Dienstag, 20.04.2021

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Girls’ und Boys’ Day im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen

In 16 Jahren nur wenig an der Grundeinstellung der Jugendlichen geändert - 30.04.2016 07:59 Uhr

Mit Freude an der Fräse: Trotz bester Chancen interessieren sich Frauen noch viel zu selten für Industrie und Handwerk. Bei Alfmeier durften sich die Schülerinnen an den Maschinen versuchen und ihren eigenen Metallwürfel herstellen.

29.04.2016 © Patrick Shaw


Jacqueline Szvatova ist angehende Physiklaborantin im zweiten Lehrjahr. Bei der Firma k3works, einer Tochter der Treuchtlinger Alfmeier-Gruppe, hat sie es am Girls’s Day mit zwei Gruppen á drei Mädchen zwischen zwölf und 18 Jahren zu tun. Die wollen die berufliche „Männerwelt“ kennenlernen und einmal in technische und handwerkliche Tätigkeiten hineinschnuppern. Denn diese bieten – abgesehen von den nach wie vor starken Geschlechterrollen-Klischees – viele Vorteile: eine breite Qualifikation, eine fast sichere Übernahme nach der Ausbildung und meist einen höheren Verdienst als typische „Frauenberufe“.

Das ist vielleicht auch der Grund, warum am Boys’s Day nach wie vor nicht einmal halb so viele Jungen mitmachen. „Noch sind die Mädchen mehr an Technik interessiert als die Jungs an sozialen Berufen“, bestätigt die Leiterin der Weißenburger Arbeitsagentur, Claudia Wolfinger. Lediglich der Bereich des Erziehers „bricht langsam auf“. Zahlenmäßig bringe der Girl’s/Boys’s Day eher wenig. „Aber jeder einzelne Jugendliche, der in einem der teilnehmenden Betriebe hängenbleibt, zählt“, so die Agenturchefin, die mit ins Treuchtlinger Alfmeier-Werk gekommen ist, um eine kleine Bilanz des „Zukunftstages“ zu ziehen.

Zunächst sind aber die Mädchen an der Reihe. Die drei an Jacquelines Station im Physiklabor haben ganz unterschiedliche Hintergründe. Eine geht in Treuchtlingen aufs Gymnasium und interessiert sich für ein duales Studium, die zweite besucht die Mädchenrealschule in Gunzenhausen und möchte nur mal „schnuppern“, und die dritte ist Mittelschülerin in Markt Berolzheim und möchte bei Alfmeier den Arbeitsplatz ihres Vaters kennenlernen – spätere Lehre nicht ausgeschlossen.

Ähnlich bunt gemischt ist die zweite Mädchengruppe, die ein Gebäude weiter an der manuellen Fräsmaschine steht: zwei Neuntklässlerinnen der Weißenburger Realschule und eine erst zwölfjährige Sechstklässlerin der Mädchenrealschule Hensoltshöhe. Alle drei haben aber sichtlich Spaß und Interesse an der handwerklichen Betätigung und Herausforderung.

Im Physiklabor zeigt Auzubi Jacqueline Szvatova (2. von links) den Schülerinnen, wie die Firma k3works ihre Messtechnik entwickelt und herstellt.

29.04.2016 © Patrick Shaw


Das ist nicht überall so. Denn trotz aller Bemühungen seit dem ersten Girl’s Day vor 15 Jahren haben sich laut Claudia Wolfinger „die Top 20 bei den Mädchenberufen kaum verändert“. Vier von fünf jungen Frauen im Agenturbezirk hätten im vergangenen Jahr Jobs wie Verkäuferin, Friseurin, Hauswirtschafterin oder Bürokauffrau erlernt. Außer Bauzeichnerin und Augenoptikerin sei kein einziger technischer Beruf unter den beliebtesten 20. Dabei sei gerade im kaufmännischen Bereich schon die Chance auf eine Lehrstelle „wesentlich geringer als in den technischen Berufen“. Immerhin steige aber das Interesse der Mädchen an technischen Studiengängen. Und rund 140 Schulabgängerinnen in der Region hätten 2015 einen typischen Männerberuf wie Tischler/in, Lagerlogistiker/in oder Fachinformatiker/in gewählt.

Bei den Jungs sieht es genauso aus. „Der Wunsch ist groß, auch männliche Vorbilder in den Erzieherberufen oder männliche Ansprechpartner in Senioren- und Pflegeheimen zu haben“, erklärt die Agenturchefin. Die beliebtesten Lehrberufe seien aber nach wie vor in Industrie und Handwerk zu finden. An den Berufsfachschulen seien dagegen die Mädchen in der Überzahl.

Patrick Shaw

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