Mittwoch, 25.11.2020

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Gundelsheim: Steinbruch richtet "Kinderstube" für Gelbbauchunken ein

Künstliche Pfützen wurden nun eigens für die Amphibien angelegt - 19.11.2020 06:01 Uhr

Beim „Treffpunkt Unkenpfütze“ erläuterte Ideengeber Albin Wessel, wie die Firma SSG die neuen Becken für die Gelbbauchunken im Gundelsheimer Steinbruch herstellt und verwendet.

18.11.2020 © Foto: Landschaftspflegeverband Mittelfranken


Ein unscheinbarer und ein bisschen glitschiger, aber wichtiger und seltener Bewohner der altmühlfränkischen Steinbrüche bekommt im Gundelsheimer Marmorwerk eine eigene Kinderstube: Die Firma Solnhofen Stone Group (SSG) hat eigene "Ersatzpfützen" entwickelt, die Gelbbauchunken als Laichtümpel dienen.

Schon länger ein wichtiges Biotop

Die Region ist die Heimat diverser seltener Amphibienarten wie Gelbbauchunke, Kreuzkröte und Kammmolch. Seit mehreren Jahren werden deren Bestände im Zuge des Projekts "Gefährdete Amphibien im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen" untersucht die Lebensräume kartiert, verbessert oder neu angelegt.

So sieht sie aus, die seltene Gelbbauchunke. Auch auf der Kriegsgräberstätte am Treuchtlinger Nagelberg bevölkern die Amphibien seit vielen Jahren einen künstlichen Bachlauf.

18.11.2020 © Foto: TK-Archiv, Rosenzweig


Zu den wichtigen Biotopen für die Amphibien zählen die Steinbrüche im südlichen Landkreis. Sowohl aktive als auch renaturierte Brüche bieten den Tieren Bedingungen, die sie nur dort vorfinden, wie der Landschaftspflegeverband Mittelfranken in einer Pressemitteilung erklärt. Allerdings beeinträchtige der laufende Steinabbau die Populationen auch, weil zum Beispiel geeignete Flächen und Gewässer überbaut werden oder anderweitig verloren gehen.

Der Klimawandel macht ebenfalls vor den biologischen Nischen in den Steinbrüchen nicht Halt: In den vergangenen Jahren habe die zunehmende Trockenheit dazu geführt, dass die ohnehin schon relativ kurzlebigen Pfützen und Tümpel auf Wegen und in Reifenspuren noch schneller austrocknen, so der Landschaftspflegeverband. Obwohl sich die Kaulquappen der darin laichenden Gelbbauchunke sehr schnell entwickeln, sei die Zeit inzwischen oft zu kurz.

Eine rettende Idee

Dieses Problem ist auch den Steinbruchmitarbeitern nicht verborgen geblieben. Einer von ihnen hat deshalb die Initiative ergriffen: Albin Wessel vom SSG-Werk in Gundelsheim hat eine einfache "Unkenhilfe" erdacht und umgesetzt. Dazu schneidet das Marmorwerk aus nicht benötigten Steinblöcken flache Wasserbecken, die dann an ungenutzten, für die Gelbbauchunke geeigneten Stellen im Steinbruch in den Boden eingesetzt werden. In diesen zusätzlichen Wasserstellen können die Unken und andere Amphibien ungefährdet und ungestört ablaichen.

Bilderstrecke zum Thema

Die Firma SSG: Jurastein aus Solnhofen

Seit 150 Jahren bricht die heutige Solnhofen Stone Group (SSG) unter wechselnden Namen im Süden Altmühlfrankens Jurakalk und Solnhofener Naturstein.


Um die Idee weiteren Steinbruchbetreibern näherzubringen, hatten der Landschaftspflegeverband, die Untere Naturschutzbehörde und die Gebietsbetreuung für naturnahen Steinabbau darüber hinaus kürzlich zum "Treffpunkt Unkenpfütze" eingeladen. Bei dem Ortstermin erläuterten Albin Wessel, Claudia Beckstein vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken und ihr Kollege Adi Geyer vom Eichstätter Verband die Einzelheiten zu Fertigung und Einbau der Becken. Auch verschiedene Musterblöcke und bereits verbaute Becken konnten die Teilnehmer besichtigen.

Neuer Lebensraum für einen seltenen Tümpelbewohner: So sehen die Unken-Steinbecken im Gundelsheimer Marmorwerk im eingebauten Zustand aus.

18.11.2020 © Foto: Landschaftspflegeverband Mittelfranken


"Die Resonanz der teilnehmenden Steinbruchvertreter war durchweg positiv", zieht Claudia Beckstein Bilanz. Weitere Termine für den "Treffpunkt Unkenpfütze" sind für Frühjahr 2021 geplant.

Informationen zur Gelbbauchunke

Die Gelbbauchunke ist ein typischer Bewohner von Bach- und Flussauen, wo sie gern kleine, durch Regen und Hochwasser entstehende Pfützen und Tümpel besiedelt. Auch in vom Menschen geschaffenen "Ersatzbiotopen" wie Fahrzeugspuren und Wassergräben fühlt sie sich wohl, weil dort selten Konkurrenten oder Fressfeinde lauern. Da sich diese zügig erwärmen, entwickeln sich Laich und Larven sehr schnell. Steinbrüchen, Lehm- und Kiesgruben sowie Truppenübungsplätze sind heute typische, menschgemachte Biotope für Gelbbauchunken.

tk/psh

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