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Historische Lok dampfte durch Treuchtlingen

Besonderes Fotomotiv für Eisenbahnfans - Früher im Bahnbetriebswerk - 06.09.2017 06:05 Uhr

Die Eilzuglok 41 1150 des Nördlinger Eisenbahnmuseums fuhr vergangene Woche durch Treuchtlingen und hatte neben zahlreichen Eisenbahnfans auch viele Güterwaggons dabei. © Andreas Dollinger


Geschwungene Rundungen und ein elegant grüner Lack zeichnen sie aus, für viele ist es einfach die schönste Dampflok. Die Rede ist von der S 3/6, der bayerischen Schnellzuglok aus der Länderbahnzeit schlechthin. Den Ingenieuren von J. A. Maffei gelang mit ihr vor über 100 Jahren ein ganz großer Wurf, was nicht nur durch diverse Rekorde oder ihrem Spitznamen „Stolz der Bayern“ unterstrichen wurde. Mit 159 Exemplaren wurden von ihr sogar mehr gebaut als von allen anderen vergleichbaren Dampfloks zusammen.

Bis zur Ablösung durch die Baureihe 01 im Jahr 1950 waren auch einige Maschinen im Bahnbetriebswerk (BW) Treuchtlingen beheimatet und brachten es mit Schnellzügen nach Würzburg oder München auf eine Laufleistung von rund 10.000 Kilometer pro Monat. Vielleicht wurde auch deswegen Treuchtlingen zum Ziel gewählt, als die Bundesbahn im Rahmen einer Sonderfahrt am 29. Mai 1965 die nun als Baureihe 18 bezeichneten Loks außer Dienst stellte.

Abschied im Dauerregen

Viele Eisenbahnfreunde blicken bis heute aber eher enttäuscht auf diese Abschiedsfeier zurück und dies nicht nur wegen des Dauerregens. Die Eisenbahner meinten es sicherlich gut und schmückten ihr Dampfross recht überschwänglich mit Blumengirlanden – ein Unding für die sog „Pufferküsser“. Und auch das BW Treuchtlingen lag in seinen letzten Zügen, die meisten Loks waren bereits an andere Bahnbetriebswerke abgegeben worden. Viel zu sehen gab es entsprechend nicht mehr.

1995 gelang es dem Bayerischen Eisenbahnmuseum Nördlingen (BEM), eine der erhalten gebliebenen Maschinen zu erwerben und mit finanzieller Unterstützung des Modellbahnherstellers Märklin zunächst wieder zum Laufen zu bringen. Aufgrund dieser Partnerschaft und der zeitlichen Vorgaben wurden damals allerdings einige Kompromisse bei der Reaktivierung der 18 478 geschlossen. Schon bald zeigte sich, dass deutlich mehr Arbeiten von Nöten gewesen wären. Nachdem dies nun nachgeholt wurden, konnte das BEM Ende August im Rahmen einer Feierstunde mit Ehrengästen aus Politik und Museen die Lok erneut wieder in Betrieb nehmen. Rechtzeitig, denn die Lok 18 478 an sich ist Baujahr 1918 und feiert somit nächstes Jahr ihr Hundertjähriges.

Die Lokomotiven der Baureihe 18 waren bis 1965 im Treuchtlinger Bahnbetriebswerk beheimatet. Die 18 478 (unser Bild) gehört nun zum Inventar des Nördlinger Eisenbahnmuseums. © Andreas Dollinger


Einzelne Komponenten sind sogar noch älter und stammen – wie beispielsweise der Kessel – aus Lokomotiven, die einst in Treuchtlingen stationiert waren. Wie Andreas Braun, Geschäftsführer der zum Museum gehörenden BayernBahn, unterstrich, ist „die beste Erhaltung die Unterhaltung“, sprich eine Lok will gefahren werden. Dies aber gehe schnell ins Geld, eine sechsstellige Summe wurde alleine für die Überholung des Kessels ausgegeben und ebenso viel wurde ins Fahrwerk investiert.

Für einen Museumsverein ist die Reaktivierung einer Lok ein echter Kraftakt und nur dank unzähliger ehrenamtlicher Hände und Arbeitsstunden möglich. Sowohl Arbeitskraft als auch Kapital sind aber nur begrenzt verfügbar, weswegen das Museum nicht alle seine Dampfrösser ständig fahrbereit erhalten kann.

Mit dem Auslaufen der Fristen („Eisenbahn-Tüv“) wird daher auch demnächst die Eilzuglok 41 1150 „Elli“ vorerst aus dem aktiven Museumsdienst scheiden. Unter dem Motto „Abschied einer Lauten – hasta la muerte“ organisierten das BEM und die BayernBahn deswegen zum zweiten Mal ein Plandampf-Event für Eisenbahnfreunde.

Sondereinsatz für die 41er

Ende August wurden diverse planmäßige Güterzüge der BayernBahn im Großraum Nördlingen nicht mit den normal eingesetzten Diesel- und Elektroloks bespannt, sondern die 41er durfte nochmal zeigen was in ihr steckt. Da der Einsatz einer Dampflok natürlich kostspieliger ist als der einer E-Lok, sorgen die Eisenbahnfreunde mit ihren mehrere hundert Euro umfassenden Teilnahmebeiträgen für den finanziellen Ausgleich, bekommen aber natürlich im Gegenzug auch exklusiv detaillierte Fahrplaninformationen ausgehändigt und dürfen einen Blick hinter die Kulissen werfen. Trotz dieses stolzen Betrages kamen über 100 mit Foto- und Videokameras ausgerüstete Enthusiasten aus dem In- und Ausland ins Ries.

Rund 600 Kilometer spulte die Dampflok in den folgenden Tagen ab, zog leere Waggons zur Beladung zu einem Schrotthändler ins Württembergische, Kesselwagen nach Gunzenhausen oder Altmetall nach Donauwörth. Zudem wurden einem Güterzug von Nördlingen über Treuchtlingen nach Gunzenhausen zwei Personenwagen zur Mitfahrt beigestellt, was von vielen Teilnehmern auch genutzt wurde.

Auf der Strecke Nördlingen-Gunzenhausen, wo keinerlei andere Züge behindert wurden, war die sich abwechselnde Lokmannschaft bestehend aus den Lokführern Christian Bomhard, Florian Bühler und Patrick Zeitlmann sowie den Heizern Daniela Buschle, Katharina Heinrich und Markus Willaczek bemüht, die Wünsche der Fotografen und Filmer umzusetzen.

Wie bei der eins­tigen Abschiedsfahrt der Baureihe 18 weinte allerdings auch bei der vorerst letzten Fahrt der 41 1150 der Himmel über Treuchtlingen. Der guten Stimmung tat dies diesmal aber keinen Abbruch, viele Videofilmer sprachen am Ende von einer der besten Plandampf-Veranstaltung der vergangenen Jahre.

Das BEM ist bemüht die 41er weiterhin betriebsfähig zu erhalten, aktuell rechnet man aber mit einem Werkstattaufenthalt, der durchaus zehn Jahre dauern könnte.

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