Freitag, 29.05.2020

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Ein Konzept für Treuchtlingens Radwege

Stadtverwaltung und Hochschule entwickeln gemeinsam einen Plan für die umweltfreundliche Mobilität - 04.05.2020 06:04 Uhr

Viele Radwege in und um Treuchtlingen, wie hier im Möhrenbachtal, werde vor allem von Freizeitsportlern und Touristen genutzt. Eine Studie soll nun herausfinden, wie diese Strecken auch für Pendler attraktiv werden könnten. © Stadt Treuchtlingen


Das Thema hat in den vergangenen Monaten schon öfter die Stadtpolitik beschäftigt. So ging es beispielsweise um die richtige Beschilderung und Wegeführung der Radelrouten für Bürger und Touristen sowie um den Ausbau entlang von Staatsstraßen, den das Staatliche Bauamt vorgeschlagen hatte – etwa entlang der 2230 von Treuchtlingen nach Gunzenhausen.

Diese Radwege rund um Treuchtlingen möchte das Staatliche Bauamt ausbauen. Außer für die Strecke nach Wettelsheim gab es dafür grünes Licht von der Stadt. © Grafik: Staatliches Bauamt Ansbach


Insgesamt fünf Radwege wollte das Staatliche Bauamt zuletzt rund um Treuchtlingen ausbauen oder der Stadt dabei helfen – genau das, was Bürger seit langem fordern. Doch so einige der Konzepte, die Abteilungsleiter Andreas Fechner dem Stadtrat im November vorstellte, sind für Ortskundige unausgegoren. Die Trasse an der Staatsstraße 2230 am Wettelsheimer Keller entlang, deren Bau große Auswirkungen auf die Landschaft gehabt hätte, lehnte der Stadtrat mehrheitlich ab. Anderen Strecken bei Auernheim, Schambach und südlich von Dietfurt stimmten die Ratsmitglieder zu.

Den Bedarf untersuchen

Um den Bedarf in der Zukunft besser im Blick zu haben, kommt nun die Hochschule ins Spiel. Treuchtlingens Bauamtsleiter Jürgen Herbst freut sich, dass die Zusammenarbeit zustande gekommen ist und die Synergien mit der Hochschule vor Ort genutzt werden können: "Am Adventure Campus werden unter anderem Manager für Tourismus, Sport und Outdoor ausgebildet. Dieses Know-how möchten wir nutzen und in die weitere Entwicklung unserer Radwege einfließen lassen. Außerdem ist es sicherlich eine spannende Aufgabe für die Studenten." Dennoch soll der Fokus des Projekts nicht auf Touristen als Zielgruppe liegen, so Herbst. Es sollen die "Alltagsradler" betrachtet werden, also Einwohner, die mit dem Rad zur Arbeit fahren oder tägliche Besorgungen machen.

Auch der akademische Leiter des Adventure Campus, Professor Manuel Sand, sieht Vorteile in der Zusammenarbeit: "Wir freuen uns, zu diesem spannenden Projekt beitragen zu dürfen und so einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung der Stadt zu leisten. Besonders freut es mich, das wir kleine Abenteuer vor der Haustür mit einbauen können."

Hauptsächlich steht dabei die Anbindung der Ortsteile an die Kernstadt im Fokus. Ein weiteres Ziel ist die Verbesserung der Erreichbarkeit von zentralen Orten wie Bahnhof, Schulen und Therme. Zur Anbindung der Ortsteile befinden sich einige Maßnahmen bereits in der Umsetzung. Dies sind zum Beispiel die Vervollständigung des Radwegs zwischen Wettelsheim und Falbenthal (kurz vor der Fertigstellung), das Schaffen eines separaten Radwegs im Bereich des Sportplatzes bei Graben und die Verlegung des Abschnitts an der Altmühlbrücke zwischen Treuchtlingen und Graben, sodass die Trasse nicht mehr über die Straßenbrücke verläuft. Weitere Planungen betreffen die vom Staatlichen Bauamt genannten Radwege entlang der Staatsstraßen bei Auernheim und Dietfurt.

Pendler vom Radeln überzeugen

Eine weitere wichtige Fragestellung, die die Studenten betrachten werden, ist, unter welchen Voraussetzungen man Autofahrer zum Umstieg aufs Rad oder E-Bike bewegen kann. Professor Joel Schmidt, Dozent an der Hochschule für angewandtes Management, hat diese Aufgabe zusammen mit Manuel Sand als Projektmodul für die Viertsemestler des BWL-Studiengangs mit Schwerpunkt Tourismus- und Hotelmanagement erarbeitet.

Schmidt, der bereits eine Vielzahl von Projekten mit Studierenden in der Region umgesetzt hat, kümmert sich auch um die Betreuung dieses Vorhabens: "Bei dem Projekt lernen unsere Studierenden, mit mehreren Partnern zusammenzuarbeiten, um Gesundheit, Sport und Sicherheit in der Gemeinde zu fördern. Es freut uns, dass dabei die Treuchtlinger Bürger und deren Bedürfnisse und Wünsche im Bereich Radwege und nachhaltiger, gesundheitsfördernder Mobilität im Mittelpunkt stehen."

Das Projektmodul sieht neben Befragungen zu den Bedürfnissen der Radfahrer auch die Analyse der vorhandenen Fahrradrouten vor. Die Ergebnisse sollen gemäß Projektphasenplan voraussichtlich zur Jahresmitte vorgestellt werden.

Bürger sollen mitreden

Die Stadt Treuchtlingen erhofft sich, die aus der Kooperation gewonnenen Erkenntnisse in die weitere Planung des Radwegekonzepts einfließen lassen zu können. Bauamtsleiter Jürgen Herbst hält die Bürgerbeteiligung für einen wichtigen Baustein des Projekts. Bereits mit dem Stadtentwicklungskonzept "Treuchtlingen 2030" sei die Einbeziehung der Bevölkerung in die Stadtentwicklung vertieft worden. Mit den Ergebnissen der Hochschule könne dann entschieden werden, wie weiter verfahren werden soll.

Eines ist für die Auftraggeber sicher: Mit den neuen Möglichkeiten der individuellen Fortbewegung (Stichworte Carsharing, autonome Fortbewegung) werde sich die Nutzung des Verkehrsraums und damit auch dessen Aufteilung weiterentwickeln, heißt es in einer Pressemitteilung. "Erst wenn man die Nutzerpotenziale kennt, können Lösungen entwickelt werden, die dem Anspruch gerecht werden", so der Bauamtsleiter.

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