Sonntag, 15.12.2019

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Dietfurter besorgt: Landet Asbest in der Altmühl?

Ein Abwasserkanal von der Franken-Schotter-Deponie in den Fluss verunsichert einige Bürger - 21.06.2019 14:51 Uhr

Der Franken-Schotter-Steinbruch südlich von Dietfurt mit der Asbest-Deponie des Landkreises (Erhebung im Hintergrund). Die Gefahr, dass die Fasern ins Trinkwasser gelangen und dort die Gesundheit schädigen, halten Experten für gering. © TK-Archiv, Patrick Shaw


Warum lagert im Steinbruch Asbest?

Der Baustoff Asbest wurde wegen seiner Fähigkeiten einst auch "Wunderfaser" genannt (siehe Kasten "Zum Thema"). Im Laufe der Jahre wurde jedoch erkannt, dass die Fasern Schädlich für die Gesundheit sind. Seit 1995 gilt in Deutschland deshalb ein Verbot von Asbest. Dennoch ist das Material oft noch verbaut – beispielsweise in Nachtspeicheröfen oder Dachwellplatten. Um diese zu entsorgen, braucht es eine Deponie, die seit 2006 von Franken-Schotter in einem Teil des Steinbruchs betrieben wird. Jeder Landkreis ist vom Gesetzgeber angehalten, eine solche Lagerstätte vorzuhalten. Die Deponie wird alle drei Jahre vom Landesamt für Umwelt (LfU) überprüft, beim letzten Mal im Mai 2017 zusammen mit Wasserwirtschaftsamt Ansbach wurden keine Mängel festgestellt.

Was ist an Asbest so gefährlich?

Bei unsachgemäßem Umgang mit dem Material, aber auch durch Abrieb und Verwitterung können kleinste Fasern mit einer Größe von fünf Mikrometern (0,005 Millimetern) freigesetzt werden. Gelangen diese in die Lunge, können sie verschiedene Erkrankungen bis hin zu Lungenkrebs auslösen. Eine Aufnahme in Mund, Magen und Darm – also zum Beispiel durch Schlucken von Wasser mit Fasern – erachtet das LfU hingegen für unkritisch. Bis Ende 1994 wurden in Deutschland sogar noch Asbestzementrohre für die Wasserversorgung verwendet. Bereits verlegte Leitungen dürfen weiter betrieben und nach der Gefahrenstoffverordnung auch repariert werden.

Wie viel Asbest lagert im Steinbruch?

Bis Anfang 2018 waren die genehmigten 150 000 Kubikmeter im Dietfurter Steinbruch nahezu ausgereizt. Deshalb wollte Franken-Schotter die Asbest-Deponie um nochmals 185 000 Kubikmeter vergrößern. Doch die Pläne werden derzeit nicht weiter verfolgt, teilte der Prokurist und Werksleiter Thomas Herrscher mit. Die Entscheidung sei bereits im März gefallen, nachdem es Einspruch aus dem Pappenheimer Stadtrat gegeben hatte. Das Unternehmen hatte die Rücknahme des Antrags aber nicht öffentlich gemacht.

Wie lagert der Asbestschutt im Steinbruch?

Schon die Anlieferung wird streng kontrolliert. Auf der Deponie darf nur zementgebundenes Asbest gelagert werden, wie es etwa in Eternitplatten vorkommt. In riesigen Plastiksäcken, sogenannten Big Bags, wird der befeuchtete und staubdicht verpackte Schutt schichtweise gestapelt und mit Gestein abgedeckt. Das muss binnen 24 Stunden geschehen. Ist die Kapazitätsgrenze erreicht, wird die Deponie mit Lehm abgedeckt und renaturiert. Ein eigenes System leitet Sickerwasser ab.

Kann Sickerwasser Asbestfasern enthalten?

Damit Asbest im Trinkwasser landet, muss Franken-Schotter-Chef Torsten Zech zufolge viel passieren. Zunächst müsste sich eine Faser aus der Zementbindung lösen und den Plastiksack verlassen. Dann müsste sie mittels minimaler Mengen Sickerwasser durch etliche Absorptionsschichten in die rund 800 Meter entfernte Altmühl gelangen, in die das Wasser laut Auflage der Genehmigungsbehörde eingeleitet wird. Danach müsste das extrem verdünnte Deponiewasser noch den Weg per Uferfiltration in einen Brunnen finden. Viel wahrscheinlicher sei da der Eintrag aus alten Asbestrohren oder von Dächern ins Grundwasser.

Der neue Kanal zur Altmühl, der einige Anlieger beunruhigt hatte, leitet künftig auch nur Sickerwasser aus der Deponie der Klasse 0 ab. Dort lagert kein Asbest, sondern unbelasteter Bauschutt, der vor der Einlagerung beprobt werden muss, um den Schutz der Umwelt zu gewährleisten. 

Was sagen die Behörden?

Der Pappenheimer Stadtrat und der Wasserzweckverband links der Altmühl sprachen sich vergangenes Jahr aus Sorge um das Trinkwasser gegen die Erweiterung der Deponie aus. Laut der Regierung von Mittelfranken als Genehmigungsbehörde ist diese Sorge jedoch unberechtigt, da Umweltauswirkungen durch die "vorgesehenen Vermeidungs- und Verminderungsmaßnahmen offensichtlich ausgeschlossen werden." In einem Schreiben von Oktober 2018 heißt es: "Zur geplanten Sickerwassereinleitung in die Altmühl wird festgestellt, dass nachteilige Auswirkungen auf das Gewässer und die Trinkwasserversorgungen der Stadt Pappenheim und Umgebung ausgeschlossen werden können." Mögliche Nachteile habe die Erweiterung nur für den Lebensraum der Zauneidechse – und das nicht wegen der Fasern, sondern wegen Veränderungen am Gelände.

Ist sichergestellt, dass überhaupt kein Asbest freigesetzt wird?

Das LfU schreibt, dass aus gesundheitlicher Sicht eine vollständige Eliminierung von Asbest aus der Umwelt anzustreben sei. Doch auch bei der Verwitterung natürlicher Lagerstellen werden Fasern freigesetzt. Bei der Lagerung asbesthaltiger Abfälle auf Deponien kommt es laut LfU nur zu einer minimalen Faserbelastung in der Umgebung, selbst bei Betriebsstörungen. Berechnungen des Amts ergaben eine Zusatzbelastung von drei bis höchstens 174 Fasern pro Kubikmeter Luft in 500 Metern Entfernung und je nach Windstärke. Zum Vergleich: Die Hintergrundbelastung an natürlichen Lagerstellen liebt bei 100 bis 150 Fasern pro Kubikmeter. Beim unsachgemäßen Abschlagen von Asbestfliesen werden dagegen laut LfU um die 100 000, beim Trennschleifen von Asbestzement sogar bis zu zehn Millionen Fasern pro Kubikmeter Luft frei.

Welche Alternativen gibt es?

Die Wissenschaft forscht an Alternativen zur Deponierung von Asbest. Denn auch wenn das Material sicher eingeschlossen ist, bleibt eine Nachsorge für die Zukunft unverzichtbar, damit auch die Menschen in ein paar Jahrhunderten nicht mit dem gefährlichen Stoff in Berührung kommen. Forschern ist es bereits gelungen, die Fasern in Asbestzement bei Temperaturen von 1000 bis 1400 Grad unschädlich zu machen. Diese Methode ist aber sehr teuer. Ein Problem ist zudem die Reinheit des Asbests: Oft ist er mit anderen Materialien vermischt und schwer davon zu trennen – eine Herausforderung, die beispielsweise auch die Wiederverwertung von Plastik erschwert.

Zum Thema:

Was ist Asbest?

Der Name Asbest kommt vom griechischen Wort "asbestos" für "unvergänglich". Die Fasern des natürlich vorkommenden Silikat-Minerals sind sehr fest, hitze- und säurebeständig, außerdem gelten sie als unbrennbar. Seit den 1970er Jahren, als in Deutschland noch bis zu 180 000 Tonnen Asbest im Jahr verbaut wurden, wird der einstige "Wunderbaustoff" jedoch als krebserregend bewertet. Gefährlich ist vor allem das Einatmen der mikroskopisch kleinen Fasern.

In den 1990er Jahren wurde Asbest deshalb in vielen Ländern verboten, seit 2005 ist die Verwendung in der gesamten Europäischen Union nicht mehr erlaubt. Dennoch steckt das Material noch in vielen Gebäuden, weshalb eine besondere Entsorgung nötig ist. In Bayern fallen nach Angaben des Landesamts für Umwelt pro Jahr um die 60 000 Tonnen asbesthaltige Abfälle an. Nach Plänen der EU soll der Baustoff bis Ende 2032 vollständig aus Gebäuden entfernt sein.

Der Artikel wurde am 21.06.2019 um 14.51 Uhr aktualisiert. Derzeit ist keine Erweiterung der Asbestdeponie geplant.

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