Montag, 24.02.2020

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Elektromobilität: Das ist die Lage in Treuchtlingen

Zulassungszahlen steigen stetig an - Förderung der Ladesäulen - 29.01.2020 05:57 Uhr

In der Treuchtlinger Fischergasse gibt es eine öffentliche Ladesäule, an der zwei Elektroautos gleichzeitig auftanken können. Ansonsten geht der Ausbau der Elektromobilität nur schleppend voran. © Benjamin Huck


Eine Million Elektroautos bis 2020, Kaufprämie, Autogipfel – in Sachen Elektromobilität war in den vergangenen Jahren einiges los. Doch wie kommen die von der Bundesregierung geplanten Maßnahmen in der Region an?

Privatfahrzeuge

Aktuell sind in Treuchtlingen 43 Elektroautos zugelassen, zwei mehr als in Gunzenhausen (41), aber weniger als in Weißenburg (79). Zum 1. Januar 2020 gab es im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen 265 Elektroautos, im Vorjahr waren es 126. Bei den sogenannten Plug-in-Hybriden ist die Zahl von 62 auf 91 gestiegen. Bei letzteren handelt es sich um Fahrzeuge mit Benzin- und Elektromotor, die auf etwa 50 Kilometer Akkureichweite kommen, bevor der Benzinmotor einspringt.

Wer als Privatperson ein Elektroauto kaufen möchte, erhält Zuschüsse aus Steuergeldern und von den Herstellern. Der Listenpreis wird mit 2000 Euro vom Staat und 2000 Euro von den Herstellern gefördert (also 4000 Euro pro E-Auto). Bei Plug-in-Hybriden sind es jeweils 1500 Euro, also 3000 Euro in Summe.

Die Bundesregierung hat zwar vor Weihnachten angekündigt, die Förderung auf bis zu 6000 Euro für E-Autos und 4500 Euro für Plug-in-Hybride zu erhöhen. Doch die Umsetzung lässt auf sich warten, da sie von der EU-Kommission geprüft werden muss, die Bundesregierung die Prüfung Medienberichten zufolge aber noch nicht einmal beantragt hat. Dem für die Förderung zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) liegen dazu keine Informationen vor, telefonische Anfragen werden nicht beantwortet.

Städtische Fahrzeuge

Die Mitarbeiter der Treuchtlinger Stadtverwaltung und der Kläranlage sind seit Herbst mit zwei Elektroautos unterwegs. Die Hochdachkombis der Marke Renault haben den 13 Jahre alten Opel Combo des Stadtbauamtes und den 19 Jahre alten VW Golf der Kläranlage ersetzt. Laut Herstellerangaben erreichen sie bei voller Batterieladung eine Reichweite von bis zu 270 Kilometern. Das sei für die meist innerstädtischen Fahrten der Mitarbeiter völlig ausreichend, teilt die Stadtverwaltung mit. Etwas gewöhnungsbedürftig sei die Fahrt mit dem nahezu geräuschlosen Auto allerdings schon, sind sich die Mitarbeiter im Rathaus einig. Und der ein oder andere muss sich auch erst an die Automatikschaltung gewöhnen.

Die Beschaffung der Elektrofahrzeuge wurde vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Rahmen der Förderrichtlinie für Elektromobilität bezuschusst. Das Programm greift bei einem Kauf von mindestens zwei E-Autos, bei dem die Kommune 75 Prozent der Mehrkosten gegenüber einem Vergleichsmodell mit Verbrennungsmotor erhält. Für Treuchtlingen sprang so ein Zuschuss von fast 23.000 Euro heraus.

Die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, durch nachhaltige Entscheidungen CO₂-Emissionen zu vermeiden und zu vermindern. Bereits im vergangenen Jahr wurde dem städtischen Fuhrpark ein E-Fahrrad hinzugefügt, das vor allem im Sommer rege genutzt wird. Stadtwerke und Altmühltherme setzen schon seit vielen Jahren auf alternative Kraftstoffe. Fast alle Dienstfahrzeuge fahren dort mit Erdgas.

Lademöglichkeiten

Neben der Reichweite der Autos ist auch das Netz der Ladesäulen ein Faktor für die Akzeptanz der Elektromobilität. In Treuchtlingen gibt es seit August 2016 eine Ladesäule in der Fischergasse. Betrieben wird sie von den Stadtwerken, zwei Autos können dort gleichzeitig andocken. Die Säule ist mit zwei Steckern vom gängigen und weit verbreiteten Typ 2 mit je 22 Kilowatt Ladeleistung ausgestattet und verfügt damit über eine Schnellladefunktion. Die Nutzer werden ohne vorherige Registrierung direkt per SMS oder App freigeschaltet, die Abrechnung erfolgt über die Mobilfunkrechnung. Die Ladezeit kann je nach Fahrzeug variieren, beträgt aber im Durchschnitt grob eine Stunde. Betrieben wird die Ladesäule mit Ökostrom.

Eine Ladesäule zu finden, ist aber für Ortsunkundige nicht leicht. So gibt es im Internet zwar verschiedene Seiten mit Karten von Ladesäulen, die Treuchtlinger Anlage taucht aber nur auf der privaten Seite goingelectric.de und in einem Verzeichnis der Bundesnetzagentur auf – wobei aus den Karten nicht hervorgeht, ob die Säule gerade besetzt ist.

In Ergänzung zum Bundesförderprogramm unterstützt die bayerische Staatsregierung den Aufbau von öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur mit einem eigenen Programm. Noch bis 14. Februar können Förderanträge für die Errichtung solcher Ladesäulen gestellt werden.

Der Aufruf ist bewusst offen gestaltet, um nahezu jedem die Antragstellung zu ermöglichen – vom Einzelhandel über Gastronomie und Kommunen bis hin zum Energieversorger. Die Förderung umfasst neben der Errichtung auch den Netzanschluss und die Montage. Die Ladesäulen müssen öffentlich zugänglich sein. Die Förderquote beträgt grundsätzlich 40 Prozent. Wenn mit der Ladestation ein zusätzlicher Mehrwert verbunden ist, beispielsweise beim Aufbau an Park&Ride-Parkplätzen, kann der Satz um 10 Prozentpunkte erhöht werden.

Die Staatsregierung bietet unter www.elektromobilitaet-bayern.de eine Übersicht ihrer Förderprogramme an. Dort ist auch ein Themenblatt mit den wichtigsten Informationen sowie ein elektronisches Antragsformular zu finden.

Klimabilanz

An diesem Thema scheiden sich seit langem die Geister: Wie sieht es mit der Klimabilanz eines Elektroautos aus? Klar ist: Für die Produktion der Fahrzeuge werden die Metalle Lithium und Kobalt genutzt. In Südamerika wird Lithium durch Eindampfen von Wasser aus Salzseen gewonnen, zudem kommen Chemikalien zur Lösung der Metalle zum Einsatz, die der Umwelt schaden und das Wasser in den betroffenen Gegenden verunreinigen können.

Der Lithiumabbau in wasserarmen Gegenden wird durchaus kontrovers diskutiert, Kritiker führen ihn als Nachteil der E-Autos gegenüber Verbrennungsmotoren an. Dabei wird allerdings oft übersehen, dass auch die Förderung von Öl alles andere als umweltfreundlich ist. So werden etwa in Kanada große Waldgebiete abgeholzt, um aus Teersanden Öl zu gewinnen. Ebenso ist die Fracking-Methode umstritten, da der Einsatz von Chemikalien, um das Öl aus dem Gestein zu lösen, Trinkwasser verschmutzt. Durch den massiven Frackingausbau sind die USA inzwischen zum weltweit größten Ölproduzenten geworden.

Selbst in diesen Industriestaaten ist die Ölförderung also mit massiven Umweltauswirkungen verbunden. Ähnlich sieht es in Nigeria aus, wo undichte Ölleitungen den Lebensraum vieler Menschen für lange Zeit verseuchen, so etwa im Niger-Delta. Diese Nachteile wird von E-Auto-Gegner oft ausgeblendet.

Im Fahrbetrieb stoßen Elektroautos aber rechnerisch genauso viel Kohlendioxid wie moderne Diesel aus, wie der ADAC berechnet hat – wenn sie mit dem durchschnittlichen deutschen Strommix "betankt" werden, der hohe Anteile an Kohleenergie enthält. Wird ein E-Auto mit 100 Prozent Ökostrom geladen, sieht die Bilanz besser aus und schlägt sogar den als Alternative im Gespräch befindlichen Wasserstoffantrieb.

Das Fazit des Automobilclubs: Bei der Produktion einen Elektroautos werden viele Treibhausgase ausgestoßen. Wird das Auto aber mit 100 Prozent Strom aus regenerativen Quellen geladen, ist die Bilanz nach knapp 40.000 Kilometern besser als bei Fahrzeugen mit herkömmlichem Antrieb. Wird der aktuelle Strommix verwendet, ist das E-Auto allerdings erst nach etwa 219.000 Kilometern besser fürs Klima als ein Diesel.

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