Freitag, 26.02.2021

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Flexibel und ökologisch: So wird sich Bauen in Treuchtlingen verändern

Treuchtlingen krempelt die Bauleitplanung derzeit um - 20.02.2021 06:01 Uhr

Die Vorschriften für Gebäudestil und Dachformen im Neubaugebiet „Weitstein II“ in Dietfurt wurden erst kürzlich deutlich gelockert. Das soll künftig auch in anderen Baugebieten im Gemeindegebiet Schule machen.

19.02.2021 © Foto: Patrick Shaw


Bei der Bauleitplanung ändert sich in Treuchtlingen derzeit einiges. Vor wenigen Monaten hat der Stadtrat der Kommune nach 31 Jahren einen neuen Flächennutzungsplan gegeben, aus dem nun erste Impulse wie eine neue Wohnbaufläche in Wettelsheim entstehen. Einen Monat zuvor hatte das Gremium bereits die Vorschriften für Gebäudestil und Dachformen im Neubaugebiet "Weitstein II" in Dietfurt deutlich gelockert – was künftig auch andernorts Schule machen soll und nun amtlich ist. Zudem setzte sich der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung mit den Änderungen im Zuge der neuen, am 1. Februar in Kraft getretenen Bayerischen Bauordnung (BayBO 2021) auseinander.

Künftig weniger Abstand nötig

Letztere lässt nun unter anderem auch bei deutlich höheren Gebäuden als bisher Holz als Tragkonstruktion zu. Die neue Bauordnung lockert das Zustimmungsrecht, sodass künftig fallabhängig nicht nur die Eigentümer, sondern auch die Mieter eines Gebäudes ihr Okay zu Bauvorhaben der Nachbarn geben können. Und sie erweitert den Bestandsschutz, sodass an der Stelle von Abrissbauten in Zukunft nicht generell das aktuelle Baurecht gilt, sondern die Gemeinde auch einen Neubau mit maximal den Dimensionen der bisherigen Bebauung zulassen darf (aber nicht muss).

Zudem reduziert das neue Regelwerk drastisch die Abstandsflächen: Bisher mussten Neubauten rundum die volle Gebäudehöhe Distanz zur Abstandsfläche der Nachbarhäuser halten, sodass beispielsweise zwei Einfamilienhäuser mit je 5,50 Metern Höhe in Summe elf Meter voneinander entfernt stehen mussten. Künftig wird dieser Wert auf 40 Prozent der Höhe gesenkt – mit einer Untergrenze von drei Metern.

Ist das schon "zu" nah?

Die beiden besagten 5,50 Meter hohen Häuser müssen nun also lediglich sechs Meter Distanz halten (der Mindestwert), zwei elf Meter hohe Gebäude bräuchten einen Mindestabstand von 8,80 statt bisher 22 Metern. Zwei weitere Aspekte, die in der Sitzung Erwähnung fanden, sind die Vereinfachung des Dachgeschoss-Ausbaus sowie die neue "Genehmigungsfiktion". Letztere ermöglicht es Bauherren ab Mai, bereits drei Monate nach Antragstellung mit dem Bau zu beginnen – auch wenn der Antrag noch nicht abschließend genehmigt, der Bau aber nach aktuellem Kenntnisstand zulässig ist.

Die neue Abstandsregel schmeckte im Ausschuss vor allem Uwe Linss (CSU) nicht so recht. "Wir sitzen da schon sehr nah aufeinander", gab er zu bedenken. Die Nachbarkommune Pappenheim habe sich deshalb entschieden, die Änderung nicht zu übernehmen und bei der vollen Gebäudehöhe zu bleiben.

Das bedeute dann allerdings auch, "dass wir weiter viel Fläche verbrauchen", hielt Bürgermeisterin Kristina Becker dem entgegen. Zudem würden größere Bauvorhaben im Stadtgebiet wie etwa für das neue Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) auf dem Areal der künftigen Bezirksklinik durch die alten Abstandsflächen erheblich erschwert. "Wenn jemand im Stadtrat das anders möchte, muss er einen entsprechenden Antrag stellen", so Becker.

Gelockert, aber nicht frei

In Dietfurt sind die Lockerungen indes schon beschlossene Sache. Im Zuge des Bebauungsplans für das Wohngebiet "Weitstein II" hatte sich der Stadtrat im vergangenen Oktober für flexiblere Regeln hinsichtlich Baustil, Dachform und Gebäudehöhe ausgesprochen. Von Seiten der Bürger kam bei der öffentlichen Auslegung nun nochmals der Wunsch auf, neben Sattel-, Walm-, Flach- und versetzten Pultdächer auch einfache Pultdächer sowie nicht nur ein-, sondern auch zweigeschossige Flachdachbauten zuzulassen.

Erstes sichtbares Ergebnis entsteht

Nachdem die Verwaltung die Dachformen und Höhen mit Blick auf die bestehende Bebauung gewählt habe und es schon bei der ersten Debatte durchaus auch kritische Stimmen gab, beließ es der Ausschuss aber einstimmig bei den bisherigen Plänen. "Das war ein langwieriger und lehrreicher Prozess mit vielen Beteiligungen", fasste Rathauschefin Becker am Ende zusammen. Aus ihrer Sicht wären freilich "noch mehr Befreiungen wünschenswert gewesen – insbesondere hin zu zeitgemäßen Flachdächern mit Begrünung sowie flächensparenderem Bauen".


Für Kinder und Anwohner: Tempo 30 ;in Wettelsheim


Ein erstes sichtbares Ergebnis des neuen Flächennutzungplans entsteht schließlich demnächst in Wettelsheim: das rund vier Hektar große neue Baugebiet am Ortsausgang nördlich der Falbenthaler Straße. Da es in der Landschaftsschutzzone des Naturparks Altmühltal liegt, muss die Stadt Ausgleichsflächen an anderer Stelle nachweisen, die der Ausschuss am südlichen Ortsrand entlang des Viersteinwegs genehmigte.

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