Samstag, 17.04.2021

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Feuchter Winter bietet dem Wald eine Verschnaufpause

Grundwasserstände wieder besser gefüllt - Sorgen über Schädlinge - 07.04.2020 05:57 Uhr

Noch ist es im Wald rund um Treuchtlingen nicht so grün wie bei der Waldsitzung des Stadtrats im vergangenen Juni, von der unser Foto stammt. Der feuchte Winter hat den von der Trockenheit der zurückliegenden Sommer geplagten Bäumen jedoch gutgetan.

06.04.2020 © Archivfoto: Benjamin Huck


Der heimische Wald ist einer der wenigen Orte, die momentan stärker frequentiert sein dürften als zu normalen Zeiten. Der Mangel an alternativen Freizeitmöglichkeiten spielt da selbstverständlich eine Rolle, aber auch die Tatsache, dass dem Wald in den ersten Wochen des Frühlings ein ganz besonderer Zauber innewohnt. Die Laubbäume beginnen zu grünen, die Sonne erwärmt den feuchten Boden, und endlich zwitschern wieder erste Singvögel über den Köpfen der Spaziergänger.

Der schöne Schein trügt nicht – derzeit geht es dem Treuchtlinger Stadtwald recht gut. Das sagt Markus Bernholt, der sich als Förster um das Gebiet kümmert. "Die Grundwasserstände sind wieder aufgefüllt, und die Bäume gehen jetzt gut genährt in die neue Vegetationsperiode."

Der feuchte Winter hat der Natur gutgetan, schließlich waren die vergangenen Jahre insgesamt eher trocken. Diese zunehmend heiße und wasserarme Umgebung in Mittelfranken macht auch den Wäldern zu schaffen. Unter anderem deswegen, weil das veränderte Klima das Auftreten und die Vermehrung von Schädlingen begünstigt. Gleichzeitig kommen einige Baumarten bei trockener Hitze an ihre Grenzen.

Beispiel Kiefer: "Sie kommt aus dem hohen Norden, dort ist es kalt und trocken. Mit Trockenheit kommt sie also gut zurecht, aber die Wärme ist ein Problem", erklärt Bernholt. Auch weil sich der blaue Kiefernprachtkäfer dann besser entwickeln kann. Der Schädling befällt die Rinde und Borke von Kiefern und legt dort Eier.

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Die Entwicklung der Larven dauert anschließend zwei Jahre – eigentlich. Bei günstiger Witterung, wie sie in den vergangenen Jahren auch im südlichen Mittelfranken vorherrschte, ist der Prozess jedoch schon nach einem Jahr abgeschlossen, sagt Bernholt. Ist ein Baum stark befallen, gesellen sich oft weitere Schädlinge wie etwa Pilze dazu. Spätestens dann muss die Kiefer gefällt werden.

Unter der Rinde einiger Bäume, oft Fichten, schlummert zu Frühlingsbeginn ein anderer, wohlbekannter Feind: der Borkenkäfer. "Die haben jetzt überwintert und werden aktiv. Wie groß das Problem dieses Jahr wird, hängt auch vom Wetter ab", weiß der Förster. Der Käfer bohrt sich in den Baum und legt dort Eier. Fünf bis acht Wochen dauert es dann, bis die Larven schlüpfen.

"Um einen Befall festzustellen, suchen wir nach Bohrmehl, das senkrecht am Stamm entlang herunter rieselt", erklärt Bernholt. Für den Baum ist eine Besiedelung durch den Borkenkäfer meist ein Todesurteil, sagt der 41-Jährige. Stamm und Äste müssen raus aus dem Wald, um eine weitere Ausbreitung des Schädlings zu verhindern. "Das Holz muss mindestens 500 Meter weit weg vom Waldrand, damit der Borkenkäfer nicht wieder zurückfliegen kann." Alternativ könnten betroffene Bäume entrindet oder Gift eingesetzt werden. In der Praxis sind diese Verfahren aber extrem aufwändig beziehungsweise aus Gründen des Umweltschutzes nicht ratsam.

Schwammspinner wird bekämpft

Mit dem Schwammspinner hat sich darüber hinaus ein weiterer Freund warm-trockener Frühjahrsmonate in der Region verbreitet. Vergangenes Jahr machten die Raupen des Schmetterlings Schlagzeilen, da sie den Wald am Burgstall in Gunzenhausen praktisch komplett kahlgefressen hatten. Anfang des Jahres wurden auch am Treuchtlinger Nagelberg Nester des Schädlings entdeckt. Über dem betroffenen Gebiet will das Landesamt für Wald und Forstwirtschaft noch diesen Monat mit dem Hubschrauber ein Insektizid ausbringen. "Inzwischen wissen wir, dass der Schwammspinner alles wegfrisst, das grün ist", begründet Bernholt das Vorgehen. Wie so viele Insekten, die den Baumbestand gefährden, profitiert auch der Schwammspinner vom Klimawandel.

Forstexperten wie Bernholt sind deshalb auf der Suche nach Bäumen, die mit den sich verändernden Bedingungen besser zurecht kommen. Das könnte etwa auf weniger bekannte Baumarten wie die Wildkirsche oder den Spitzahorn zutreffen. Zudem wird auch mit exotischen Gehölzen experimentiert – zum Beispiel mit der Libanonzeder. 250 Exemplare der Baumart pflanzen Bernholt und Kollegen bald im Treuchtlinger Stadtwald. Für den Borkenkäfer und andere Schädlinge sind das womöglich schlechte Nachrichten.

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