Samstag, 07.12.2019

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In Treuchtlingen "Frauenpower und ein Wunder" erlebt

Nach sechs Jahren als Ortspfarrerin wechselt Sonja Wittmann krankheitsbedingt nach Landhut - 26.11.2019 06:04 Uhr

Vor sechs Jahren wurde Pfarrerin Sonja Wittmann in der Markgrafenkirche als Pfarrerin eingeführt, nun verabschiedete sie sich vor den Mauern des Gotteshauses. © Micha Schneider


Hinter ihr liegen schwierige Monate und Jahre. „2017 kam der große Einbruch“, blickt die Geistliche zurück. Mit einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung kam sie ins Krankenhaus. Die Folgen: vier Wochen Intensivstation, vier Monate Krankenhaus und fünf Wochen Reha. Immer wieder hatte sie mit Rückfällen zu kämpfen, immer wieder musste sie operiert werden. Dass sie überhaupt noch am Leben ist, sei ein kleines ärztliches Wunder. „Wunder und Frauen“, sagt Sonja Wittmann nicht nur deshalb und lacht: So könne man ihre Zeit als Pfarrerin in Treuchtlingen kurz zusammenfassen.

Mit „Frauen“ meint Wittmann „die unglaubliche Frauenpower“, die sie hier erlebt und so noch nicht gekannt habe. Da war die langjährige Vertrauensfrau Lydia Hegner, die sie in all den Jahren immer unterstützt habe. Da war die „sehr gute und enge Zusammenarbeit“ mit Brigitte Stangenberg, der Leiterin des Kindergartens „Unter dem Regenbogen“ und der Krippe „Weidenkörbchen“. Da waren die Frauen im Pfarramt, die Mesnerinnen, die Mitarbeiterinnen der Verwaltungsstelle, die Hausmeisterinnen. Und da war ihre gute Freundin Maria Wagner, die sie vor allem während ihrer schweren Krankheit stets unterstützt habe.

Dankbar für großen Zusammenhalt

Für diesen ungeheuren Zusammenhalt der Frauen sei sie extrem dankbar, betont Wittmann. Und auch dafür, dass ihnen Gott immer neue Türen geöffnet habe, wenn sie einmal an Grenzen gestoßen seien.

An ihre eigenen Grenzen ist Sonja Wittmann ebenfalls manchmal gestoßen. Die ersten drei Jahre vor der Krankheit – seit 2013 – seien gut, aber auch sehr arbeitsintensiv gewesen. Als Pfarrerin sei sie schließlich 24 Stunden an sieben Tagen die Woche „für alles verantwortlich“. 2015 und 2016 hatte Wittmann zusätzlich die Vertretung in den beiden Gemeinden Dettenheim und Graben inne. Auch damit verbindet sie „sehr bereichernde Erfahrungen“.

Ihre neue Aufgabe in Landshut sieht die 53-Jährige nun als Chance, sich gesundheitlich zu stabilisieren. „Ich gehe mit einer gewissen Wehmut und Trauer, weil ich nicht länger bleiben konnte, aber auch mit einer großen Dankbarkeit für all die guten Dinge, die ich hier erleben durfte“, sagt sie. Sie hoffe nun, noch möglichst lange im Dienst für ihre Kirche aktiv sein zu können.

Traumberuf seit der Jugend

Seit 23 Jahren arbeitet Wittmann als Pfarrerin, die Familie der Mutter war einst des Glaubens wegen aus dem Salzburger Land nach Franken emigriert. Schon als 14-jährige Konfirmandin war Sonja Wittmann klar, dass ihre Berufung Pfarrerin ist. „Dieses Gefühl, dass wir wegen des Glaubens die Heimat verlassen haben, war immer da“, sagt sie. Trotzdem ist sie die erste evangelische Pfarrerin in der Familie. Ihr Vater war Ingenieur, die Mutter Außenhandelskauffrau, ihr zwei Jahre jüngerer Bruder ist im Baugeschäft tätig. „Ich bin also schon die Kirchenmaus bei uns“, meint Wittmann und grinst.

Nach dem Abitur absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Diakonischen Werk in Traunstein, das Theologiestudium führte sie anschließend nach Erlangen, Wien, Rom und Heidelberg. Unter der Anleitung einer Mentorin lernte sie ihren heutigen Beruf schließlich in Nürnberg-Langwasser, ehe sie in Erlangen, München, Postbauer-Heng und zuletzt nun in Treuchtlingen als Pfarrerin tätig war.

Eine öffentliche Abschiedsfeier wird es für Wittmann auf eigenen Wunsch nicht geben. An der Markgrafenkirche machte die scheidende Ortspfarrerin vergangene Woche ein letztes Mal Halt für ein Foto. Doch dann war es das wirklich mit Sonja Wittmann und Treuchtlingen – nicht nur eigentlich...

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