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Europawahl in Treuchtlingen: Grüner Glanz, rote Ratlosigkeit

Im Trend mit Ausreißern: Ergebnisse fallen in Stadt und Dörfern sehr unterschiedlich aus - 27.05.2019 17:07 Uhr

Geschäftiges Treiben herrschte kurz nach Schließung der Wahllokale im Treuchtlinger Rathaus. Mit von der Partie: SPD-Ortsvorsitzender Sebastian Hartl (Mitte). © Patrick Shaw


Im Vergleich zum Bundesergebnis der Union schneidet die CSU dabei in der Region verhältnismäßig gut ab. In der Altmühlstadt liegt sie mit 43,1 Prozent (vorläufiges Ergebnis) um acht Prozentpunkte besser als 2014 und genauso gut wie 2009, allerdings rund zwei Punkte schlechter als im Landkreis. Fast drei Prozent mehr als im Kreis holt die SPD – mit 12,9 stürzt sie gegenüber 2014 aber um fast 18 Prozentpunkte ab.

Das vorläufige Ergebnis der Europawahl 2019 in Treuchtlingen. © TK


Im Höhenflug dagegen die Grünen, die mit 15,6 fast sechs Prozentpunkte zulegen, allerdings deutlich unter dem Bundestrend von über 20 Prozent zurückbleiben. Die AfD hält trotz der zwischenzeitlichen Migrationsdebatte "nur" ihre rund acht Prozent (plus 0,8), die Freien Wähler verbessern sich von 3,3 auf 4,9 Prozent. Linke und ÖDP verlieren mit etwa 2,5 jeweils rund einen Prozentpunkt.

Im Wahllokal in der Stadthalle votierten die Wähler etwas "rot-grüner" als der Durchschnitt. Schwach erweist sich die CSU im katholischen Pfarrheim (33,7 Prozent), besonders stark ist dort die Linke (7,0). Im evangelischen Kindergarten punkten SPD (18,2) und AfD (11,1) überdurchschnittlich, während die Grünen ihre Hochburgen im Forsthaus (18,4) und auf dem Patrich (19,3) haben.

Unter den Ortsteilen ist und bleibt Windischhausen mit 72,5 Prozent CSU "tiefschwarz". Gute Werte fahren die Christsozialen auch in Auernheim (51,1) und Wettelsheim (48,5) ein. Die Bubenheimer stärken mit 9,8 Prozent die Freien Wähler. Auffällig "grüne" Dörfer sind Dietfurt (25,4) und Möhren/Haag (21,9). Gar nicht gefallen dürfte den Sozialdemokraten ihr Abschneiden in Graben und Grönhart (3,9), während die AfD dort mit 12,7 Prozent ihr bestes Ergebnis einfährt. Gundelsheim und Schambach liegen größtenteils im Trend.

Kurzer Draht und lange Gesichter

Per Brief stimmten diesmal 1608 der 4949 Wähler ab (32,5 Prozent). Da bei der Europawahl nur ein Kreuzchen zu machen ist, liegt diese Zahl stets deutlich unter der der Kommunalwahlen mit ihren langen Kandidatenlisten. Auch ansonsten verlief der Wahlsonntag laut Rathaus-Geschäftsleiter Christian Kundinger "unauffällig". Die letzten Zahlen trafen gegen 19.15 Uhr im Rathaus ein. Sehr zufrieden sei man mit dem neuen Aufbereitungsprogramm, das die Ergebnisse im Internet unter wahlen.treuchtlingen.de/2019/europawahl übersichtlich darstellt. Bis zur Kommunalwahl soll es noch optimiert werden.

Die längsten Gesichter gab es am Tag nach der Wahl bei den Treuchtlinger Sozialdemokraten. "Wir sind natürlich sehr enttäuscht", räumt Ortsvorsitzender Sebastian Hartl ein. Die SPD habe "einen engagierten Wahlkampf geführt, und es ist schade, dass dies so wenig Gehör gefunden hat". Ein möglicher Grund für das Vorbeipreschen der Grünen sei das Thema Klimaschutz, doch müsse dieses "mit einer sozialen Komponente einhergehen". Das zu vermitteln, sei der SPD nicht gelungen.

Ein kleiner Trost ist für Hartl, dass Treuchtlingen "zumindest röter als der restliche Landkreis ist". Vor allem in der Kernstadt habe die SPD noch treue Wähler. In Sachen Kommunalwahl sorgt sich der Vorsitzende eher nicht, denn da gehe es um die richtigen Köpfe. Mit Blick auf Europa beobachte er aber "mit extremer Besorgnis das Erstarken der Rechten". Das sei "viel beängstigender als das schlechte Ergebnis der SPD".

Auch Konservative "müssen sich fürchten"

Die designierte Bürgermeisterkandidatin Kristina Becker bezeichnete das Wahlergebnis für die CSU als "recht erfreulich". Man habe sogar leicht hinzugewonnen. Europaweit sei das Resultat für die großen Volksparteien und besonders für die SPD aber "ein Desaster, bei dem sich auch die Konservativen fürchten müssen". Die Politik spalte sich immer mehr in "viele kleine Partikularinteressen, und die tun dem Land nicht gut".

"Bemerkenswert" findet Becker den Siegeszug der Grünen, der bei der Union zu einem Umdenken führen müsse. Mit den Pragmatikern Baerbock und Habeck an der Spitze seien die Grünen ein reeller Koalitionspartner. Positiv stimmt die Bubenheimerin zudem die hohe Wahlbeteiligung. "Bei uns waren viele junge und Erstwähler, die das sehr ernst genommen haben", so Becker. Das örtlich gute Abschneiden der AfD sehe sie als "Aufgabe, der sich auch die Konservativen annehmen müssen".

"Erschütternd für die alte Partei, die Großes für dieses Land geleistet hat", ist das Abschneiden der Sozialdemokraten auch für UFW-Fraktionschef Klaus Fackler. Er wisse "wirklich nicht, was die SPD anders hätte machen sollen". Auch schließe er sich nicht dem Tenor an, dass es schlimmer hätte kommen können: "Der rechte Rand hat sich verdoppelt. Das ist dramatisch." Es sei "ein gefährlicher Trend, wenn kurzfristige Stimmungen über Wahlen entscheiden." Die EU müsse nun "schnell Lösungen bringen" – die hohe Wahlbeteiligung sei dafür der Auftrag.

Das Ergebnis seiner eigenen Leute will Fackler eher nicht kommentieren: "Die Freien Wähler gehören in die Kommune", ist er überzeugt.

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