Donnerstag, 03.12.2020

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"Hotelcharakter": So soll die neue Treuchtlinger Bezirksklinik aussehen

Stadtrat segnet Bebauungsplan für psychosomatische Fachklinik am Ort des alten Stadtkrankenhauses ab - 02.11.2020 06:04 Uhr

Ungefähr so soll die neue psychosomatische Fachklinik des Bezirks Mittelfranken in Treuchtlingen in etwa vier Jahren einmal aussehen – hier die hölzerne und gläserne Ostfassade mit Haupteingang, die entlang der Wettelsheimer Straße das „Gesicht“ des Neubaus sein wird.

01.11.2020 © Grafik: Büro Alkewitz


André Radestock vom Landschaftsarchitekturbüro Alkewitz stellte die Eckpunkte des nach der ersten Präsentation im Mai dieses Jahres nochmals konkretisierten Vorentwurfs im Gremium vor. Die Grundfläche des teils drei-, teils viergeschossigen Flachdachgebäudes gleicht zwei versetzt ineinander geschobenen Rechtecken, die sich in der Mitte jeweils zu einem Innenhof öffnen. Die Hauptfassade hin zur Wettelsheimer Straße (Osten) ist ähnlich lang wie die des alten Stadtkrankenhauses, die beiden kurzen Seiten Richtung Norden und Süden ähnlich breit wie der Nordflügel des jetzigen Krankenhauses tief.

Der Klinik-Neubau im Modell. Das linke der zwei Gebäude rechts unten ist der Lehner-Bäck, das große links oben das Kulturzentrum Forsthaus.

01.11.2020 © Foto: Bezirkskliniken Mittelfranken


Auch in der Höhe gleicht der Neubau durchaus den aktuellen Dimensionen – das fehlende Satteldach macht ihn mit 16 bis 18 Metern sogar etwas niedriger. Hin zur Wettelsheimer Straße und zur Bahnlinie sollen in der neuen Klinik die Therapieräume angeordnet sein, entlang der ruhigeren Westseite Richtung Schlossberg die Patientenzimmer. Diese sollen Platz für 140 Betten bieten, etwa doppelt so viele wie im alten Stadtkrankenhaus.

Generell soll die Einrichtung "weniger Klinik- und eher Hotelcharakter haben", wie Planer André Radestock im Stadtrat erläuterte. Denn im Vergleich zu einem Krankenhaus für rein körperliche (somatische) Erkrankungen ist die Aufenthaltsdauer in einer psychosomatischen Klinik mit durchschnittlich 23 Tagen etwa dreimal so lang. Therapiert werden dort Beschwerden, die sich zwar körperlich niederschlagen, aber einen psychischen Ursprung haben – beispielsweise Burnout, Zwänge, Angst- und Stresssyndrome, Depressionen oder Anpassungsstörungen.

Zu wenig Parkplätze?

Im Außenbereich des 12.500 Quadratmeter großen Grundstücks, das die Stadt nach dem Abriss des ehemaligen Alten- und Pflegeheims sowie einigen Corona-bedingten Verzögerungen im März nächsten Jahres an die Bezirkskliniken als Bauherr und Träger der neuen Einrichtung übergeben will, sollen des Weiteren Therapieflächen, ein Wirtschaftshof und insgesamt 43 Parkplätze entstehen.


Treuchtlingen: Stadtkrankenhaus wird abgerissen


Letztere seien mehr als von der Norm gefordert, betonte Radestock auf die Frage von Altbürgermeister Wolfgang Herrmann (CSU) hin, ob dies nicht zu wenig seien. Er (Herrmann) bezweifle, dass vier von fünf der erwarteten 140 Patienten und 70 Mitarbeiter mit dem Zug zur Arbeit und zur Therapie kommen werden.

Klaus Fackler (UFW) hielt dem entgegen, dass man "nicht immer in alten Reflexen denken und das Auto bevorzugen sollte". Patienten, die mit dem Zug anreisen und in der Region Ausflüge unternehmen möchten, sollten Klinik oder Stadt lieber Leihautos zur Verfügung stellen.


Das Treuchtlinger Krankenhaus ist nun Geschichte


Bürgermeisterin Kristina Becker ergänzte, dass sich die Stadt bereits bei der Flächensparbeauftragten der Regierung von Mittelfranken nach Fördermöglichkeiten für eine (nicht nur für die Fachklinik nutzbare) Tiefgarage oder eine Parkdeck erkundigt habe. Nachdem dies keinen Erfolg hatte, laufe nun über den Landtagsabgeordneten Wolfgang Hauber (FW) eine Anfrage beim Verkehrsministerium. Dass der Freistaat die Kommunen hier nicht mehr unterstütze, sei "ärgerlich, weil ja viele Parkdecks und Tiefgaragen gefordert wurden", um den Flächenfraß zu senken.

Gehweg bleibt, Bäume weichen

Die Zu- und Ausfahrten der neuen Klinik sind an den bereits bestehenden Stellen in der Krankenhausstraße (neben Lehner-Bäck) und in der Oettinger Straße geplant. Quer durch das Krankenhausgelände bleibt ein öffentliches Gehwegerecht als Verbindung zwischen Wettelsheimer und Oettinger Straße bestehen.

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Das Stadtkrankenhaus Treuchtlingen: Ein verlassener Ort

Ende 2018 hat das Stadtkrankenhaus Treuchtlingen geschlossen. Seit dem Frühjahr 2019 werden die Stationen und die Operationssäle ausgeräumt und abgebaut. Ein Blick hinter die Kulissen.


Dem Umweltgedanken wird die neue Klinik mit der weitgehenden Versickerung von Regenwasser und Solarpaneelen auf großen Teilen des (ansonsten begrünten) Dachs gerecht. Als Kompensation für die Bäume im oberen Teil des jetzigen Krankenhausgartens, die für den Neubau weichen müssen, soll es laut Radestock größere Grünflächen in den Therapiebereichen geben. Neben einzelnen Fledermaus-Sichtungen gebe es auf dem Areal aber keine besonderen Artenschutz-Anforderungen.

Aus dem Stadtrat regte Max Böhm (SPD) noch an, die bisher nur zehn Fahrradstellplätze am Haupteingang aufzustocken, um auch das Klinikpersonal zum Radfahren zu animieren. Uwe Linss (CSU) brachte außerdem eine Regenwasserzisterne zur Gartenbewässerung ins Gespräch.


München dreht Geldhahn für Treuchtlinger Klinik auf


Startschuss für den Neubau ist voraussichtlich Ende 2021 oder Anfang 2022, da zuvor noch das alte Stadtkrankenhaus abgerissen werden muss. Die Inbetriebnahme der neuen Klinik hat Bezirkskliniken-Vorstand Dr. Matthias Keilen erst kürzlich für Ende 2024 oder Anfang 2025 in Aussicht gestellt. Insgesamt soll das Projekt knapp 60 Millionen Euro kosten, zwei Drittel davon kommen als Förderung vom Freistaat Bayern.

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Seit über 120 Jahren Teil der Stadt

Gegründet 1898 und mitfinanziert vom einstigen Treuchtlinger Mäzen und Ehrenbürger Elkan Naumburg, hatte das Stadtkrankenhaus nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweise bis zu 124 Betten. Mit der urologischen Abteilung machte es sich über den Landkreis hinaus einen Namen. Da eine vollwertige Klinik für die Stadt aber immer teurer wurde, spezialisierte sich die Einrichtung in den vergangenen 20 Jahren auf die Altersmedizin. Zeitweise gab es eine Partnerschaft mit dem Klinikum Ingolstadt, später übernahmen die Kreiskliniken die Geschäftsführung. Die Probleme wegen der geringen Größe des Hauses blieben jedoch, sodass sich der Stadtrat 2016 für die Schließung entschied. An die Stelle des einstigen Gesundheitszentrums soll in den nächsten Jahren eine Fachklinik für Psychosomatik (Burnout und ähnliche Diagnosen) des Bezirks Mittelfranken treten.

Die Bezirkskliniken veröffentlichen auf ihrer Internetseite Antworten auf Fragen der Bürger und nehmen dort auch Fragen entgegen: www.bezirkskliniken-mfr.de/neubau-treuchtlingen

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