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Hirschberggruppe: Geldsorgen und Comeback für Brunnen in Möhren

Zweckverband muss alte Anlage wieder in Betrieb nehmen – Investitionen kaum noch zu stemmen - 08.02.2019 06:04 Uhr

Das alte Brunnenhaus am Rasthaus bei Möhren hat Ende Februar vorübergehend wieder eine Aufgabe: Die Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum stellt wegen Instandhaltungsarbeiten für acht Tage das Wasser ab, sodass sich der Zweckverband auf seine alte Trinkwasserquelle zurückbesinnen muss. © Patrick Shaw


Für den jetzigen Hilferuf ist die vorübergehende Abschaltung der Fernwasserversorgung nur ein willkommener Anlass. Mit ihr wird der Zweckverband fertig (siehe unten "Zum Thema"). Problematischer sind die zu geringe Größe des Verbands, das im Verhältnis extrem lange und alte Leitungsnetz sowie die für dessen Unterhalt anstehenden Investitionen.

Den Wasserzweckverband Hirschberggruppe leitet (mit Unterbrechung) seit 36 Jahren Johann Kobras, seit 20 Jahren unterstützt von Stellvertreter Friedrich Oswald und Geschäftsführer Gerd Wendler (von links). Im Brunnenhaus in Möhren beraten sie über die vorübergehende Reaktivierung des seit 1999 vom Wassernetz abgehängten Brunnens. © Patrick Shaw


Knapp 43 Kilometer lang ziehen sich die Trinkwasserleitungen der Hirschberggruppe von der Übergabestation bei Höfen nach Westen zum Hochbehälter und weiter über Rehlingen zum Lohhof, nach Nordosten über Haag nach Neufang und zur Schürmühle sowie nach Nordwesten über das alte Brunnenhaus nach Möhren und bis zum Eichhof. 43 Kilometer, die erhalten werden wollen – und die bald 60 Jahre alt sind. „Bei solchen Leitungslängen hat man ständig irgendwo Rohrbrüche und Reparaturen“, sagt Gerd Wendler. Mit rund 30 Prozent sei der Wasserverlust bei der Hirschberggruppe deshalb auch fast viermal so hoch wie bei größeren Zweckverbänden. „Wenn wir ein Leck nicht gleich finden, laufen schnell 300 bis 400 Kubikmeter weg“, so der Geschäftsführer. Das allein sei ein Kostenfaktor.

Hinzu kommt, dass der Verband mit seinen wenigen Hundert Kunden gerade einmal etwa 55.000 Kubikmeter Trinkwasser im Jahr verkauft – Tendenz sinkend, da immer mehr Landwirte eigene Brunnen haben. Damit kommt die Hirschberggruppe auf einen Jahresumsatz von rund 270.000 Euro. Allein die Erneuerung der Leitung in Möhren in den Jahren 2014/15 hat jedoch mehr als 400.000 Euro gekostet, weitere Arbeiten in der Bergstraße in Rehlingen werden demnächst mit ähnlich hohen Ausgaben einhergehen – von der nötigen Digitalisierung der Leitungspläne und dem Bilden von Rücklagen ganz zu schweigen.

Wasser fünfmal so teuer wie andernorts

„Zum Jahresbeginn 2018 haben wir unseren Wasserpreis schon von 2,05 auf 2,60 Euro pro Kubikmeter erhöht“, erläutert Gerd Wendler. Angesichts einer Steigerung des Einspeisungspreises der Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum (WFW) mit Sitz im schwäbischen Genderkingen um 18 Prozent vor zwei Jahren sowie der bevorstehenden Investitionen „müss­te der Preis aber bei fast vier Euro liegen“. Das wäre das Fünffache des landesweiten Durchschnittspreises von 80 Cent pro Kubikmeter.

Rund 42 Meter tief ist der Möhrener Brunnen, über dessen Funktionstüchtigkeit Wasserwart Thomas Schichl wacht. © Patrick Shaw


Vor 20 Jahren stand schon einmal die Zahl 2,60 auf den Rechnungen der Wasserkunden – in D-Mark statt Euro. Damals musste der Verband die Hand wegen des Anschlusses an die WFW aufhalten. Den hatten Wasserwirtschafts- und Landratsamt 1998 angeordnet, da das Wasser aus dem 42 Meter tiefen Brunnen nahe dem Rasthaus südlich von Möhren nicht mehr den gesetzlichen Grenzwerten entsprach. Insbesondere der Atrazinwert war zu hoch. Abnehmern zufolge roch das Wasser auch gelegentlich muffig „nach Erde und Moos“.

Damals entstanden unter der Ägide von Verbandschef Fritz Schamo und Geschäftsführer Erich Frank das Pumpenhaus bei Höfen/Neuherberg, wo die Fernwasserleitung in Richtung Nürnberg verläuft, sowie die Leitung zum 33 Meter höher gelegenen Behälter auf dem „Saukopf“. Gesamtkos­ten: knapp unter einer Million Mark. Im Januar 1999 begann die Hirschberggruppe mit der Einspeisung des Wassers aus dem Donau-Lech-Dreieck.

Der alte Brunnen in Möhren blieb zwar als Notfallreserve erhalten, das ihn umgebende Wasserschutzgebiet wurde aber aufgelöst – aus Sicht der heutigen Verbandsführung ein großer Fehler. „Seither können die Landwirte hier tun was sie wollen“, sagt Gerd Wendler. Rückgängig zu machen sei der Schritt nicht mehr – dafür seien die dann fälligen Entschädigungszahlungen an die Bauern zu hoch. „Und jetzt haben wir die Situation, dass wir den Brunnen wieder brauchen.“

Zweckverbands-Geschäftsführer Gerd Wendler veranschaulicht anhand der alten Landkarte den großen Einzugsbereich der Hirschberggruppe: Oben Möhren, in der Kartenmitte der alte Brunnen am Rasthaus, rechts davon über Wendlers Hand Haag und Neufang, unterhalb der Hand der Hochbehälter am Saukopf, darunter Rehlingen und links davon die Leitung zum Lohhof sowie ganz links am Kartenrand der Eichhof. Fast 43 Kilometer lang ist das gesamte Netz. © Patrick Shaw


Kritik an Kommunen

So waren die Werte bei der ersten Messung für die Wiederinbetriebnahme im vergangenen Jahr auch ziemlich schlecht. „Draußen war alles voll Gülle“, erinnert sich Wendler. Als die alte UV-Bestrahlungsanlage repariert war, habe sich die Wasserqualität jedoch schlagartig verbessert, und das Gesundheitsamt habe sein Okay für die vorübergehende Verwendung gegeben. Allein die Untersuchungen schlagen allerdings laut dem Geschäftsführer mit mehreren Tausend Euro zu Buche, die dem Verband ebenfalls niemand ersetze.

Für das Auffangen der finanziellen Schieflage wären nach Ansicht Wendlers sowie des Verbandschefs Johann Kobras und seines Stellvertreters Friedrich Oswald die Kommunen Treuchtlingen und Langenaltheim zuständig. Schließlich übernehme die Hirschberggruppe deren Aufgabe – „und wenn sie das nicht mehr kann, fällt das auf die Kommunen zurück“. Mit ihren Bürgermeistern sind die Nachbargemeinden auch im Verbandsrat vertreten und „in der Pflicht, das zu regeln“, betont Gerd Wendler. „Bisher sitzen sie es aber offenbar lieber aus.“

Der Arbeitsplatz von Wasserwart Thomas Schichl im Brunnenhaus in Möhren. Das alte Notstromaggregat (links) ist allerdings schon seit Jahren nicht mehr gelaufen. © Patrick Shaw


Auch mit den Treuchtlinger Stadtwerken habe man verhandelt, aber lediglich „ein klares Abwehrangebot erhalten“. Sogar auf das Sitzungsgeld hat das ehrenamtliche Führungstrio bereits zeitweise verzichtet, um Geld zu sparen. Aber zwölf Euro pro Nase und Sitzung machen den Kohl nicht fett.

Was also tun? Immerhin bezuschusst die Regierung Investitionen mit 50 Prozent, wenn diese binnen 30 Jahren die Summe von 1600 Euro pro Einwohner im Verbandsgebiet überschreiten. Davon ist die Hirschberggruppe in den nächsten drei Jahren nur noch etwa 120.000 Euro entfernt, sodass Hoffnung besteht, dass zumindest aus diesem Topf Geld nach Möhren und Rehlingen fließen könnte. „Trotzdem kos­tet uns immer noch jede Investition einen ganzen Jahresumsatz“, gibt Johann Kobras zu bedenken. Ihm zufolge „gehört der Verband deshalb eigentlich aufgelöst und in eine größere Einheit integriert“.

Bis zur Kommunalwahl 2020 will die Zweckverbandsleitung nun „Druck machen“. Dann hören nämlich sowohl Gerd Wendler als Geschäftsführer als auch Johann Kobras als Vorsitzender auf – nach über 20 beziehungsweise rund 37 Jahren. Und sie wollen ihren Nachfolgern einen gesunden Verband hinterlassen.

Zum Thema:

Brunnen statt Fernwasser

Wegen Instandhaltungsarbeiten südlich von Treuchtlingen stellt die Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum (WFW) vom 18. bis 26. Februar die Trinkwasserlieferung an die Hirschberggruppe ein. Dies ist dem  Zweckverband seit einem halben Jahr bekannt, sodass er als Ersatz den alten Brunnen am Möhrener Rasthaus reaktivieren konnte. Aus ihm werden während der achttägigen Abschaltung die Treuchtlinger Ortsteile Möhren und Haag mit Neufang, das zu Langenaltheim gehörende Rehlingen sowie die angeschlossenen Weiler und Höfe beschickt.

Treuchtlingen selbst und die übrigen Ortsteile, die ebenfalls vom WFW beliefert werden, sind nicht betroffen, da sie vom Hochbehälter in Pleinfeld in Gegenrichtung „rückversorgt“ werden können. In Möhren und Umgebung funktioniert das aber nicht, da die Altmühl dazwischen liegt. Laut Hirschberggruppen-Geschäftsführer Gerd Wendler wurde das Möhrener Brunnenwasser mehrfach vom Gesundheitsamt getes­tet, die Qualität sei bis auf eine geringe, ungefährliche Trübung „sehr gut“. Zudem werde das Wasser während der Notversorgung vorsichtshalber leicht gechlort. Die Abnehmer wurden schriftlich informiert. 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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