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Grönhart: Altes Unterwerk für 104.000 Euro versteigert

Unbekannter kauft baufälliges Gebäude bei Treuchtlingen für fast das Sechsfache des Mindestgebots - 20.03.2020 05:58 Uhr

Gebaut wurde das Unterwerk (links) für die Elektrifizierung der Bahnstrecke Augsburg-Nürnberg. Seit dem Neubau östlich der Gleise (rechts) holte es sich die Natur zurück.

19.03.2020 © Foto: Rudi Beringer/Limes-Luftbild


Das Auktionshaus Karhausen, das im Auftrag der Deutschen Bahn mit deren alten Grundstücken handelt, hatte für das etwa 19 200 Quadratmeter große Grundstück ein Mindestgebot von 18 500 Euro aufgerufen. Tatsächlich ging es am Ende für einen viel höheren, aber immer noch recht moderaten Preis über den Tisch: Für 104 000 Euro (plus Nebenkosten) erhielt ein bislang unbekannter Telefonbieter den Zuschlag.

Das ab 1934 erbaute Unterwerk wurde im Mai 1935 in Betrieb genommen.  Darin wurde der von der Überlandleitung kommende Strom von 111.000 Volt auf 15.000 transformiert und in die Oberleitung eingespeist. Damals war die Elektrifizierung von Bahnstrecken ein moderner, technischer Fortschritt. Nachdem die Verbindung von Stuttgart nach Augsburg abgeschlossen war, rissen sich die beteiligten Unternehmen um Folgeaufträge. Grönhart wurde so zu einer wichtigen Schaltstelle zwischen Augsburg und Nürnberg. Zur feierlichen Eröffnung hielt sogar ein Zug am Haltepunkt Grönhart. Heute wird dort Holz gelagert.

Am 10. Mai 1935 wurde das Unterwerk in Betrieb genommen. Zur Einweihung hielt dort sogar ein Zug – geschmückt mit den Hakenkreuzen der nationalsozialistischen Machthaber. Das Foto hat uns das Bildarchiv der Eisenbahnstiftung zur Verfügung gestellt.

19.03.2020 © Foto: RVM/Eisenbahnstiftung


Um die bewegte Geschichte geht es im Jahr 2020 kaum noch. Zwei technische Anlagen kommen nur noch unter dem Stichwort "stark sanierungsbedürftig" vor, eine Kranhalle und das Hauptgebäude mit Anbau. Nachdem die anderen Gebäude verfallen oder sogar abgerissen sind und die Deutsche Bahn ihre Infrastruktur auf der anderen Seite der Schienen neu aufgebaut hat, bot der Staatskonzern das Areal jetzt zum Verkauf an. Es landete bei einem der beiden privaten Auktionshäuser, die in Berlin ihre Hauptsitze haben und sich auf die Versteigerung von Immobilien spezialisiert haben. Die Eigentümer liefern dabei, anders als bei Zwangsversteigerungen, ihre Grundstücke freiwillig ein.

Bahnanlagen werden gern gekauft

Auf diesem Weg kamen in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Immobilien in der Hauptstadt unter den Hammer, die die Bahn nicht mehr benötigt oder deren Unterhalt sie gern aus Kostengründen abgibt. Meist sind es Bahnhofsgebäude, die in den Versteigerungskatalogen auftauchten, immer wieder sind aber auch Lokschuppen, Ladestraßen, Randflächen oder sogar frühere Bahnstrecken ohne Gleise dabei.

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Häufig ist das Interesse an den Anlagen groß, auch wenn es für die künftige Nutzung zahlreiche offenkundige oder verdeckte Beschränkungen gibt. Beim Grönharter Unterwerk boten anfangs acht Interessenten mit. Danach trieben fünf Bieter den Preis in 2000-Euro-Schritten nach oben. Vier davon waren per Telefon zugeschaltet, für sie hoben Mitarbeiter des Auktionshauses jeweils die Bieterkarten. Auch im Saal wollte ein älterer Mann die Fläche erwerben. Nachdem er bei 60 000 Euro überboten worden war, stieg er aus.

Auch wenn der Mann nicht zum Zug kam, erzählte er nach der Auktion, was er mit der Fläche angestellt hätte. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen – er sei ein Bauunternehmer aus der Region und eigens für die Versteigerung nach Berlin gekommen. Gern hätte er im alten Unterwerk einen seiner aktuellen Mieter untergebracht. Platz wäre dort genug gewesen – auch für ein mögliches Motorradmuseum. Dafür will der Bieter nun weiter in der Region nach einer Immobilie suchen.

18 500 Euro waren bei der Auktion in Berlin das Mindestgebot für das 1,9 Hektar große Grundstück des Bahn-Unterwerks bei Grönhart. Für 104 000 Euro gingen das Areal mit den vielen Stromleitungen und den beiden erhaltenen Gebäuden am Ende an einen bislang unbekannten Telefonbieter.

19.03.2020 © Foto: Ingmar Höfgen


Was das Grundstück zusätzlich interessant macht, ist der direkt daneben verlaufende Karlsgraben. Allerdings erwähnt der Überbotene auch erhebliche Hürden für den künftigen Eigentümer des Unterwerks. So ist das Areal weiterhin zu Bahnbetriebszwecken gewidmet. Das bedeutet, dass jegliche Bauarbeiten mit der Bahn abgestimmt werden müssen. Auch einige elektrische Anlagen sollen dauerhaft auf dem Gelände bleiben und deren Bestand im Grundbuch abgesichert werden.

Und schließlich wurde kürzlich ein alter Brunnen wiederentdeckt, für den noch ein Leistungsrecht eingetragen werden muss. Außerdem liegt das Gelände im Naturschutzgebiet, und der Radweg nach Weißenburg führt über das Grundstück. Anders ausgedrückt: Der Käufer muss viele Rücksichten nehmen.

Zweites Grundstück nebenan

Da schien die zweite Fläche nahe Grönhart, die gleich danach versteigert wurde, leichter zu bewirtschaften. Auch sie liegt an der Bahnstrecke, nordöstlich des Unterwerks hinter dem Radweg, und wird momentan als Holzlagerplatz genutzt. Dort, so sagt der Unternehmer, könnte man vielleicht eine Solaranlage hinstellen, wie es sie auf dem Nachbargrundstück bereits gibt.

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Auch an diesem Objekt war das Interesse groß: Bei 1500 Euro für das 1800-Quadratmeter-Areal ging die Versteigerung los, bei 22 000 Euro war es verkauft. Auf die Zuschlagspreise kommen noch 15 bis 20 Prozent für Courtage, Grunderwerbssteuer und Notarkosten drauf. Nachdem alles bezahlt ist, übergibt die Bahn die Liegenschaften. Was dann passiert, bleibt abzuwarten.

Treuchtlingen bot mit

Auch die Stadt Treuchtlingen hatte beim Unterwerk mitgeboten – mit 21 000 Euro allerdings nur knapp über dem Mindestgebot. "Wir wollten uns das Grundstück erst einmal sichern", sagt Bürgermeister Werner Baum. Er hätte sich eine Nachnutzung für die geplante Kultur- und Naturerbe-Ausstellung "Karlsgrabenwelt" vorstellen können oder einen Spielplatz mit Eisenbahnbezug, etwa mit einer Handdraisine.

Dass das Gelände dafür am Ende für fast das Fünffache der Summe weggegangen ist, kommentiert Baum mit "viel zu überteuert" – vor allem, da eben die zahlreichen Leitungsrechte von Bahn und Telekom eingetragen seien und möglicherweise auch Altlasten saniert werden müssten. Wer den Zuschlag bekommen hat, weiß der Rathauschef nicht. Er möchte sich aber mit dem Auktionshaus in Verbindung setzen, sollte sich der neue Eigentümer nicht von selbst melden und mit der Stadt über die geplante neue Nutzung sprechen.

INGMAR HÖFGEN E-Mail

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