Freitag, 23.04.2021

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Geduld der Treuchtlinger FFW'ler neigt sich dem Ende zu

Gerätehaus nicht vorschriftsgemäß, alte Decke bröckelt aufs neue Auto - 12.11.2014 07:29 Uhr

Aus alten Pumpen bauen die Treuchtlinger Brandschützer eine funktionierende. Beim Gerätehaus hilft solch Flickwerk nicht, verdeutlichte Kommandant Andreas Berger (re.) dem Bauausschuss samt Rathauschef Werner Baum.

11.11.2014 © Leykamm


Was die Ausschussmitglieder im Gerätehaus der Rothelme zu sehen bekamen, sei schlicht „alles auf dem Stand von gestern“, monierte Kommandant Andreas Berger. Vereinsvorsitzender und Kreisbrandinspektor Norbert Becker pflichtete ihm bei und legte den Finger ganz konkret in eine besonders schmerzhafte Wunde: Ein so kleines Tor wie das des Treuchtlinger Gerätehauses sei „heutzutage gar nicht mehr erlaubt“.


Und das offenbar zurecht, denn es habe sich aufgrund der zu schmalen Durchfahrt bereits ein Unfall mit Verletzten ereignet. Von überörtlicher Seite sei die Treuchtlinger Wehr wegen ihres Gerätehauses im Vergleich zu ähnlich großen Stützpunktwehren bereits als „eine der schlechtesten im Landkreis“ bewertet worden. „Eine Schande für die Stadt“, zitierte Be­cker einen bitteren Kommentar.


Dass etwas geschehen muss, davon konnte sich der Ausschuss nun selbst überzeugen. Risse klaffen im Boden des 1935 erbauten Hauses, der Putz bröckelt von den Wänden. Auch von der Decke rieselt es herab – direkt aufs Dach des neuen Feuerwehrautos, das dadurch schnell Schaden nehmen könne, wie Becker den Widersinn deutlich machte. Das Rettungsboot findet nur an der Decke Platz, zum Schlauchwaschen müssen die Fahrzeuge ausquartiert werden. Damit sie dann wieder Platz haben, bleibt den Kameraden nicht anders übrig, als die Absauganlage etwas gen Decke zu drücken.


„Da fasse ich nichts mehr an“


Ein Blick in den Sicherungskasten ließ die Ausschussmitglieder schließlich ganz verstummen. Würde man diesen einem Elektriker zeigen, käme wohl als Antwort: „Da fasse ich nichts mehr an!“, vermutet Dieter Jänsch, Aktivposten bei den Rothelmen und zugleich als Bautechniker in der Stadtverwaltung tätig. Einen fünfstelligen Betrag würde wohl allein die Erneuerung der Elektrik verschlingen. Das gesamte Haus auf Vordermann zu bringen, schlage mit rund 200.000 Euro zu Buche, überschlug Jänsch die Kosten. Die Frage der Torgröße wäre aber dann immer noch nicht gelöst. Das übereinstimmende Fazit der Floriansjünger: „Es wird trotz der Gelder nicht besser!“ Die richtige Lösung wäre ein Neubau.


Die Feuerwehrler selbst tun ihr Bes­tes, um in ihrem alten Domizil vorerst zu bestehen. In Eigenleistung etwa stemmten sie 1999 einen Garagenanbau. Beim Innenausbau erledigen sie selbst, was möglich ist. Aus diversen alten, dienstuntüchtigen Pumpen bas­teln die Brandschützer derzeit unter pädagogischer Einbindung des Nachwuchses ein funktionierendes Gerät. Doch gerade die jungen Kameraden „schieben Frust“, so Becker. Es bedürfe eines deutlichen Signals seitens der Stadt.


Was damit gemeint sein könnte, machten er, Berger und Jänsch ebenfalls deutlich. Es brauche ein grundlegendes Feuerwehrkonzept für den gesamten Brandkreis – mit Bedarfs­ermittlung, Klärung von Standortfragen, möglichen Fördermaßnahmen und vielem mehr. Für die Ehrenamtlichen wäre das ein Zeichen dafür, „dass sich etwas bewegt“, so Jänsch.


Bürgermeister Werner Baum wollte den unterschwelligen Vorwurf der Untätigkeit freilich nicht auf dem Rathaus sitzen lassen. Solche Erhebungen und Planungen habe man seitens der Verwaltung bereits einmal angeschoben – sogar in noch viel umfassenderem Sinn. Ein eigenes Rettungszent­rum sei bereits angedacht gewesen. Was aus den Unterlagen geworden sei? „Die liegen alle noch auf dem Schreibtisch unseres ehemaligen Stadtbaumeisters Stefan Barthory“.


Baum spielte den Ball aber auch zurück an Jänsch und beauftragte den Bautechniker gleich mit den Voruntersuchungen, die die Feuerwehr einfordert. Das Ergebnis müsse dabei erst einmal offen bleiben. Klar scheint jedoch seitens der Floriansjünger zu sein, dass das alte Gerätehaus keine Daseinsberechtigung mehr hat und somit ein Neues her muss – an einem noch zu findenden Standort.


Zumindest eine feste Zusage machte Baum den Rothelmen aber doch gleich vor Ort: Er gab grünes Licht für wohl einige tausend Euro kostende Sofortmaßnahmen an den sanitären Einrichtungen im ersten Stockwerk. Dort bricht nämlich der Boden durch. „Da brauche ich gar nicht erst einen Beschluss“, so Baum bei der Besichtigung.

Jürgen Leykamm Treuchtlinger Kurier

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