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Montag, 20.05.2019

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Juso-Chefin Krammer rockt Starkbierfest in Auernheim

„Kluft trennt Arm und Reich, nicht Jung und Alt“ - Lokale Spitzen von „Frankonia“ Anette Pappler - 27.03.2019 06:04 Uhr

Vor "Frankonias" spitzer Zunge wa­ren beim Starkbierfest der Treuchtlinger SPD in Auernheim we­der Trump noch Treuchtlinger sicher. © Patrick Shaw


Der Schwung, den die beiden starken Frauen sowie SPD-Stadtratsmitglied Stefan Fischer in die mit über 100 Starkbierfreunden außergewöhnlich gut gefüllte „Bude“ brachten, ließ beinahe vergessen, welche Umfragewerte die Sozialdemokraten derzeit im Land erzielen – und ohnehin schon immer in dem tiefschwarzen Hahnenkammdorf, wie Kreisvorsitzender Harald Dösel im Vorfeld leicht frustriert bemerkte. Umso bemerkenswerter waren Zuspruch und Stimmung für Bürgermeister Werner Baum, Bezirkstagsvizepräsidentin Christa Naaß, Ex-Landtagskandidat Norbert Ringler und etliche weitere lokale SPD-Größen im Publikum.

Während Fischer und Krammer den „bierernsten“ Part des politischen Abends übernahmen (siehe unten), näherte sich die „Frankonia“ alias Anette Pappler gewohnt augenzwinkernd mit Reimen des Schambacher SPD-Urgesteins Peter Salisch den Zwischen- und Unfällen der großen und kleinen Politik. Ob Präsident Trump („Deutsche Autos nun sollen bedroh’n, die Sicherheit der US-Nation“) oder seine Kollegen Putin und Erdogan („Macht keinen Urlaub in der Türkei, sonst seid Ihr ganz schnell nicht mehr frei“), ob Angela Merkel („wäre bei der SPD besser aufgehoben“), Markus Söder oder das bayerische „Trio Infernale“ Seehofer, Scheuer und Dobrindt („Sie meinten dem Horst nach dem Mund zu reden, doch gingen nur die Wählerstimmen flöten“) – jeder bekam sein Fett weg. Nicht zu vergessen die AfD, der die (altmühl-)fränkische Schutzheilige eine Europapolitik bescheinigte, „wie wenn Vegetarier auf die Jagd gehen“.

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Juso-Chefin trifft Frankonia beim Starkbierfest der SPD in Auernheim

Beim Starkbierfest der Treuchtlinger SPD in Auernheim hatten heuer die Frauen das Sagen: Anette Pappler als „Frankonia“ und Juso-Landesvorsitzende Stefanie Krammer servierten zusammen mit Stadtratsmitglied Stefan Fischer zum starken Bier mindestens ebenso starke politische Reden und unterhaltsame Spitzen.


Auf regionaler Ebene brauchten derweil der zerstrittene Weißenburger Stadtrat, das vom Auernheimer Pfarrer clever umgangene Denkmalamt und die erfolglosen Jäger des kürzlich im Schambachtal ausgebüxten Schafes „Emma“ für den Spott nicht zu sorgen. Viel Gelächter gab es auch über Frankonias amüsierten Blick auf den Jugendlichen, der in Möhren beim Reparieren seines Rollers das elterliche Wohnzimmer abgefackelt hatte, auf den Irrtum beim Dettenheimer Kirchweihtermin und auf das Bayern-3-Dorffest, das doch sicher nur durch Bestechung nach Bubenheim gekommen sei. In Treuchtlingen nahm Pappler schließlich noch genüsslich den Baustopp an der Senefelder-Schule („so wie in Berlin der BER“), den Aufstieg des ESV („Wie haben die Blinden das denn getan?“) sowie die Therme und den neuen Wallmüllerplatz („Musst Du im Freibad fürs Wasser löhnen, kannst Du ihm am Walli kostenlos fröhnen“) auf die Schippe.

Zünftige Musik lieferte dazu das Bläserquintett „Brassperiment“. Lediglich Rathauschef Werner Baum dämpfte am Ende die Bierseligkeit etwas, indem er nicht ebenfalls ins lokalpolitische Horn stieß, sondern sehr ernsthaft auf die am letzten Maiwochenende bevorstehende Europawahl hinwies. Die Zeit der geschlossenen Grenzen sei glücklicherweise überwunden und es gelte, die EU gegen alle Salvinis, Orbans, Le Pens und Gaulands zu verteidigen, „die sie zerstören wollen“. Als Friedensprojekt sei Europa für Deutschland in dessen Mitte besonders wichtig. „Deshalb wählt bitte am 26. Mai demokratisch!“, so Baum.

Grundrente: Keine Frage von jung oder alt

Kämpferisch und pointiert: Die Juso-Landesvorsitzende Stefanie Krammer stammt aus Pappenheim. © Patrick Shaw


Mit lila Kleid, roten Schuhen und roten Strümpfen nicht zu übersehen war beim Starkbierfest der SPD in Auernheim Bayerns Juso-Landesvorsitzende Stefanie Krammer. Aufgefallen ist sie mit ihren „roten“ Positionen freilich schon vor 16 Jahren, als die damals 15-jährige Tochter des ehemaligen Pappenheimer Bürgermeisters Peter Krauß die Treuchtlinger Juso-Gruppe mitgründete.

„Ich wollte schon damals nichts machen, nur weil es schon immer so war“, sagt die studierte Politikwissenschaftlerin. Mit der SPD wollte sie „die Welt verändern, oder zumindest Bayern“. Ist sie also angesichts des Absturzes der Sozialdemokraten in der Wählergunst gescheitert?

„Nein, denn die CSU hat heute keine absolute Mehrheit mehr.“ Das immerhin ist in Krammers Augen ein Erfolg, glaubten die Christsozialen doch, „dass Franz Josef Strauß den Chiemsee ausgehoben, die Alpen aufgeschüttet und den Freistaat Bayern erfunden hat“. Letzteres sei jedoch der Sozialist und Revolutionär Kurt Eisner gewesen. Dass dessen Tod für die Demokratie Minis­terpräsident Markus Söder im Jubiläumsjahr des Freistaats keine Erwähnung wert war, dieser aber den Nachfahren der Wittelsbacher Könige, Herzog Max Emanuel, mit „königliche Hoheit“ angesprochen habe, „als wolle er sich für die Abschaffung der Monarchie entschuldigen“, ist für die Juso-Landeschefin „eine Schande“.

Ähnlich hart ging Krammer mit der Umweltpolitik der Konservativen ins Gericht. Die aktuellen Schülerproteste halte sie für wichtig und richtig – gerade während der Unterrichtszeit: „Sonst fällt’s ja nicht auf. Das ist keine Demo, sondern ein Streik, und Streiks sind mir als Sozialdemokratin sympathisch.“ Dass die CSU den Klimaschutz daraufhin in die Verfassung schreiben wollte, obwohl er dort schon längst verankert ist, ärgert die 31-Jährige umso mehr: „Wollen die uns verarschen?!“ Die CSU glaube offenbar, „wenn wir was in die Verfassung schreiben, dann passiert’s auch. Dann sagt der Nordpol zum Südpol: Hey, wir müssen jetzt aufhören zu schmelzen!“

Dasselbe Prinzip verfolgt München laut Krammer auch bei der Digitalisierung, etwa in Sachen Mobilfunkabdeckung, bei der „Deutschland in Europa auf Platz 32 liegt, hinter Albanien.“ Der Applaus der diesbezüglich leidgeprüften Auernheimer war der Rednerin an dieser Stelle gewiss.

Über Absurditäten beim neuen Berufsbildungsgesetz („keine Ahnung von Brutto und Netto“) landete Krammer schließlich beim Thema Grundrente. „Es kotzt uns an, dass Konservative und Liberale hier versuchen, Jung gegen Alt auszuspielen. Für uns verläuft die Kluft nicht zwischen Jung und Alt, sondern zwischen Arm und Reich“, so die Juso-Landeschefin. Die Grundrente würde den Staat ihr zufolge jährlich fünf bis sechs Milliarden Euro kosten, die von der Union geforderte Abschaffung des Solidaritätszuschlags, von der gerade Besserverdiener profitieren würden, mehr als elf Milliarden.

Eine Bedürftigkeitsprüfung dürfe es dabei freilich „aus Respekt vor der Lebensleistung der Menschen nicht geben“. Und wenn dann auch die von der CSU zitierte „reiche Zahnarztgattin“ die Grundrente bekomme? „Dann kann sie sich ja vielleicht endlich scheiden lassen, wenn sie nicht mehr vom Einkommen ihres Ehemanns abhängig ist“, so Krammer – was ihr lautstarke „Bravo!“-Rufe einbrachte.

Treuchtlinger Überraschungen

Stadtratsmitglied und Ex-Ortsvorsitzender Stefan Fischer ließ wenig Gutes am politischen Gegner im Treuchtlinger Stadtparlament. © Patrick Shaw


Auf die Treuchtlinger Kommunalpolitik blickte Ex-Ortsvorsitzender und Stadtratsmitglied Stefan Fischer beim Starkbierfest der SPD in Auernheim und skizzierte so manche „Überraschung“. Überraschend sei für ihn zum Beispiel, dass sich der einstige Bürgermeisterkandidat der „Fenster-Fraktion im Stadtrat“ kaum noch „mit salomonischen Einwänden in die Debatten einmischt“. Dies ändere aber nichts daran, dass die CSU nach wie vor „nur verwalten will“ und kritisiere, ohne Alternativen zu benennen, statt die Stadt voranzubringen und dafür auch Geld in die Hand zu nehmen.

„Viel Bauchgrimmen, Fremdwörter und Wiederholungen“ bescheinigte Fischer auch der (eigentlich der SPD näher als der CSU stehenden) UFWG, deren Unabhängigkeit angesichts der Zugehörigkeit zur FW-Kreistragsfraktion wohl beim neuen Namen ende. Interessiert zeigte er sich allerdings daran, ob es hier „beim Bürgermeis­terkandidaten vielleicht eine Überraschung gibt“.

Eher verwunderte ist Fischer darüber, „mit welchen Themen manche Leute ankommen“ – ob Lärmbeschwerden von Bürgern, die gar nicht in der Stadt leben, rein vom persönlichen Geschmack getriebene Klagen über die Architektur oder Einwände gegen Discounter, „obwohl die Mehrheit dort einkauft“. Bürgerschelte? Vielleicht, aber durchaus pointiert. Mit den Erfolgen der Treuchlinger SPD wolle er sich indes nicht befassen, so Fischer – bevor er diese dann alle minutiös aufzählte.

Viel Applaus gab es schließlich für Fischers Appell, „keine Egoisten und Demokratie­feinde“ zu wählen. Dies seien „keine Alternativen in der Politik und im Leben“, so seine klare Absage an die AfD. 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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