Festgottesdienst mit Posaunenchor

Herzen öffnen statt Mauern sprengen

15.7.2021, 06:06 Uhr
Den Festgottesdienst bereicherten die Musiker des Jubelchores von der Empore, beim nachfolgenden Standkonzert fanden sie sich im Altarraum der Markgrafenkirche ein.

Den Festgottesdienst bereicherten die Musiker des Jubelchores von der Empore, beim nachfolgenden Standkonzert fanden sie sich im Altarraum der Markgrafenkirche ein. © Foto: Jürgen Leykamm

Eigentlich hätte das 100-jährige Jubiläum des evangelischen Posaunenchores Treuchtlingen im vergangenen Jahr im Rahmen des Dekanatsposaunenchortags gefeiert werden sollen, was aber Corona verhinderte. Beim jetzigen Ersatztermin hieß es nun kurzfristig umzuplanen, diesmal aufgrund des Regens. Doch alldem hielten die Musiker das entgegen, was sie am besten können: anderen eine Freude zu bereiten und den Schöpfer zu loben. Sollen sie doch, so ist es schon in der Bibel verbrieft, mit ihren Instrumenten vor dem Herrn jauchzen – als Vorboten der ewigen Herrschaft Gottes.

So klang es gleich zu Beginn des Festgottesdienstes in der Markgrafenkirche an. Dorthin zog die Festgemeinde aufgrund der Witterung kurzerhand um – ursprünglich war die Feierlichkeit am Hof des benachbarten Kindergartens angedacht gewesen. In seiner Predigt hob Pfarrer Bastian Müller die hohe Bedeutung des Bläserensembles hervor.

"Er kommt bei allem zum Einsatz, was wir in der Kirche feiern," so der Geistliche – von der Konfirmation bis zur Pfarrerseinführung. In der Bibel würden durch Posaunen allerdings oft Ereignisse ins Rollen gebracht, die Zerstörung mit sich bringen. Neben der Offenbarung nannte der Geistliche die Mauern von Jericho als Beispiel, die der Posaunenklang zu Fall gebracht haben soll.

Zum Finale von Festgottesdienst und Standkonzert entboten die Musiker ihren Bläsergruß.

Zum Finale von Festgottesdienst und Standkonzert entboten die Musiker ihren Bläsergruß. © Foto: Jürgen Leykamm

"Vielleicht haben die Bläser vergessen zu proben", mutmaßte Müller scherzhaft. Allerdings sei es auch jenes Instrument, das auf den letzten Seiten der Bibel im Himmel die Tür zum Herzen Gottes selbst aufstoße.

Auf der Kanzelinschrift im Gotteshaus werde sogar der Prediger ermuntert, seine Stimme wie eine Posaune zu erheben. Denn deren Klang gehe "direkt vom Ohr ins Herz" und sei somit ein "Schlüssel zum Glauben". Ihm selbst beschere etwa jeden Advent das Stück "Tochter Zion" einen "Gänsehautmoment". In den letzten Corona-Monaten habe der Jubelchor gerade mit seinem Spiel vor dem Seniorenzentrum den Bewohnern dort "viel Freude und Liebe gebracht", lobte der Seelsorger.

"Viel Zeit und Herzblut"

Am Volkstrauertag wiederum schenke das Ensemble neue Hoffnung auf Frieden in der Welt. Damit die Musiker selbst die herzensöffnende Wirkung ihres Tuns nicht vergessen, bekamen sie alle einen metallischen Notenschlüssel als Erinnerungsgeschenk: "Mit dem lässt sich nach den Proben auch noch was anderes öffnen", verriet der Pfarrer.

Um die auf der Empore spielenden Adressaten der Grußworte auch sehen zu können, durften deren Sprecher beim Gottesdienst die Kanzel besteigen. Von dort galt das Lob von Bürgermeisterin Kristina Becker dem Posaunenchor als wesentlichen Mitgestalter des kulturellen Lebens in Kirche und Stadt. Chorleiter Raimund Schächer und seine Mitstreiter investierten "viel Zeit und Herzblut" in ihr Engagement. Weitere Grußworte wurden sodann verlesen: Etwa jenes von Philipp Beyhl, Landesobmann der evangelischen Posaunenchöre. Er erinnerte unter anderem an die Chorausflüge nach Oberitalien oder an den Schliersee. Der ehemalige Treuchtlinger Pfarrer Gundolf Schattenmann lobte das "Wirken in den öffentlichen Raum" und Walter Krewin als einer seiner Nachfolger die hier gepflegte "generationenübergreifende Gemeinschaft".

Klassiker und Frankenhymne

Die habe er als langjähriger Teil des Chores selbst erlebt. Ebenso würdigte Katja Weißel als Vertrauensfrau des Kirchenvorstandes den Jubelchor. Bevor es eine echte Uraufführung zu erleben gab: die des von Schächer selbst komponierten Hymnus zum 100-Jährigen. Ein Werk erhabener Klänge, das sich von melodischer Getragen- zu glaubensstarker Entschlossenheit aufschwingt.


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Nach dem Gottesdienst zog der Posaunenchor von der Empore in den Altarraum zum Standkonzert, das eigentlich am Rathausplatz hätte stattfinden sollen. "Aber hier ist die Akustik besser", wusste Schächer der Änderung auch Positives abzugewinnen. Nach diesen Worten zogen zehn Musiker des Ensembles gemeinsam mit sechs Gastbläsern alle Register des gemeinsamen Könnens.

Die Palette reichte von Klassikern wie "Lobet den Herren" über ein irisches Segenslied bis zu "Kein schöner Land" und der Frankenhymne. In Anspielung auf die Predigt durfte auch ein "Josua fit the battle of Jericho" nicht fehlen. Doch diesmal stürzte nichts ein. Im Gegenteil: Beim abschließenden "Amazing grace" wurden die Herzen auferbaut. Wer mehr über den Posaunenchor und sein Jubiläum erfahren will, muss nun nicht mehr lange warten. Im September soll eine entsprechende Festschrift erscheinen.

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