Donnerstag, 21.01.2021

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Eröffnung steht bevor: Treuchtlingens neuer Augenarzt im Interview

Ein Gespräch über lange Wartezeiten und ein digitales Praxiskonzept - 30.11.2020 06:02 Uhr

Im ersten Stock, über dem „Lichtzentrum“, wird die Praxis von Dr. Heinrich Frauenknecht ab dem 4. Januar sein. Der Augenarzt rechnet zwar durchaus mit einem Ansturm – er lässt sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen. Mehr Sorgen machen ihm die Handwerker, die noch immer in der künftigen Praxis zugange sind.

27.11.2020 © Foto: Lidia Piechulek


Seit rund zwei Jahren versorgt die einzige Augenarztpraxis in Treuchtlingen nur noch Privatpatienten und Selbstzahler. Ein Ersatz für die kassenärztliche Versorgung wurde händeringend gesucht und nun endlich gefunden. Dr. Heinrich Frauenknecht wechselt vom bislang mit 133 Prozent Versorgungsquote überversorgten Landkreis Eichstätt in unseren bislang mit 56,69 Prozent unterversorgten Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen – der Treuchtlinger Kurier hat vor seinem Umzug mit ihm gesprochen.

Heinrich Frauenknecht (45) wuchs in Gundolging auf und ging in Eichstätt zur Schule. Er studierte in Regensburg und München Medizin und arbeitete anschließend sieben Jahre im Klinikmanagement. 2015 legte er seine Facharztprüfung für Augenheilkunde ab. Am 4. Januar eröffnet er das ophthimal Augenzentrum in Treuchtlingen.

27.11.2020 © Foto: Privat


Gehen Sie davon aus, dass ihr Arbeitsalltag merklich stressiger wird, Herr Frauenknecht?

Nein, die Arbeit wird für mich die selbe sein. Die Frage ist nur, wie lange die Patienten auf einen Termin warten müssen. Aber das kann ich nicht ändern.

Das heißt, dass die Versorgungsquote in erster Linie nicht Sie betrifft, sondern vielmehr ihre Patienten.

Das könnte man so sagen. Für mich wird der Takt so sechs bis zehn Patienten in der Stunde sein – und das entspricht der ganz normalen Zeitspanne, die man für einen Patienten braucht und aus wirtschaftlicher Sicht brauchen darf. Es wird aber gerade in der Anfangszeit sicherlich spannend, weil ich in Treuchtlingen auf viele Menschen treffen werde, die schon länger nicht mehr beim Augenarzt waren.

Dann ist es also überhaupt nicht stressig für Sie, Ihre neue Praxis zu eröffnen?

Stressig ist es insofern, dass ich aktuell die ganzen Handwerker so koordinieren muss, dass die Praxis zum Zeitpunkt der Eröffnung auch tatsächlich fertig ist.

Wie konkret läuft denn der Start im neuen Jahr ab: Um neun Uhr öffnet eine Arzthelferin die Leitungen, und dann laufen die Telefone heiß?

Ich hoffe sehr, dass die Leute schon vorher anrufen! Spätestens ab Dezember wird die Möglichkeit dazu (siehe Artikelende). Wegen der Pandemie ist es wichtig, die Zeit in der Praxis möglichst gering zu halten. 15 Minuten lassen sich wunderbar nach draußen verlagern, indem der Patient die Anamnese schon zuhause am PC ausfüllt. Das ist aber auch unabhängig von Corona Teil meines Praxiskonzepts.


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Was besagt denn Ihr Praxiskonzept?

Es wird so gut wie kein Papier in der Praxis geben. Für Patienten, die zu einer Routinekontrolle vorbeikommen, wollen wir außerdem maximal 20 Minuten Aufenthalt durch eine Optimierung des Ablaufs ansetzen.

Ist Ihnen dieser digitale Gedanke erst durch Corona gekommen?

Als ich im Klinikmanagement tätig gewesen bin, war ich für die Patientenaufnahme zuständig, und dabei ist wahnsinnig viel Papier produziert wurden, von dem wir irgendwann nicht mehr wussten, wie wir das unterbringen sollen. Wir haben dann tatsächlich – mitten in München – ein Stockwerk mehr im Keller buddeln lassen, um ein Papierlager zu haben. Und ich habe damals schon gesagt, wir müssen das einfach digitalisieren.

Was machen Patienten, die nicht digital unterwegs sind?

Die rufen in der Praxis an und lassen sich einen Termin geben. Das ist gar kein Problem, dann dauert ihr Praxis-Aufenthalt eben länger.

Fünfstellige Fördersumme

Wie hoch fällt die Förderung aus, die Sie dafür bekommen, dass Sie sich in Treuchtlingen niederlassen?

Ich bekomme 90 000 Euro, aber erst wenn alles fertig ist. Aktuell habe ich nur den Antrag gestellt; damit das Verfahren weitergeht, muss ich ab Anfang Januar meinen Arbeitsbeginn bekanntgeben.

Das heißt aktuell ist die Eröffnung erst einmal eine riesige Privatinvestition.

Richtig. Die 90 000 Euro sind da eigentlich nur der Tropfen auf dem heißen Stein, denn ich brauche insgesamt 650 000 Euro, um das Augenzentrum zu eröffnen. Wenn alles gut läuft, ist das in zehn bis 15 Jahren abbezahlt.

Ein ganz anderes Thema: Wie ist für Sie, wenn Sie in Ihrem Privatleben als Gesundheitsexperte herangezogen werden – regt Sie das auf?

Ich finde das nicht schlimm, dafür bin ich Arzt geworden. Wenn mich ein Patient auf der Straße anspricht, muss er aber auch damit zufrieden sein, dass ich ihn weiterverweise. Ich bin schließlich nur Augenarzt.

Ein ausgeprägtes Interesse für Physik

Das ist ein gutes Stichwort. In welchem Moment Ihres Lebens haben Sie sich denn dazu entschieden?

Eigentlich erst dann, als ich fast ohne Vorbereitung in den Medizinertest gegangen bin. Ich landete überraschend unter den besten zehn Prozent in Bayern. Da dachte ich: Jetzt habe ich einen Studienplatz und das mache ich.

Und warum ist es dann wiederum bei Ihnen das Auge geworden, das Sie am meisten interessiert hat?

Ich war schon immer Mathematik- und Physik-begeistert – und Augenheilkunde hat viel mit Strahlenphysik zu tun. Es ist insgesamt ein sehr angenehmes Fach: Es stirbt keiner und man kann viele Menschen sehr glücklich machen.

Eine Zeit lang haben Sie auch gedacht, Sie könnten Gynäkologe werden.

Ja, weil ich die Geburtshilfe einfach so interessant fand. Mit Kindern als Patienten umzugehen finde ich auch heute noch schön. Aber ich habe damals meine Doktorarbeit im Bereich der Kinder-Onkologie gemacht (Behandlung von bösartigen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter, Anm. d. Red.) und dann gemerkt, dass es nicht schön ist, sterbende Kinder zu begleiten.

Die Patienten müssen verstehen

Welcher Aspekt ist Ihnen denn im Umgang mit Ihren Patienten heute besonders wichtig?

Ich bekomme immer wieder gespiegelt, dass Patienten ihren Weg zu mir finden, weil sie in einer anderen Praxis nicht zufrieden gewesen sind. Dem Patienten bringt das beste Fachwissen nichts, wenn man es ihm nicht so erklären kann, dass er weiß, was gemeint ist.

Ist das etwas, das Sie von Anfang an gut konnten?

Es ist etwas, das ich über die Jahre gelernt habe, dass mir aber von Anfang an sehr wichtig war. Ich setze mich noch heute manchmal am Abend hin und überlege, wie ich mit meinen Patienten gesprochen habe und wie ich das künftig verbessern kann. Für mich ist das wie bei dem Sprichwort: "Das Brot des Künstlers ist sein Applaus." Bei mir ist es das Verständnis des Patienten. Wenn ich das habe, dann arbeitet er mit und dann funktioniert alles.

INFO

Unter www.ophthimal.de können Termine vereinbart werden.

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