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Gruselort mit Geschichte: Welche Geheimnisse birgt der Uhlberg?

Der Heimatforscher Arthur Rosenbauer arbeitet an einem Buch über den sagenumwobenen Berg - 21.12.2020 06:04 Uhr

Verwunschen liegt die Ulrichskapelle im Wald auf dem Uhlberg. Als Gruselort hat sie es zu einiger Bekanntheit gebracht.

20.12.2020 © Arthur Rosenbauer


Der Uhlberg im schwäbisch-fränkischen Grenzgebiet ist seit Jahrzehnten für seine Mystik bekannt. Von der Sendung "Welt der Wunder" wurde er sogar auf Platz sieben der "gruseligsten Orte in Europa" gewählt. Da es keine Publikation über das Gebiet gibt und die Wissenschaft bisher eher einen Bogen um das Thema gemacht hat, hat es nun der Treuchtlinger Höhlen- und Heimatforscher Arthur Rosenbauer aufgegriffen.


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Flora und Fauna, die Geologie, den Einfluss der Ries-Katastrophe, die postriesische Flussgeschichte sowie die Besiedelung des Bergs und die Herkunft der Kapelle will Rosenbauer in seinem Buch "Das Geheimnis vom Uhlberg – Grenzgebiet zwischen Wahrheit und Mystik" versammeln, an dem er seit drei Jahren arbeitet. Ebenso enthalten sein soll Wissenswertes über historische Ackerflächen, das einstige Wegenetz mit Blick auf Römer und Mittelalter, die geheimnisvolle Wasserhaltung im Karst sowie viele lokale Geschichten.

Die verwunschen Kapelle

Einen wichtigen Teil nimmt die Geschichte der Ulrichs- oder Uhlbergkapelle und ihre Umgebung ein. Ob Kloster, Friedhofsmauer oder der Brunnenschacht mit Glocke – Rosenbauer fand erhellende Archivalien, die viele Ungereimtheiten und Irrungen ausräumen. Dabei half zufällig auch ein Harvester (Holzernter), der überraschend wichtige Funde wie zum Beispiel historische Scherben freilegte.

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Ein wichtiger Ratgeber für solche Funde ist Kreisheimatpfleger Werner Somplatzki aus Trommetsheim, der Rosenbauer beratend zur Seite steht: "Ich kann zwar Scherben sammeln, stehe dann aber ratlos davor und bin froh, dass ich hier auf Werner Somplatzkis Kompetenz zurückgreifen kann." Sonst wäre die Gefahr groß, dass man sich das Ergebnis zusammenreime, das man sich wünsche.

So lösten einige Funde auch in der Fachwelt Irritationen aus, da ihre Herkunft unklar sei. Erst kürzlich entdeckte Rosenbauer einen 30 Meter tiefen Ponor (Wasserschacht) im Bereich des Uhlbergs, der bisher in seiner Dimension unbekannt war und von Einheimischen als Doline zum Schuttabladen verwendet wurde.

Tief unter den Berg

Da der Schacht schwierig zu begehen ist, halfen dem Heimatforscher Matthias Paukner, Jörg Reisslein und Walter Pfahler vom Treuchtlinger Alpenverein bei der Erstbegehung. "Das versierte Bergsteigerteam war absolut notwendig, um den nicht einfachen Schacht sicher und unfallfrei zu begehen", lobt Rosenbauer die Kameraden. Bei der Erstbegehung war zudem ein Filmteam der Sendung "Zwischen Spessart und Karwendel" dabei. Die Sendung lief am vergangenen Samstagabend im Bayerischen Fernsehen und ist in der Mediathek abrufbar (br.de/mediathek).

Zusammen mit Treuchtlinger Alpenvereinlern stieg Arthur Rosenbauer in den Ponor (Wasserschacht) auf dem Uhlberg.

20.12.2020 © Arthur Rosenbauer


Geologisch war die Begehung für Rosenbauer ein Höhepunkt in diesem Jahr, weil genau dieser Schacht seine Theorie der Wasserführung des Uhlbergs auf sichere Füße stellt: "Das Ponor ist äußerst aktiv, der Wasserstand in der Höhle erreicht zeitweise bis zu zwei Meter, wie Wassermarken zeigen. Den Grund bilden Wannen und Spalten, die das Wasser und auch gemahlenen Dreck in die Tiefe leiten." Leider seien diese nur wenige Zentimeter groß und ließen ein weiteres Eindringen nicht zu.

Gut besiedelt

Dass der Uhlberg zwischen dem 11. und 15 Jahrhundert gut besiedelt war und vermutlich bereits den Römern und noch früher als Siedlungsplatz diente, ist Rosenbauer zufolge nachvollziehbar. Der verschwundene "Uhlberghof" ist auf einem Lageplan sichtbar und archivalisch belegt. Allerdings werden die letzten Geeimnisse auch im neuen Buch noch nicht gelüftet. Die Weisheit "Eine gelöste Frage wirft zwei neue Fragen auf" gelte auch für den Uhlberg. Hier ist Rosenbauer zufolge die "grabende Wissenschaft" gefragt, die mit besseren Funde die Geschichte des Bergs noch genauer schreiben könnte.

Etwa so könnte die frühe Besiedlung des Uhlbergs nach Arthur Rosenbauers Erkenntnissen einmal ausgesehen haben.

20.12.2020 © Arthur Rosenbauer


Der Treuchtlinger Autor hat sein Buch mit Wandervorschlägen ergänzt, um den Berg und die Umgebung erlebbar zu machen. "Ein schönes Erlebnis war ein Interview mit der letzten Zeitzeugin in Gundelsheim, Walburga Stenzenberger, die die Geschichte um die geheimnisvolle Madonnenfigur von der Uhlbergkapelle und ihren Weg nach Gundelsheim eindrucksvoll erzählte." Nur wenige wüssten, dass ein wertvolles historisches Relikt aus der Kapelle in der Kapelle in nahen Zwerchstraß (südlich von Döckingen) zu finden ist. Das Geheimnis des "Magdalena- Steins" wird ebenfalls im Buch thematisiert und findet eine überraschende Lösung, die mit einer Magdalena nichts zu tun hat.

Die "Weißen Frauen" sind ein Markenzeichen des Uhlbergs und waren Rosenbauer zufolge "die letzten aktiv agierenden Frauen dieser Zunft in ganz Bayern und darüber hinaus". Immer wieder gab es in der jüngeren Vergangenheit Menschen, die nachts eine "Weiße Frau" dort spuken gesehen haben wollen. Natürlich werde in seinem Buch auch dieses Mysterium behandelt und die vielen Sagen und Ungereimtheiten gesammelt. Ebenfalls ein Thema: Die ärgerlichen und zerstörerischen Umtriebe der sogenannten "Satanisten", von deren Existenz unter anderem frisches Blut, vermutlich von Tieren, zeugt, das beim Dreh mit dem BR in der Kapelle entdeckt wurde.

"Eine neue Marke"

Rosenbauer ist sich sicher: "Der Uhlberg wird nach dem Erscheinen des Buchs für den Tourismus eine neue Marke setzen." Erscheinen soll es bereits im kommenden Frühjahr, sobald die Finanzierung gesichert ist. Hier sei noch weitere Unterstützung nötig, da er die Produktion eines Buchs mit rund 250 Seiten und vielen Farbbildern allein nicht stemmen könne.

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Schon jetzt aber biete der Uhlberg, trotz seiner Abgeschiedenheit ein hervorragendes Wandernetz, das unbewusst zu vielen Sehenswürdigkeiten oder nahe daran vorbei führt. Bisher werden sie aber vom Besucher nicht erkannt oder falsch gedeutet, da eine Erklärung fehlt. Was laut Rosenbauer noch fehlt, sind also Infotafeln und eine Beschilderung der Wege. Als Ausgangspunkte dienen die Orte Möhren, Rothenberg/ Zwerchstraß und der Wanderparkplatz in der Nähe des Hagenhofs.

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