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Dienstag, 23.07.2019

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Germania Wettelsheim: Festzug zum 111. Geburtstag

Schützen und Gäste waren trotz Gluthitze gut gelaunt - 03.07.2019 06:03 Uhr

Unter dem Jubel der Festdamen und der Gäste zogen die vor 111 Jahren gegründeten Germania-Schützen in ihr gut besuchtes Festzelt ein. © Foto: Jürgen Leykamm


Wenn die Wettelsheimer Germania-Schützen ein Schnapszahl-Jubiläum feiern, dann spielt beim Festzug auch "Petrus" gern mit. 33 Grad zeigte das Thermometer, als sich zum 111-jährigen Bestehen der Schützengesellschaft 66 Gruppen entlang der Rohrach in Bewegung setzten. Am Wegesrand standen dabei glücklicherweise diverse Gartenschlauch-Duschen zur Kühlung bereit. Und auch etliche Zuschauer, die sich einfach gleich mitten im Bach postiert hatten, besprengten den Umzug mit Wasser.

Erst einmal krachte es aber so richtig: Die Böllerschützen jagten ihre Salven durch die Luft, während sich Zugteilnehmer und Zuschauer ein Schattenplätzchen suchten. Richtig zu kämpfen hatten die Fahnenträger, die meist in voller Montur die schweren Wahrzeichen ihrer Vereine präsentierten. Immer wieder versorgten aufmerksame Mitstreiter die Beladenen dabei mit einem Schluck aus der Wasser- oder Bierflasche.

Der Feuerwehrnachwuchs drehte den Spieß dagegen um und griff seinerseits zum Spritzgewehr, um die Zaungäste abzuschießen. Jeder Windstoß sorgte für Erleichterung, auch wenn dabei so manches Mal die Hüte wegzufliegen drohten. Der Skiclub rückte der Jahreszeit zum Trotz mit Wintersportgeräten an – allerdings ebenfalls in T-Shirts.

Zu viel Applaus und dem Frankenlied zogen die Gruppen schließlich ins Festzelt ein. Den größten Beifall erhielt dabei der Jubelverein. Für einen gemeinsamen "böhmischen Traum" holte Günter Schwimmer als Dirigent der Feuerwehrkapelle anschließend auch Musiker aus Dittenheim, Meinheim und Weimersheim auf die Bühne, was für ein imposantes Klangerlebnis sorgte.

Viel Sinn für Gemeinschaft

"Guten Gemeinschaftssinn" attestierte auch Bürgermeister Werner Baum den Wettelsheimern und der SG Germania. Ortssprecher Matthias Strauß räumte indes ein, es als Schirmherr wohl "zu gut gemeint" zu haben, und versprach hinsichtlich der Temperatur: "Beim 222. Jubiläum mache ich das besser."

Dass sich die Wettelsheimer für jeden ihrer Vereine freuen, bewies schließlich auch Schützenmeister Markus Dürnberger, der vermeldete, dass die örtlichen Asphaltstockschützen gerade in die Bezirksklasse A aufgestiegen seien. Da hatten die auf der Bühne versammelten Festdamen gut Schunkeln, bevor die Proklamation der Gaukönige folgte (Bericht folgt).

Das viertägige Jubiläumsfest eingeläutet hatten zuvor schon eine Rocknacht und der große Kommers samt Ehrungen und Rückblick in die Vereinsgeschichte. Warum gerade zum "Schnapszahl-Geburtstag"? Weil der Vorstand beschlossen hatte, dass die Zeit zwischen dem 100. und dem 125. Gründungsjahr einfach zu lang sei. Wer gemeinsam etwas voranbringe, der dürfe schließlich auch öfter einmal gemeinsam feiern. In diesem Sinn würdigte Ortssprecher Strauß die "vielfältige Arbeit des Vereins, die ich sehr schätze". Bei den Schützen fühle er sich "einfach wohl".

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Heute zeichnet sich die "Germania" durch viele gesellige Veranstaltungen wie Starkbierfest, Plattenparty oder Saugrillen sowie durch ihr Engagement beim Dorffest aus. Mit der neuen elektronischen Schießanlage und einer "extrem guten Jugendarbeit" sei der Weg in die Zukunft geebnet, so Strauß. Dazu passe, dass Vereinschef Dürnberger just im Jubiläumsjahr Schützenkönig wurde.

Der Landtagsabgeordnete Manuel Westphal hatte als Gastgeschenk gleich ein Fass mit einem halben Hektoliter Bier dabei, das er nach seinem Grußwort ins Zelt rollen ließ – auch als Entschädigung dafür, dass Ministerpräsident Markus Söder kurzfristig als Redner am "politischen Abend" abgesagt und stattdessen "nur" seinen Generalsekretär Markus Blume geschickt hatte (Bericht folgt).

Zur Gründungszeit der Schützengesellschaft sei Deutschland noch Kaiserreich gewesen, erinnerte Westphal. Die beiden "großen Katastrophen" des 20. Jahrhunderts habe der Verein aber gut überstanden. Heute leiste die Germania einen wichtigen Beitrag beim Weitergeben von Werten an die kommende Generation.

Ohnehin sei die Geselligkeit bei den Schützen anfangs eher wichtiger gewesen als der Schießsport, griff Bürgermeister Werner Baum den Gedanken auf. "Gesang und Kartenspiel" hätten damals das Vereinsleben geprägt. Baum erinnerte an Meilensteine wie die Wiedergründung im Jahr 1959 oder die Einweihung des Schützenheims 1974.

Lanze für Schießsport gebrochen

Auf den Schützensport ging der Bundestagsabgeordnete Artur Auernhammer ein. Dieser lehre Jugendliche Verantwortung und stärke den Zusammenhalt, verteidigte er ihn gegen Kritik. Neben Landrat Gerhard Wägemann gratulierten dem Jubelverein außerdem Gauschützenmeister Klaus Kemmelmeier und Wolfgang Geißelmeyer das Oberhaupt der zweiten Schützengesellschaft des Dorfs, der SG Tell Wettelsheim.

Zahlreiche Germania-Mitglieder erhielten Urkunden und Verdienstnadeln für ihr Engagement und ihre langjährige Treue. © Foto: Jürgen Leykamm


Das Anbringen der Fahnenbänder leitete schließlich zu den Ehrungen über. Die 100-Jahre-Verdienstnadel erhielten Werner Achinger, Jvone Bleicher, Jens Brückel, Karl Enhardt, Christian und Julian Föttinger, Hans Geißelmeier und Hilde Lechner. Für Annalena Schwimmer gab es die Germania-Verdienstnadel, für Markus Herzog das Verdienstkreuz am Band sowie für Bernd Bleicher, Erich Herzog, Doris Meyer und Wolfgang Ott das Protektorabzeichen. Mit der Peter-Lorenz-Ehrennadel zeichnete der Verein Werner Dürnberger aus.

Die goldene Ehrennadel des mittelfränkischen Schützenbunds trägt ab sofort Renate Ranzenberger. Verdienstnadeln des bayerischen Sportschützenbunds erhielten Birgit Bär, Kerstin Herzog, Karola Ott und Alexander Wilhelm. Für 60 Jahre Mitgliedschaft zeichnete die SG Ludwig Lutz, Rudolf Meyer und Erich Ott aus, für 40 Jahre Bernd Bleicher, Adolf Reißlein, Ludwig Reißlein und Brigitte Schöner sowie für zehn Jahre Michaela Bleicher, Michael Durst, Bianca Lechner und Ramona Lechner. 

Jürgen Leykamm E-Mail

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