Mittwoch, 11.12.2019

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"Führung lernt man draußen": Outdoor-Kongress in Treuchtlingen

Debatten über neue Unternehmenskultur am „Aventure Campus“ – Region hat Potenzial - 25.02.2019 12:11 Uhr

Mit Funkkopfhöhrern versehen, lauschten die Kongressteilnehmer dem Vortrag von Andrea Zuffelato, Autor des Buches „Führung lernt man draußen“. © HAM


Auch wenn er Anglizismen nicht mag, gab Outdoorsport- und Adventuremanagement-Studiengangsleiter Professor Manuel Sand dem diesjährigen Kongress das Motto „Leadership und Guiding“. Beide Wörter bedeuten „Führung“. Doch die Art sei eine andere, wie Sand zur Eröffnung erklärte: Während „Leadership“ eher die „Leitung von oben“ meine, stecke im „Guiding“ der Ansatz der Hinführung, also dass man Menschen an die Hand nehme.

Darum drehte sich der zweitägige Kongress, der die Anforderungen an Führungskräfte im Beruf mit denen im Outdoorbereich vergleichen und herausarbeiten sollte, was Unternehmen und Outdoorsport von einander lernen können. Denn die Führungsmodelle haben sich stark gewandelt. Wie lassen sich beispielsweise die gegenseitige Unterstützung und Orientierungshilfe im Outdoorbereich in Unternehmen integrieren? Und welche Führungskultur braucht es in modernen Betrieben, damit sich die Mitarbeiter ernstgenommen fühlen?

Dazu hatte die Hochschule Gäste aus Wissenschaft und Betrieben eingeladen. Professor Andreas Otterbach von der Hochschule der Medien in Stuttgart sprach etwa über die Bedeutung von Führung für den Erfolg und die Rolle der Wertschätzung in der Mitarbeiterbindung. Dass die Führungsthemen „draußen“ ganz ähnlich sind, zeigte Christoph Maretzek von der „Trekk’n Guide Academy“. Ohne Wertschätzung verliere man beim Outdoorsport schon nach wenigen Kilometern die Lust. Auf neue Führungsaufgaben in Zeiten der Digitalisierung ging Gregor Heilmaier von der gleichnamigen Nürnberger Unternehmensberatung ein. Die Technik mache alte Jobs überflüssig und lasse neue Berufsbilder entstehen. Essenziell sei dabei stets die Kommunikation.

Ein langer Prozess

Die Eingangsfrage versuchte der Personalentwickler und Bergführer Pit Rohwedder zu beantworten: „Es gibt zwar viele Parallelen zwischen der Führung am Berg und im Unternehmen. Doch bessere Führungskräfte lassen sich nicht durch ein paar Stunden Outdoor generieren. Dafür braucht man langfristige Seminare, die dann aber auch draußen stattfinden können.“ Solche Seminare bietet Andrea Zuffelato von der Schweizer Persönlichkeitstrainingsagentur „Planoalto“ an. Seinen Vortrag verlegte er nach draußen, die Teilnehmer bewegten sich beim Zuhören mit Kopfhörern in der Natur.

Den Abschluss machte Professor Christoph Tiebel von der Hochschule Künzelsau mit dem Thema „Emotionale Führung“, für das er seine zwei Rettungshunde dabei hatte. Dass Führung nichts neues ist, belegte er anhand alter Weisheiten der Benediktiner sowie der Erfahrungen aus Ernest Shackletons gescheiterter Antarktis-Expedition, die laut Tiebel bis heute als „Best-Practice-Beispiel“ greifen.

Was macht also gute Führung aus? Den Experten zufolge ist sie „wertschätzend, bringt Vertrauen entgegen, bezieht alle mit ein, trifft klare Entscheidungen, lässt Mitarbeitern Zeit zur Erholung, setzt alle gemäß ihren Stärken ein, geht mit gutem Beispiel voran, achtet aber auch auf sich selbst, redet viel, ist offen und ehrlich, merkt wenn etwas nicht stimmt, setzt klare und erreichbare Ziele und lässt dabei das Große und Ganze nicht aus den Augen“.

"Authentisch, echt und analog"

„So eine Führungskraft fällt in den seltensten Fällen vom Himmel, eine gute Entwicklung ist entscheidend“, sagt Manuel Sand. Outdoor-Elemente könnten dabei eine entscheidende Rolle spielen, da draußen in der Natur „Führung authentisch, echt und analog erfolgen muss“.

Insgesamt nahmen am siebten Outdoor- und Adventure-Kongress rund 70 Studenten, Aktive, Wissenschaftler und Firmenvertreter teil. Schirmherr war der IHK-Ehrenvorsitzende Karl-Friedrich Ossberger. Er betonte, dass Altmühlfranken auf dem Weg zum „Hotspot“ in der Outdoorbranche sei und dieses Potenzial auch auf vielen Messen präsentiere. Als „weicher Standortfaktor“ könne dies dazu beitragen, dass sich Unternehmen und deren Mitarbeiter in der Region niederlassen.

Die Treuchtlinger Hochschule kann dabei laut Ossberger als Vermittler agieren, wie etwa beim Runden Tisch zum Thema Mountainbike, der nach dem letzten Kongress entstand. Fachleute aus Sport, Forstwirtschaft und Naturschutz beraten dort über die naturverträgliche Weiterentwicklung des Bikesports.

Die Kongressreihe wird im kommenden Jahr fortgesetzt. Weitere Informationen gibt es unter www.adventure-campus.com.

Benjamin Huck / Patrick Shaw / pm E-Mail

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