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Montag, 19.04.2021

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Für 200.000 Euro: Treuchtlinger Kläranlage soll 2022 saniert werden

Umsetzung aus Kostengründen erst im nächsten Jahr - 08.04.2021 06:01 Uhr

Die Laufstege, die über den beiden Belebungsbecken der Treuchtlinger Kläranlage verlaufen (direkt über dieser Stelle des Bildtextes), sollen im Jahr 2022 saniert werden. Der Beton ist dort mittlerweile an einigen Stellen aufgeplatzt und rissig, an anderen bröselt er.

02.04.2021 © Foto: Lidia Piechulek


Risse im Beton gibt es in der Kläranlage in der Kanalstraße zuhauf. Der Treppenturm, den die Mitarbeiter der Kläranlage täglich zur Steuerung und Kontrolle der Anlage benutzen, ist längst nicht mehr in gutem Zustand: Der Beton bröckelt. Er zieht feine Risse vom Boden aus bis hoch in den zweiten Stock, vereinzelt liegt das Stahlgerüst darunter bereits offen und rostet vor sich hin.

Der Treppenturm zeigt den Sanierungsbedarf am deutlichsten auf: Durch Erosion und Wettereinflüsse ist der Beton mittlerweile in einem sehr schlechten Zustand.

02.04.2021 © Foto: Lidia Piechulek


Mehrfach verschoben

Die Schäden an der Kläranlage, die 1974 ihren Betrieb aufgenommen hat, sind längst keine Lappalie mehr. Denn wo der Beton leidet, geht es an die Substanz, und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Statik nicht mehr ausreichend gesichert ist. Die ersten Gespräche über die Sanierungen liegen bereits über zehn Jahre zurück, eine Entscheidung wurde aus Budgetgründen aber mehrfach zurückgestellt. Nun hat sich der aktuelle Stadtrat zu einer Begehung der Anlage getroffen und die Schäden vor Ort begutachtet.

Ein weiteres Jahr "noch zumutbar"

Kaum war das geschehen, fiel die Entscheidung im Stadtrat für die längst überfällige Sanierung in insgesamt vier Bereichen der Kläranlage. Die Mitglieder sprachen sich einstimmig für die vorgestellte Entwurfsplanung samt Kostenschätzung und damit für deren Umsetzung aus. In der Diskussion einigten sie sich allerdings darauf, dass die Umsetzung nicht mehr in diesem Jahr erfolgen soll.

An dieser Stelle ist das Stahlgerüst offengelegt – und rostet vor sich hin.

02.04.2021 © Foto: Lidia Piechulek


Diese Entscheidung wurde nicht zuletzt dadurch begründet, dass die Kosten von immerhin 200 000 Euro im Haushaltsplan 2021 nicht eingepreist gewesen sind. Alle Beteiligten waren sich einig, dass man den aktuellen, ohnehin sehr angespannten Haushalt nicht zusätzlich belasten wolle. Nun soll das städtische Bauamt die Sanierungsarbeiten im Herbst diesen Jahres ausschreiben, umgesetzt werden diese erst 2022.

Vereinzelt zeichnet sich das stählerne Gerüst der Treppe bereits schachbrettartig auf dem Beton ab (oben im Bild).

02.04.2021 © Foto: Lidia Piechulek


Bauamts-Mitarbeiter Jürgen Habla hatte eingangs erklärt, dass er diese Entscheidung des Stadtrats auch guten Gewissens mittragen könnte. Ein weiteres Jahr zu warten, das sei laut dem Bericht des Statistikers, der die Anlage im Rahmen der Entwurfsplanung in Augenschein genommen hatte, noch zumutbar. Zudem habe man bei einer Ausschreibung im Herbst und Umsetzung im Folgejahr meist deutlich bessere Chancen, dass die Aufträge vergeben würden.

Sanierung in vier Bereichen

Habla wies im Stadtrat darauf hin, dass die Kostenberechnung, die das Nürnberger Ingenieurbüro Bernhard Woschek erstellt hatte, recht großzügig berechnet worden ist. Demnach sei mit Mehrausgaben für die Sanierung der Treuchtlinger Kläranlage eigentlich nicht zu rechnen.

Auf der Anlage gibt es insgesamt vier Stellen, an denen saniert werden soll. Am teuersten werden die Arbeiten an dem Treppenturm sein: Die tragenden Stützpfeiler werden entrostet und voraussichtlich neu betoniert. Die Treppenläufe, die aktuell betoniert sind, werden komplett entfernt und durch eine Stahlkonstruktion ersetzt, da diese langlebiger ist (Kosten: 120 000 Euro).

Der Beton, aus dem die Laufstege des Belebungsbeckens bestehen, ist ebenfalls sanierungsbedürftig. Hier soll für 40 000 Euro saniert werden. Verschleißspuren gibt es außerdem entlang der Außenwand des Schlammbehälters und an den Wandkronen des Rechengebäudes (Kosten: 18 000 und 3000 Euro). Inklusive Honorar- und Nebenkosten soll die gesamte Sanierung dann maximal 200 000 Euro kosten.

Schwierige Umsetzung

Die Treuchtlinger Kläranlage ist in ihrer Bauweise für insgesamt 45 000 "Einwohnerwerte" (EW) ausgelegt und wird derzeit mit rund 30 000 EW belastet. Ihr Einzugsgebiet reicht vom Hahnenkamm über Bubenheim und Schambach bis nach Langenaltheim und ist damit verhältnismäßig groß.

Bauarbeiten an dieser Anlage stellen von jeher eine besondere logistische Herausforderung dar, die sich auch in den hohen Kosten der regelmäßig anfallenden Sanierungsarbeiten niederschlägt – denn die Treuchtlinger Kläranlage muss immer laufen.

Für die für 2022 eingeplanten Sanierungsarbeiten bedeutet das beispielsweise, dass während der Erneuerung des aktuellen Treppenturms fortwährend ein Ersatz-Treppenturm bereitgestellt werden muss, damit der laufende Betrieb nicht gestört wird.

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