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Elektromobilität in Treuchtlingen: Autostrom als Abo

Stadtwerke haben ersten Vertragspartner – Technologie mit Tücken - 18.03.2018 06:05 Uhr

Bürgermeister Werner Baum, Autostromkunde Toni Dittmann und Stadtwerke-Chef Max Filser (von links) beim Aufladen von Dittmanns Tesla an der „Stromzapfsäule“ in der Treuchtlinger Fischergasse.

16.03.2018 © Patrick Shaw


Seit August 2016 betreiben die Stadtwerke den mannshohen, blau-grünen Kasten in der Treuchtlinger Fischergasse, an dessen Seiten Besitzer von Elektroautos aus zwei Steckdosen Ökostrom „zapfen“ können. Bezahlt wird per SMS – je nach Ladeleistung zwischen 2,90 und 6,60 Euro pro Stunde.

Bis der 75-Kilowatt-Akku von Toni Dittmanns Tesla zu 80 Prozent geladen ist, dauert es bei der höchs­ten Ladeleis­tung von 22 Kilowatt pro Stunde etwa zweieinhalb Stunden. Damit kommt der Geschäftsführer des Treuchtlinger Beleuchtungssystem-Händlers „Lichtzentrum“ rund 300 Kilometer weit – keine sechs Cent pro Kilometer also. Ein Schnäppchen?

„Für mich rechnet es sich“, sagt der Geschäftsmann. Denn der Stromflitzer ist nicht nur sparsam, er benötigt auch so gut wie keine Wartung. Der Haken an der Sache: Ein Tesla Model S, wie ihn Dittmann fährt, kostet neu um die 90.000 Euro. Elektrofahrzeuge anderer Hersteller sind zwar günstiger, aber immer noch keine Sparmobile. Und sie haben oft geringere Reichweiten.

Aber auch mit potenziellen 300 Kilometern „im Tank“ gilt es, sich vor dem Kauf eines Elektroautos über die Ladestationen in der Region schlau zu machen. Zwar zeigen moderne Navigationsgeräte die Standorte meist an, für den Alltag ist eine Stromsäule in der Nähe von Wohnung oder Arbeitsstelle dennoch sinnvoll.

Bei der Suche erlebte Toni Dittmann eine Überraschung: „Ich wusste gar nicht, dass es in Treuchtlingen schon eine solche Station gibt, und noch dazu nur ein paar Meter von meinem Betrieb am Rathausplatz entfernt“, so der Geschäftsmann. Zu seiner Branche passt das Thema Elektromobilität natürlich auch ganz gut.

„Die Stadtwerke haben zur richtigen Zeit schon weit gedacht“, lobt Dittmann. „Mir war es wichtig, einen Energiepartner vor Ort zu haben, der meine Bedürfnisse versteht und eine reibungslose Abwicklung gewährleistet.“ In Weißenburg sei die Auto­stromversorgung schlechter: „Da gibt es nur einen Münzautomaten. Man braucht Kleingeld und kann die Kos­ten nicht über die Firma abrechnen.“

„Unsere bisherigen Erfahrungen sind ausgesprochen positiv“, bestätigt Stadtwerke-Chef Max Filser. „Die Nachfrage steigt kontinuierlich.“ Wegen der staatlichen Förderung der Elektromobilität könne man Autostrom-Vertragskunden besonders gute Konditionen anbieten, günstiger als im Haushalts- oder Gewerbe­bereich.

Der erste solche Vertragspartner ist Toni Dittmann. Er hat von den Stadtwerken eine personalisierte Ladekarte erhalten, mit der er sich nun unkompliziert an der Station in der Fischergasse registrieren kann. Die Abrechnung erfolgt vierteljährlich.

Erfreut über diesen Schritt hin zu mehr abgasarmem Verkehr aus erneuerbaren Energien ist auch Bürgermeister Werner Baum. „Dies verleiht der Elektromobilität in Treuchtlingen weiteren Schub und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Die Stadtwerke wollen das Angebot angesichts der Nachfrage nun weiter ausbauen. „Es ist unser erklärtes Ziel, die Elektromobilität voranzubringen und den Kunden entsprechende Angebote zu unterbreiten“, sagt Max Filser. Zu diesen Angeboten gehören auch bereits die E-Bike-Ladestationen auf dem Rathausplatz. Ihr Gebrauch ist sogar kostenlos – laut Baum ein Zugeständnis an den Fremdenverkehr.

Wohin mit den Autos?

Eine Frage stellt sich allerdings – neben der anhaltenden Debatte über die generelle Umweltfreundlichkeit von Strom aus den unterschiedlichs­ten Quellen von Atomkraft über Braunkohle bis hin zu Photovoltaik – auch vor Ort in Treuchtlingen: Wohin mit den am Ladekabel hängenden Fahrzeugen? In der Fischergasse gibt es aktuell drei Stell- und zwei Ladeplätze. Bei zwei Ladevorgängen pro Woche, wie sie Toni Dittmann benötigt, ist da vorerst noch viel Luft nach oben.

Steigt aber erst einmal eine größere Zahl von Bürgern aufs Elektroauto um, drohen Warteschlangen und Ärger, wenn die Stromtankstelle stundenlang belegt ist. Also müssen die Stadtwerke auf Dauer deutlich mehr Ladesäulen bauen, und zwar nicht nur an einem oder zwei zentralen Orten, sondern auf ganz vielen öffentlichen Parkflächen. Und das Stromnetz muss dieser neuen Belas­tung standhalten. Nach Worten von Filser und Baum eine Herausforderung, aber eine machbare.

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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