knotenpunkte in annähernd gleichen Zeiten erreichen, dann "lassen sich auch die Fahrpläne leichter merken", erwähnte der Referent einen weiteren Vorteil des neuen Projekts. Der Taktung sollen ebenso die Regionalzüge sowie der gesamte ÖPNV folgen, sodass eine echte "Tür-zu-Tür-Mobilität" entstehen könne.

Verbesserungen soll es laut dem SPD-Experten aber auch schon vor dem Jahr 2030 geben: bessere Anschlüsse, dichtere Takte und schnellere Verbindungen zählte Burkert auf. Sein Appell richtete sich an Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der das entsprechende Geld zur Verfügung stellen müsse – etwa für das europäische Zugleitsystem ETCS oder für die Elektrifizierung.

Mehr Halte in Treuchtlingen

Künftig würden dem Entwurf zufolge "stündlich ICEs und ICs in Treuchtlingen halten", kündigte der SPD-Politiker an. "Das wäre ein Traum", kommentierte hier spontan der gastgebende Bürgermeister Werner Baum. Einmal stündlich gelange man zudem über Ingolstadt via Fernverkehr in die bayerische Hauptstadt.

Verbesserungen gäbe es laut Burkert außerdem in Richtung Würzburg, und auf flotten Rädern fahre man dann auch halbstündlich nach Nürnberg – "nicht nur zu Hauptverkehrszeiten". Dort angekommen, hätten die Reisenden die Chance, im Halbstundentakt nach Frankfurt, Hamburg oder Berlin zu kommen. Was den Güterverkehr betrifft, werde Treuchtlingen 14 Durchfahrten pro Stunde erleben. Dennoch verringere sich der Lärm durch die neue Technik um rund zehn Dezibel, weitere Lärmschutzmaßnahmen seien ebenfalls geplant.

Damit das Großprojekt besser voran kommt, hat die Regierung 2018 eigens ein Gesetz zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren im Verkehrsbereich verabschiedet. Hier brauche es aber noch Planstellen, die Verkehrsminister Scheuer schaffen müsse, mahnt Burkert an. Gelinge das Vorhaben, könne das ab 2030 eine Einsparung von jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Kohlendioxid mit sich bringen.

Zähe Gespräche

Burkert zeigte sich guten Mutes: "Die Weichen sind richtig gestellt, und die Signale stehen auf grün." Manchmal müssten allerdings schon dicke Bretter gebohrt werden, ließ Rathauschef Baum durchblicken. Um Verbindungen von München nach Treuchtlingen auch abends nach 21.30 Uhr zu erwirken, sei er "seit Jahren im Gespräch mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft".

Bernhard Reil, ein engagierter Pendler aus Möhren, nutzte die Gelegenheit, um auf das steigende Pendlervolumen hinzuweisen. "Deshalb brauchen wir ein Parkhaus", so seine Forderung. Vielleicht gelinge es, diesbezüglich ein Sonderprogramm auf den Weg zu bringen, so Burkerts Antwort. Baum sieht hier auch Altmühlfranken in der Pflicht: "Da muss der Kreis was tun."

Jürgen Leykamm E-Mail

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