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Donnerstag, 22.10.2020

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"Jodlerarchitektur"? So wird künftig in Dietfurt gebaut

Treuchtlinger Stadtrat erlaubt deutlich vielfältigere Baustile im Neubaugebiet "Weitstein II" - 09.10.2020 06:04 Uhr

Die Erschließungsstraße für das neue Dietfurter Baugebiet „Weitstein II“ ist schon fertig, Häuser stehen aber noch keine. Dem „fränkischen Baustil“ mit steilem Satteldach und nur einem Vollgeschoss, der unter den angrenzenden Gebäuden dominiert, müssen die künftigen Bauherren nun aber nicht mehr folgen.

© Patrick Shaw


Immer wieder muss der Treuchtlinger Stadtrat bei Bauanträgen über Befreiungen von den Vorgaben der Bebauungspläne beraten. Auch in der jüngsten Sitzung war die Liste nicht kurz. Für das Dietfurter Baugebiet "Weitstein II" will das Gremium nun einen anderen Weg beschreiten und den dortigen Bebauungsplan so flexibel gestalten, dass Befreiungen nur noch ganz selten erteilt werden müssen. Auf diese Vorgehensweise, der ein entsprechender Antrag der UFW-Fraktion vorangegangen war, einigte sich das Gremium bei einer Gegenstimme.


Bebauungsplan: Welche Dächer dürfen nach Dietfurt?


Die UFW hatten angemahnt, mehr "Bauformen mit zeitgemäßen, unter anderem auch ökologischen Ansprüchen" zuzulassen. Dabei gehe es "nicht um die individuellen Wünsche einzelner Bauwilliger", sondern um die Anpassung des kommunalen Baurechts an die Herausforderungen der Zeit, heißt es in dem Vorstoß. Konkret gebe es "die absurde Situation, dass in Neubaugebieten zum Beispiel Toskana-Häuser oder Häuser im Bauhausstil nicht zugelassen sind, diese aber in Baulücken in Ortslagen ohne Bebauungsplan gebaut werden können, möglicherweise sogar genehmigungsfrei".

Bürgerfreundlich oder vogelwild?

Was nun alles möglich sein wird, stellte Bauamtsmitarbeiter Florian Forster vor. Walm-, Flach- oder versetzte Pultdächer können am Weitstein künftig ebenso verwirklicht werden wie Giebel-, Schlepp- oder Spitzgauben. Dazu gesellt sich ein breites Spektrum an Stilen von Land- und Schwedenhäuser bis hin zum Bauhausstil (dieser allerdings mit Einschränkungen). Diese Entscheidung sei "sachgerecht und bürgerfreundlich", betonte Klaus Fackler (UFW).


Dietfurt: Neubaugebiet sorgt für Unmut


Bürgermeisterin Kristina Becker wertete die Lockerung vor allem als große Erleichterung für die Verwaltung. Ähnlich sieht dies Uwe Linss (CSU) – man habe den Befreiungsanträgen bisher ohnehin stets zugestimmt. So wird der bürokratische Weg für Bauherren künftig um einiges kürzer. Lediglich Altbürgermeister Wolfgang Herrmann (CSU) wollten die Neuerungen nicht schmecken. "Mir gefällt das nicht", widersprach er. Ihm sei mit der Aufweichung "zu viel Jodlerarchitektur" im Spiel. Seine Gegenstimme blieb allerdings die einzige.

JÜRGEN LEYKAMM E-Mail

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