Anno 793

Karlsgraben-Ausstellung in Treuchtlingen eröffnet

10.7.2021, 06:00 Uhr
Teil der Ausstellung ist auch eine uralte Prahm, wie sie zur Schiffsfahrt zur damaligen Zeit benutzt worden ist.

Teil der Ausstellung ist auch eine uralte Prahm, wie sie zur Schiffsfahrt zur damaligen Zeit benutzt worden ist. © Milena Kühnlein, NN

Wenn Prof. Dr. Sebastian Sommer von „seinem“ Karlsgraben spricht, dann klingt es beinahe so, als wären sie lange Freunde. „Ich liebe ihn“, sagt er voller Inbrunst – und muss dann selbst über sich lachen.

Dr. Sommer ist Landeskonservator vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und bezeichnet den Karlsgraben als sein „Lieblings-Boden-Denkmal“ in Bayern. Anlass für diese Liebeserklärung war die Eröffnung der aktualisierten Karlsgraben-Ausstellung im Museum Treuchtlingen im Hof & Museumscafé am 7. Juli.

Exponate rund um die Themen „Bahn“ und „Karlsgraben“ laden zum Museumsbesuch ein. Außenfiguren weisen nun auf die Inhalte der Ausstellungen hin. 

Exponate rund um die Themen „Bahn“ und „Karlsgraben“ laden zum Museumsbesuch ein. Außenfiguren weisen nun auf die Inhalte der Ausstellungen hin.  © Museum Treuchtlingen, NN

Rund 50 Menschen sind gekommen und wollten sehen, wie die Forschungsergebnisse zu dieser geologisch-historischen Besonderheit dargestellt wurden. Vorab richteten allerdings Bürgermeisterin Kristina Becker und Dr. Stefanie Berg, die Referatsleiterin vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, einige Worte an die Besucher.

Insbesondere Frau Berg wurde in der Ansprache gedankt, denn sie war es, die sich dafür einsetzte, dass die am Karlsgraben geborgenen Eichenbohlen konserviert wurden, die seit Anfang 2021 im Museum Treuchtlingen aufbewahrt werden (wir berichteten im Rahmen der Serie „Anno 793“ am 18. Mai). Im Museum Treuchtlingen werden diese historischen Hölzer nun erstmalig öffentlich ausgestellt.

Außerdem ist eine künstlerische Nachbildung des Throns von Karl dem Großen von Uli Seidler als Leihgabe zu bestaunen. In passendes Gewand gehüllt, musizierten die Weißenburger Stadtpfeifer bei der feierlichen Eröffnung und sorgten so für einen gedanklichen Ausflug in mittelalterliche Zeiten.

Zwei Ausstellungen zu einer zusammengeführt

Doch, was ist eigentlich noch neu? Die Ausstellung „Baustelle 793“ des Römisch-Germanischen-Zentralmuseums Mainz wurde mit den Exponaten der Karlsgraben-Ausstellung der Familie Hüttinger zusammengeführt. So erwartet die Besucher nun eine umfassende Gesamtausstellung rund um den Karlsgraben.

Der Karlsgraben ist deshalb für so viele Menschen faszinierend, weil die Forschung um und über ihn Disziplinen der Geographie, Geschichte, Ingenieurwesen und noch vielen weiteren vereint. In einem zusammengeschnittenen Video geben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Endergebnisse aus Sicht ihrer jeweiligen Fachgebiete bekannt.

Dabei sind unter anderem Prof. Dr. Christoph Zielhofer, Universitätsprofessor am Lehrstuhl für Physische Geographie in Leipzig oder Dr. Sven Linzen vom Leibnitz-Institut für Photonische Technologien in Jena zu hören. Diese spannenden Einblicke in die wissenschaftliche Forschung rund um die mittelalterliche Großbaustelle sind alle mal einen Besuch wert. Vielleicht springt nach dem Besuch dieser umfassenden Ausstellung auch beim ein oder anderen Besucher noch ein Funke Liebe für das Kulturdenkmal über.