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Gerettet: Was aus der 450-jährigen Büttelbronner "Krone" wird

Der alte Brauereigasthof wäre abgerissen worden, hätten sich nicht zwei Denkmal-Liebhaber gefunden - 08.01.2021 06:04 Uhr

Sicherungsanker halten das ehemalige Gasthaus „Zur Krone“ in Büttelbronn zusammen. Vor 458 Jahren wurde es gebaut – es ist die Zeit des Ersten Hugenottenkriegs, im römisch-deutschen Reich herrscht Maximilian II., in Schottland Maria Stuart und in Florenz die Medici.

07.01.2021 © Patrick Shaw


Elke Wendrich und Matthias Hähnle wollen die mehr als 450 Jahre alte Gaststätte, die vom einstigen Dreiseithof in Büttelbronn übrig ist, denkmalgerecht restaurieren und in einigen Jahren selbst bewohnen. Beim Rundgang durch die seit einem halben Jahrhundert leerstehende Ruine ist das noch kaum vorstellbar. Die baugeschichtliche Bedeutung des betagten Jurahauses ist aber selbst für den Laien in jedem Raum und hinter jedem Stein des bröckelnden Mauerwerks erkennbar. Es ist eines der wenigen Gebäude in der Altmühlregion, die den Dreißigjährigen Krieg überstanden haben. Vor 458 Jahren ist es entstanden – es ist die Zeit des Ersten Hugenottenkriegs, im römisch-deutschen Reich herrscht Maximilian II., in Schottland Maria Stuart und in Florenz die Medici.

Vorausgegangen ist dem jetzigen Happy End eine Zitterpartie im Langenaltheimer Gemeinderat. 2018 versuchte der Jurahausverein zuletzt erfolglos, das aus dem Jahr 1563 stammende ehemalige Gasthaus zu erhalten. Am Ende wollte der Besitzer, dessen Familie der Hof seit 1840 gehört, das Haus sogar verschenken – doch nicht einmal die Kommune wollte sich die teure Sanierung ans Bein binden.

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458 Jahre Brauerei- und Gasthausgeschichte: Büttelbronner "Krone" ist gerettet

Er hat sogar den Dreißigjährigen Krieg überstanden: Der einstige Brauereigasthof „Zur Krone“ in Büttelbronn sollte nach 458 Jahren abgerissen werden.


"13 von 15 Gemeinderäten waren für den Abriss", blickt Bürgermeister Alfred Maderer zurück. Er beobachtet in den Ortskernen derzeit "die zweite große Abrisswelle nach den 1960er und 1970er Jahren, weil die gewünschte Innenentwicklung falsch verstanden wird". Sie sei "nicht gedacht, um den Altbestand loszuwerden". Dennoch wurde im Februar 2020 schließlich der Abbruch der "Krone" genehmigt.

Doch die letzte öffentliche Aufmarksamkeit zeigte Wirkung: Ein Paar aus München meldete sich bei Maderer und bekundete Interesse an einer Restaurierung. Manfred Sandmeir von der Kontaktstelle der Interessengemeinschaft Bauernhaus in Dinkelsbühl hatte Elke Wendrich und Matthias Hähnle von dem Büttelbronner Kleinod erzählt. Die drei kennen und schätzen sich von anderen Denkmalschutzprojekten und waren sich einig: "Dieses Haus darf einfach nicht fallen!" Da traf es sich gut, dass Wendrich und Hähnle ohnehin von München raus aufs Land ziehen wollten – und auf jeden Fall in ein erhaltenswertes Baudenkmal.

Ein Kraftakt über viele Jahre

Andererseits ist da der desolate Zustand des Gebäudes. Anderthalb Millionen Euro hat die Gemeinde Langenaltheim vor einigen Jahren für die Sanierung veranschlagt. Damals sollte das Haus zwecks Förderung zunächst für zehn Jahre als Asylunterkunft dienen und dann zum Dorfladen mit Ferienwohnungen werden.

Das Korbhaus ("Austragshaus") ist der jüngste Bauteil des Haupthauses, hat aber wegen des eingestürzten Daches besonders gelitten. Dass diese Ruine einmal wieder bewohnt werden soll, ist derzeit noch kaum vorstellbar.

07.01.2021 © Manfred Sandmeir, IgB


Nun wollen die neuen Besitzer zwar viel selbst machen – Elke Wendrich ist Architektin, begeisterte Restauratorin und sehr aktiv im Denkmalnetz Bayern. Dafür wird die Instandsetzung aber vermutlich mindestens fünf, eher sechs bis acht Jahre dauern. Davon, dass sie diesen Kraftakt durchhalten werden, mussten die 50-Jährige und ihr zwei Jahre älterer Lebenspartner den Gemeinderat erst mit Engelszungen und Unterstützung des Rathauschefs überzeugen. "Es hängt oft am Bürgermeister, ob ein Denkmal fällt", weiß Wendrich von anderen Projekten.

Beachtlich ist allein schon die jetzige Notsicherung. Rund 40 Tonnen Jurasteinplatten holten die Zimmerleute vom zu Reparaturzwecken mehrfach überdeckten Legschieferdach. Ohne deren Last sind die Bruchstein- und Fachwerk-Außenwände jedoch so wackelig, dass sie nun mit Zug- und Ringankern zusammengehalten werden müssen. Das Steindach soll nach der Restaurierung wieder drauf aufs Gebäude, ob sich der bereits teilweise eingestürzte Korbhaus-Anbau erhalten lässt, ist indes noch unsicher.

Dorfgeschichte kommt ans Licht

Mit jedem Tag, den die neuen Nachbarn an der "Krone" werkeln und ihre Geschichte erforschen, wächst mittlerweile auch das Interesse der Dorfbewohner. "Wir bekommen inzwischen oft Besuch von Leuten, die sagen: Wir freuen uns, dass Ihr da seid und das macht", ist Elke Wendrich positiv überrascht. Und auch der Ex-Eigentümer hat bei der Sicherung kräftig mit angepackt und viel von seinem Wissen und seinen Erinnerungen geteilt. Er ist zwischen 1955 und 1969 in dem Haus aufgewachsen – in den Fluren zeugt unter anderem die Wandbemalung in Rolltechnik von dieser Zeit.


Abriss genehmigt: Gibt es Rettung für die Büttelbronner "Krone"?


Auf deutlich ältere Relikte stoßen Elke Wendrich und Matthias Hähnle nun bei jedem Handgriff in ihrem künftigen Zuhause: auf den zugemauerten Durchgang zu einem Abort etwa, der vermutlich einmal im Obergeschoss an der Außenwand hing, dort wo jetzt das Korbhaus steht, und von dessen Funktionsweise noch eine Delle im Boden darunter zeugt; auf einen schwungvoll geschnitzten Türsturz aus der Bauzeit, mitten in einer heutigen Wand; auf Handwerkerszeichen im Fachwerk, die noch aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg stammen; oder auch nur auf ein altes Krautfass. Das meiste davon wird jetzt erhalten bleiben und noch in vielen Jahren die Geschichte der alten "Krone" erzählen...

Die "Krone" in Büttelbronn:

Ein halbes Jahrtausend Brauerei- und Gasthausgeschichte

Matthias Hähnle leuchtet in den Kamin der einstigen „Schwarzen Küche“.

07.01.2021 © Patrick Shaw


Der frühere Brauereigasthof „Zur Krone“ in Büttelbronn ist nach Angaben des Eichstätter Jurahausvereins nach dem 1551 erbauten „Goldenen Adler“ in Sausenhofen und vor dem „Hirschen“ in Wettelsheim (1579) vermutlich das zweitälteste Wirtshaus im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Seine Geschichte hat der Weißenburger Architekt Professor Johannes Geisenhof seit 1983 erforscht.

Dendrochronologischen Untersuchungen zufolge wurde das Bauholz im Winter 1562/63 gefällt. Zusammen mit der benachbarten Dorfschmiede aus dem Jahr 1473 gehört das Gebäude damit zu den ältesten baukulturellen Zeugnissen des Altmühljurahauses. Ein Bild von 1825 zeigt die ursprüngliche Anlage als für die Region seltenen Paarhof: Sowohl der Gasthof samt mutmaßlicher „Braustatt“ aus dem 17. Jahrhundert als auch die Scheune stehen beziehungsweise standen mit den Giebeln zur Straße. Dazwischen lag ein 17 Meter breiter Hof.

Der Verfall des Anwesens wurde in den 1990er Jahren immer sichtbarer. Für das Landesamt für Denkmalpflege erstellte Geisenhof 1998 eine Dokumentation und ermittelte die Kosten für eine Notsicherung: rund 200.000 D-Mark. Die Initiative des Jurahausvereins, in Büttelbronn als Ableger des Bad Windsheimer Freilandmuseums ein Bauernhofmuseum zu gründen, scheiterte jedoch. Ein Jahr später wurden Scheune, Stall und Remise der „Krone“ abgerissen.

Ob das halb eingestürzte Korbhaus erhalten werden kann, ist noch unsicher.

07.01.2021 © Manfred Sandmeir, IgB


Der Abbruch destabilisierte die Westwand des Haupthauses, das in den Folgejahren weiter verfiel. Trotzdem ist der Kernbau von 1563 laut Geisenhof auch heute noch „in einem erhaltenswerten Zustand“. Erstaunlich intakt ist vor allem das im Landkreis einzigartige gezapfte Eichenfachwerk, das ebenso aus der Bauzeit stammt wie die mit Holznägeln befestigten Dachlatten. Auch die Wirtsstube und die einstige „Schwarze Küche“ sind nach wie vor „instandsetzungsfähig“.

Elektrik aus der Gründerzeit

Technisch befindet sich das Wohn- und Gasthaus auf dem Stand der Vorkriegszeit. So gibt es im Hauptbau weder Toilette noch Bad. Die offene Elektroinstallation stammt aus den Anfangsjahren der Elektrifizierung, der Boden im Keller mit seinem Tonnengewölbe besteht noch aus gestampftem Lehm. In der Stube steht ein gusseiserner Ofen von 1803.

Die vermutete Braustätte wurde wohl im 17. Jahrhundert angebaut. An ihre Stelle trat später das Korbhaus (Altsitz). 1909 wurde es aufgestockt, mittlerweile ist es aber eine Ruine. Die Umfassungsmauer besteht laut den Bauplänen aus „Rehlinger Bruchsteinen“, das eingestürzte Dach aus Solnhofer Legschiefer.

Die Bruchstein-Rückwand des Haupthauses wird nur noch von der Notsicherung zusammengehalten.

07.01.2021 © Patrick Shaw


Die frühere Scheune stammte aus dem Jahr 1729, der Stall wurde 1869 erneuert und 1904 erweitert. Zusammen mit der Remise (Göpelhaus) entstand schließlich 1886 der bis 1999 bestehende Dreiseithof. Über den dortigen „Göpel“ wurden einst die ersten landwirtschaftlichen Maschinen angetrieben. Eine ganz ähnliche Scheune aus Büttelbronn ist heute wohl im Bad Windsheimer Freilandmuseum eingelagert. Sie kam Mitte der 1980er Jahre dorthin und stand früher in der Dorfstraße nur wenige Anwesen weiter.

Die Nutzungsgeschichte des Hofs lässt sich ab 1809 anhand des Steuerkatasters nachvollziehen. In den Archiven findet sich bis 1840 der Eintrag „Ein Hofgut mit realer Taferngerechtigkeit“. Allerdings bezeichnet sich der damalige Hausherr Johann Christoph Kühnlein nur als „Bauer“. In der Büttelbronner Besitzfassion von 1809 sind „ein Haus halb von Stein, eine Braustatt, ein Stadel mit angebauter Schupfe, ein Schweinestall“ sowie „die Weißbierbrauerey-Brandweinbrennerey- u. Wirthschafts Tabern-Gerechtigkeit“ erwähnt. Wie lange dort Bier gebraut wurde, ist unklar. Ein „Gastwirt zur Krone“ findet sich jedoch auch 1881 noch in den Kirchenbüchern.

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