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Dietfurt: Dorfbewohner fühlen sich überrumpelt

Anwohner irritiert von Erschließung des Baugebiets "Weitstein 2" - Warten auf B2-Umgehung - 29.03.2019 06:04 Uhr

In Dietfurt unterhalb des Weitsteins südlich der Straße „Im Dorffeld“ (ganz links) sollen elf neue Bauplätze entstehen. Doch die Pläne lassen viele Dorfbewohner ratlos zurück. So ist der Erschließung der Spielplatz (links) im Weg. Zudem wusste von dem seit rund zwei Jahrzehnten ausgewiesenen Baugebiet kaum jemand. © Patrick Shaw


Diese eine Folie fehlt bei den Vorträgen von Bürgermeister Werner Baum in den anderen Ortsteilen, zeigt sie doch ein spezielles Dietfurter Vorhaben: die Erschließung von elf Bauplätzen im Gebiet „Weitstein 2“, das heute noch eine Wiese ist. Bei den Besuchern der Bürgerversammlung im Gasthaus „Zur Post“ sorgte sie für eine erregte Diskussion. Denn die Zufahrt soll über die bereits bestehende Stichstraße „An der Hall“ erfolgen, der Weg führt dann ringförmig wieder auf die Straße „Im Dorffeld“ zurück.

Doch dort, wo die Straße eingezeichnet ist, erkennen die Bürger den Spielplatz. „Wird der nun abgebaut?“, will eine Besucherin wissen. Keineswegs, so Bürgermeister Baum. Wo genau die Straße verlaufen soll, könne er aber nicht sagen – ebenso wie er die Diskussion um das Baugebiet nicht verstehe. Schließlich sei seit Jahren bekannt, dass hier Gebäude entstehen sollen.

Treuchtlingens zweiter Bürgermeis­ter Richard Zäh, der in Dietfurt wohnt und früher Ortssprecher war, versuchte Licht ins Dunkel zu bringen. Die Fläche sei bereits vor zwei Jahrzehnten ausgewiesen, die Erschließung dann aber nicht weiterverfolgt worden, weil zeitweise kein Bedarf mehr bestanden habe.

Bauland ist rar

Die Zeiten haben sich jedoch geändert und Bauland ist nun begehrt, auch in Treuchtlingen. Deshalb will die Stadt die Fläche jetzt doch erschließen. Das sehen die Dietfurter auch ein, hätten sich aber frühzeitigere Informationen gewünscht. „Die Vorgehensweise und der Informationsfluss sind nicht gut“, hieß es im Saal.

Er könne die Diskussion nicht nachvollziehen, widersprach Bürgermeis­ter Baum. Schließlich sei das Ganze seit mehr als einem Jahr im Gespräch, und es sei auch schon darüber berichtet worden (Anmerkung der Redaktion: Ein entsprechender Artikel erschien am 9. August 2018 in unserer Zeitung). Dennoch ließen die Anwohner in der Versammlung eine Liste herumgehen, Ortssprecher Christian Früh soll einen gemeinsamen Termin mit dem Bauamt ausmachen, um noch einmal über das Vorhaben zu sprechen.

Am Zeitplan ändern wird das wohl nichts: Die Vergabe für die etwa 858.000 Euro teure Erschließung soll im April oder Mai erfolgen, die Arbeiten bis Ende November fertig sein. Außerdem ist ein Teil der Bauplätze bereits verkauft. Dorfvereinschef Hubert Stanka wünschte sich, dass bei Bauvorhaben der Dorfausschuss besser einbezogen wird. Bürgermeister Baum sagte zu, mehr mit den Ortssprechern zu kommunizieren, und Bauamtsleiter Jürgen Herbst versprach, die Bürger umfassend zu informieren, wenn sie sich mit ihren Fragen an die Stadtverwaltung wenden.

Bürgerforum im Sommer

Mangelnde Kommunikation beklagen die Bürger auch in puncto B2-Umgehung. So gebe es seit über einem Jahr keine Neuigkeiten mehr. Bürgermeister Baum sagte, dass das staatliche Bauamt in Ansbach im Hintergrund fleißig arbeite und gerade die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen prüfe. Für Juni oder Juli dieses Jahres werde wieder zu einem Bürgerforum eingeladen.

Nicht nur die Bundesstraße 2 durch Dietfurt verursacht Lärm, sondern auch der an den Ort angrenzende Steinbruch der Firma Franken-Schotter. Bürger beklagten in der Versammlung, dass wegen der morgens ab 6 Uhr beginnenden Arbeitsgeräusche in ihren Ferienwohnungen die Touris­ten wegbleiben würden. Ein Dietfurter forderte Lärmschutzmessungen, um herauszufinden, ob die Grenzwerte eingehalten werden. Rathauschef Baum sagte zu, das Thema persönlich mit der Geschäftsführung von Franken-Schotter zu besprechen. Er bat um Verständnis, dass es schwierig sei, wirtschaftliche Interessen und Tourismus unter einen Hut zu bringen.

Aber auch ein lange gewünschtes Vorhaben im Ort ist nun fertig: Die Sanierung der Stützmauer am Kirchenbuck. 65.000 Euro hat die Erneuerung des 20 Meter langen Stücks gekostet. Eine Dorfbewohnerin meinte, dass die restlichen zehn Meter auch nicht geschadet hätten. Momentan fehlt noch ein Geländer, das soll aber demnächst montiert werden.

Geld für die Feuerwehr

Nachdem sich die Dietfurter Feuerwehr bei der vergangenen Bürgerversammlung ein neues Fahrzeug oder zumindest Investitionen am Haus gewünscht hatte, teilte Bürgermeister Baum nun mit, dass dafür 150.000 Euro im Haushalt für das Jahr 2021 eingeplant seien. Ein neues Feuerwehrhaus werde es in Dietfurt aber nicht geben. Das verlange auch niemand, hieß es aus dem Plenum.

Wünschen würden sich die Dorfbewohner allerdings neue Fenster fürs alte Schulhaus, in dem immer mehr Veranstaltungen stattfinden. Nicht nur, dass die Dämmwirkung der wohl gut 50 Jahre alten Fenster nicht mehr den heutigen Standards entspricht, auch sind sie stellenweise ziemlich beschädigt und ausfallgefährdet. Stadtoberhaupt Baum kündigte an, dass das Thema angegangen werde, wollte aber noch keinen Termin nennen.

Ebenso wie in Wettelsheim, aber bislang noch in keinem anderen Dorf, kam die Frage nach der Wahl der Ortssprecher zur Sprache. Auch in Dietfurt wolle man sich „nicht von Auernheim oder Möhren diktieren lassen, wer Ortssprecher wird“, so ein Bürger. Rathauschef Baum sagte, dass geprüft werde, ob wie früher eine Bürgerversammlung nochmals über die Wahl des Ortssprechers entscheiden kann, wenn ein Ort mehrere Stadtratsmitglieder stellt. Doch selbst bei dieser Versammlung seien in der Vergangenheit von knapp 300 Wahlberechtigten nur etwa 60 anwesend gewesen, so Baum. „Ist das dann repräsentativ?“ 

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