Erhebliche Schäden: Öffnet das Freibad der Altmühltherme?

25.5.2021, 06:01 Uhr
Rote Klebebandstreifen wiesen an dem Ortstermin die beschädigten Stellen aus. Diese gab es praktisch überall an den Sommerfreibecken.

Rote Klebebandstreifen wiesen an dem Ortstermin die beschädigten Stellen aus. Diese gab es praktisch überall an den Sommerfreibecken. © Foto: Lidia Piechulek

Die roten Klebebandstreifen, die auf die Stellen mit großen Schäden aufmerksam machen, die hätte es eigentlich gar nicht gebraucht. Denn wer einmal um das Sommerfreibecken der Altmühltherme spaziert, der bekommt den desolaten Zustand leider allernorts zu sehen. Risse in den Fliesen, abblätterndes Epoxidharz und aufgesprengte Fugen gibt es dort zu sehen. Von der Steinterrasse haben sich vor kurzem an einem Tag mit Platzregen drei große Platten abgelöst.

Die Beckenumgehung wölbt sich stellenweise nach oben, einzelne Bereiche ragen deutlich höher als die zulässigen acht Millimeter vom übrigen Boden auf, sodass sich Badegäste die Füße und Zehenspitzen daran anstoßen und hängen bleiben könnten. Selbst für den Laien ist ersichtlich, dass in dem aktuellen Zustand ein sicherer Freibadbetrieb nicht möglich ist.

Hohe Kosten

Und was zu diesem Zeitpunkt noch außen vor bleibt, ist der Blick in die beiden Außenbecken: Wenn man das Wasser ablässt, lässt der Druck auf die Fliesen nach und es könnten weitere, unschöne Folgeschäden zu Tage kommen. Ein Punkt also, der weitere Reparaturkosten bedingen könnte.

Als „der höchste Punkt im Freibad“ hat Ulrich Schumann diese Stelle der Beckenumgehung scherzhaft benannt.

Als „der höchste Punkt im Freibad“ hat Ulrich Schumann diese Stelle der Beckenumgehung scherzhaft benannt. © Foto: Lidia Piechulek

Laut dem Leiter der Altmühltherme, Ulrich Schumann, sind daran auch die vielen kalten Frostnächte schuld, die es in diesem Winter gegeben hat. Mit Blick auf die ohnehin anstehende Freibadsanierung, die nach der diesjährigen Freibadsaison ins Haus steht, stellt sich allerdings eine entscheidende Frage: Wie viel Geld möchte man hier noch reinstecken, bevor ohnehin fast alles neu gemacht wird?


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Wie Schumann bei einem Ortstermin den Mitgliedern des Werks- und Bäderausschusses darlegte, müsse man darüber offen reden. Denn selbst wenn man das Geld in die Hand nehmen würde, sei die Instandsetzung lediglich oberflächlich und ein gewisses, gar nicht so geringes Betriebsrisiko bleibe bestehen. Keiner könne voraussagen, ob man dann nicht trotzdem im Juli wegen neu auftretender Schäden das Freibad schließen müsste, formulierte er.

Das Wetter im Winter spielt in jedem Jahr eine große Rolle bei der Frage, wie viel vor dem Beginn der Freibadsaison zu machen ist. Diese drei Steinplatten an der Sonnenterasse haben sich an einem Tag mit Platzregen gelöst.

Das Wetter im Winter spielt in jedem Jahr eine große Rolle bei der Frage, wie viel vor dem Beginn der Freibadsaison zu machen ist. Diese drei Steinplatten an der Sonnenterasse haben sich an einem Tag mit Platzregen gelöst. © Foto: Lidia Piechulek

Wie er gegenüber dem Treuchtlinger Kurier mitteilte, würden sich die Kosten für die Instandsetzung wohl in einem Bereich von 20 000 bis 40 000 Euro bewegen. Endgültig feststehen würde die Höhe allerdings erst während der eigentlichen Reparaturarbeiten.

Auf der anderen Seite stehen freilich die Einnahmen, die im Falle einer Öffnung durch die Badegäste erzielt würden. Allerdings würden diese die Ausgaben auf keinen Fall wettmachen, weiß Schumann. Und zwar selbst dann, wenn die Corona-Inzidenzwerte mitspielen und die instand gesetzten Sommerfreibecken mangels neu auftretender Schäden die gesamte Saison geöffnet bleiben dürften.

Entscheidung fällt im Stadtrat

In der anschließenden Sitzung des Werks- und Bäderausschusses wurde nun zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die konkreten Szenarien in Bezug auf die Freibadsaison 2021 beraten. Ein Empfehlungsbeschluss geht an den Stadtrat, der am kommenden Donnerstag abschließend über die Thematik entscheiden wird. Darin rät der Ausschuss dazu, den Freibadbetrieb aufgrund der baulichen Situation heuer nicht aufzunehmen. Beim Ortstermin zuvor war diese gewisse Grundstimmung bereits recht offensichtlich an den Gesichtern der Ausschussmitglieder abzulesen.

Ulrich Schumann bezeichnete die gegenwärtige Situation des Freibads als "zutiefst bedauerlich" und erinnerte sich in Anbetracht der seit 21. Mai geltenden Öffnungsperspektiven für bayerische Freibäder wehmütig an den vergangenen Sommer: "Wir waren eines der ersten Bäder, die im letzten Jahr Anfang Juni aufgemacht haben."


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Doch auch damals war der Altmühltherme just zwei Tage vor der geplanten Eröffnung eine schwimmende Fliese im Becken aufgefallen. Nach der Eröffnung gab es noch weitere fünf Mal Probleme – sprich: schwimmende Fliesen – im laufenden Betrieb. Diese Problematik mit einem neuen Edelstahlbecken hinter sich lassen zu können, darauf freut sich Schumann nun ganz besonders.

Von den Gästen habe die Therme für die schnelle Öffnung im Juni 2020 jedenfalls jede Menge Dankbarkeit und Wertschätzung zu spüren bekommen. Dass der Zustand an den Sommerfreibecken nun aber derart schlecht sei, macht eine erneute Wiedereröffnungs-Euphorie erst einmal zunichte.

Ob sich der Stadtrat letztlich gemäß dem Empfehlungsbeschluss des Ausschusses entscheidet und das Sommerfreibecken nicht öffnen wird, bleibt abzuwarten. Unabhängig davon möchte die Therme aber zumindest die Sonnenterrasse so herrichten, dass die Badegäste sich dort aufhalten können.

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