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Die Umgehung wird Dietfurt verändern

Treuchtlinger Stadtrat beriet über Dorferneuerung und Flurneuordnung - 17.12.2018 06:14 Uhr

Wie findet die B2 um Dietfurt herum? Die farbigen Bänder zeigen den ungefähren Verlauf der fünf Trassenvarianten: rot die große und gelb die kleine Westumfahrung, lila der Orts­tunnel unter der bisherigen Bundesstraße, hellblau die große Ostumfahrung über die Jurakante und dunkelblau die von den Dietfurtern bevorzugte Ostumfahrung mit Tunnel durch den Dattelberg. © Beringer/Limes-Luftbild, Bearbeitung NN


Zum Verständnis muss man trennen: Die Dorferneuerung betrifft öffentliche Strukturen und Einrichtungen im Ort, die Flurneuordnung die Zuordnung und Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen und der Natur drumherum. „Die Flurneuordnung könnte je nach Trassenverlauf der B2-Umgehung eine große Hilfe bei der Beschaffung und Neuverteilung der notwendigen Flächen sein“, heißt es im Sitzungspapier der Stadtverwaltung.

Will heißen: Wird die Umgehung gebaut, müssen ohnehin zahlreiche Grundstücke gekauft, getauscht und umgewidmet werden. Ein Flurneuordnungsverfahren würde helfen, daraus kein Klein-Klein zu machen, sondern die Änderungen gebündelt zu steuern. Darüber hinaus wäre ein solches Verfahren auch für die Dorferneuerung von Vorteil, da das Amt für Ländliche Entwicklung der Stadtverwaltung zufolge „kombinierte Verfahren erfahrungsgemäß bevorzugt behandelt“.

Wichtig war Ortssprecher Christian Früh (FW), gleich zu Beginn der Diskussion zu betonen, dass die elf Punkte des Ortsausschusses „eine Ideen- und Stoffsammlung sind, und kein Programm, das von A bis Z verwirklicht werden muss“. Zudem halte der Ausschuss „eine grundlegende Neuordnung für die gesamte Dietfurter Flur gegenwärtig nicht für notwendig, sondern nur kleinere Eingriffe im Verlauf der neuen B2-Trasse“. Es sei aber einfacher, zunächst das kombinierte Verfahren anzuschieben und dessen Umfang später zu reduzieren.

Sieben Prozent der Flächen verloren

Richard Zäh, neben zweitem Bürgermeister auch Landwirt, Biogasanlagenbetreiber und einer der größten Dietfurter Grundbesitzer, gefiel das trotzdem nicht. Im Ortsausschuss habe es auch Gegenstimmen gegeben, und die letzte Flurneuordnung im Dorf sei noch gar nicht so lange her. Damals hätten die Grundstückseigentümer rund sieben Prozent ihrer Flächen verloren, unter anderem an neue Biotope und die Altmühl-Renaturierung. Das Straßenbauamt solle die Flächen für die Umgehung regulär kaufen oder ertauschen, so Zäh. Zudem sei es schlechter Stil, vor einem Stadtratsbeschluss nicht zuerst mit den Betroffenen zu reden. Die Dorferneuerung unterstütze er, aber nicht in Kombination mit der Flurneuordnung.

Bürgermeister Werner Baum betonte, dass der Antrag nicht von der Stadt, sondern vom Ortsausschuss komme – „vielleicht nicht einstimmig, aber mehrheitlich“. Der Verwaltung sei es egal, ob es nur eine Dorferneuerung oder auch eine Flurneuordnung gebe. Er selbst halte eine „begrenzte Neuordnung“ aber wegen der Umgehungspläne für sinnvoll. Der Ortsausschuss habe seinen Antrag zudem so formuliert („unter Umständen eine begrenzte Flurneuordnung“), dass „wir heute noch nichts festnageln“.

CSU-Fraktionschef Uwe Linss unterstützte den Vorstoß des Ausschusses ebenfalls – „vor allem wenn er die Umgehung beschleunigt“. Und das werde er, bestätigte FW-Sprecher Klaus Fackler: „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es egal bei welcher Trasse zu großen Veränderungen in der Flur um Dietfurt kommen wird.“ Es sei gut, wenn der Stadtrat mit der Zustimmung zur Dorferneuerung samt Flurneuordnung „in angemessenem Umfang“ noch einmal sein Interesse an der Umfahrung sig­nalisiere.

Generell müsse bei einer solchen Entscheidung „das Allgemeinwohl im Vordergrund stehen“, so Fackler. Denn der Umgehungsbau werde „nur gutgehen, wenn alle guten Willens sind und zusammenhalten“, ergänzte Susanna Hartl (SPD). Am Ende brachte der Stadtrat den Antrag auf das kombinierte Dorferneuerungsverfahren mit „begrenzter Flurneuordnung“ mit 19 zu einer Stimme auf den Weg.

Das bewegt Dietfurt

Folgende Eckpunkte hat der Dietfurter Ortsausschuss für die geplante Dorferneuerung gesammelt:

1. Im Zuge des Umgehungsbaus ergebe sich an der Schnittstelle von Altmühl, B2 und Dorfplatz Potenzial für eine Ortskernentwicklung.

2. Die Verlegung der B2 eröffne Perspektiven für eine Wohnbebauung entlang der einstigen Trasse.

3. Ebenso böten sich im Umfeld von Ort und Umgehung Möglichkeiten zur Renaturierung der Altmühl.

4. Durch den Strukturwandel stehen in Dietfurt viele landwirtschaftliche Gebäude leer. Mit der Dorferneuerung könnten der Ortskern nachverdichtet sowie ehemalige Höfe saniert und umgenutzt werden. Davon profitiere auch der Tourismus.

5. Seit den 1970er Jahren habe sich ein erheblicher Sanierungsbedarf bei Straßen und Kanalnetz angehäuft. Für das veraltete Feuerwehrhaus brauche es ebenfalls eine Lösung.

6. Seit der Schließung des Gasthauses „Holdenried“ fehle im Dorf ein Gemeinschaftssaal. Zwar hätten die Bürger die 2015 geschlossene Grundschule dafür provisorisch hergerichtet. Dies sei wegen der schlechten Bausubstanz jedoch keine Dauerlösung, sodass das Dorf weiterhin ein Gemeinschaftshaus brauche.

7. Sollte ein solches Gemeinschaftshaus kommen, könnte die alte Schule in einen Kindergarten umgewandelt werden.

8. Etliche Baudenkmäler in Dietfurt sind sanierungsbedürftig, sodass in die Dorferneuerung ein Denkmalkonzept integriert werden sollte.

9. Auch der Friedhof und dessen Umfeld benötigen eine Neugestaltung samt Sanierung der Mauer.

10. Die Stützmauer am Kirchenbuck entlang des Pfarrhauses sollte ebenfalls repariert werden.

11. In Dietfurt gebe es seit vielen Jahren keine Einkaufsmöglichkeit mehr. Deshalb könnte die Dorferneuerung die Voraussetzungen für einen Dorfladen schaffen.

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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