Sonntag, 11.04.2021

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Keine Flaschen fürs Weihnachtsbier? Brauerei von Reaktion überwältigt

Nach Aufruf verzeichnet Brauerei Strauß 30 Prozent mehr Leergut-Rücklauf - 02.12.2020 06:02 Uhr

Der Juniorchef der Brauerei Strauß ist selbst überrascht, wie extrem die Resonanz auf seinen Facebook-Post ausgefallen ist. Schon jetzt, fünf Tage später, registriert er etwa 30 Prozent mehr Rückgaben als zuvor.

01.12.2020 © Foto: Lidia Piechulek


Franken ist ein Land der Biertrinker. Das weiß Jochen Engelhardt, der der Juniorchef der Brauerei Strauß in Wettelsheim ist. Das Brauhaus, das es seit 1797 gibt, ist regional und überregional bekannt dafür, als einziges noch Bier in selbstgepichten urigen Holzfässern zu verkaufen. Normalerweise ist das der Hit, doch stehen die Fässer schon länger weitestgehend unberührt im Wettelsheimer Bierkeller.

Warum? "Selbst die Zehn-Liter-Fässer sind zu groß für zwei Haushalte", der maximal erlaubten Anzahl, die gemäß aktueller Corona-Bestimmungen in privaten Räumen zusammenkommen dürfen, erklärt der Braumeister. Größere Fässer werden ebenfalls nicht gebraucht, denn die verkauft Strauß normalerweise an Gastronomien – die aber bekanntlich seit dem 2. November geschlossen sind.

Aufruf wurde 570 Mal geteilt

Ganz anders sieht es da bei den Flaschen aus, bei denen Strauß derzeit ein Umsatzwachstum von 20 bis 30 Prozent verzeichnet. Beinahe könne das sogar die Einbußen im Bierfass-Segment ausgleichen, erklärt der Wettelsheimer. Komplett sorgenfrei lebt es sich derzeit aber nicht: Denn seit einigen Wochen gehen ihm die Bierflaschen und insbesondere Bierkisten aus. Der Grund: Zu wenige geben ihr Leergut dieser Tage zurück.

Die Ursachen sind vielfältig, erklärt er. Seiner Meinung nach habe sich das Kaufverhalten der meisten von Grund auf geändert: Man kauft weniger oft ein, dafür mehr auf Vorrat. Ein Umstand, der nicht nur bei Grundnahrungsmitteln zu greifen scheint, sondern auch bei den – ist es für manche etwa doch ein Grundnahrungsmittel? – Bierflaschen. Kunden, die sonst nur eine Kiste gekauft haben, kaufen mittlerweile zwei oder drei, allerdings kommen die Flaschen erst zurück, wenn der gesamte Vorrat ausgetrunken ist.

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Am Wochenende startete die Brauerei nun einen Aufruf auf Facebook und inserierte zeitgleich im Treuchtlinger Kurier – in letzte Minute, gewissermaßen. Denn in der Brauerei herrscht jetzt schon ein Mangel an Flaschen und Kisten, um das Weihnachtsbier abzufüllen. Das malzarmoatische Starkbier hat viele Fans und das Geschäft damit ist extrem wichtig, denn der Dezember ist für die Brauerei genauso wichtig wie der Monat August. Viele Kunden kauften Weihnachtsbier bereits im Advent zusätzlich zum normalen Bier ein, erklärt der Juniorchef: "Sie trinken es aber erfahrungsgemäß erst an den Weihnachtsfeiertagen."


Ganzjährig gebraut: Ein neues Bier für Weißenburg


Am Freitagnachmittag setzte Engelhardt einen Facebook-Aufruf ab, mit der Bitte, Flaschen und Kisten möglichst bald zurückzubringen. Die Resonanz dazu war "scho Wahnsinn", findet er: Sein Beitrag wurde bis Dienstagmittag, 14 Uhr, insgesamt 570 Mal geteilt. "Viele haben mir Beweisfotos von ihren Kisten geschickt und zugesichert, diese möglichst bald zurückzubringen", erklärt der Braumeister lachend. Zahlreiche Vereinsheime haben ihm ebenfalls geschrieben und erklärt, er könne eine Vielzahl an Kisten abholen, die aktuell in den Räumlichkeiten lagerten, während die Vereine selbst nicht zusammenkommen dürfen. Man merkt: Wenn der Verkauf des Weihnachtsbiers auf der Kippe steht, mobilisieren sich die Massen.

Zu wenig Pfand auf Kisten

Laut Engelhardt hat sich allein in der Wettelsheimer Brauerei am Wochenende die Menge an zurückgebrachtem Leergut verdoppelt. An den Marktkauf in Weißenburg hat er am gestrigen Dienstag neue Bierflaschen ausgeliefert und sein Leergut zurückbekommen – und zwar etwa 30 Prozent mehr als sonst. In den übrigen Getränkemärkten im Landkreis wird Engelhardt erst in den nächsten Tagen vorbeifahren, um so den Effekt seines Aufrufs überprüfen zu können.

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Dem 46-Jährigen ist es ein Anliegen, auf die allgemeine Problematik des Pfandsystems hinzuweisen: Er ist sich sicher, dass alle kleinen Brauereien derzeit mit dem Flaschenmangel zu kämpfen haben. Niemand sei für den ansteigenden Bedarf an Flaschen und Kisten durch die Corona-Pandemie und den Lockdown gewappnet gewesen.

Er selbst hat im Oktober Kisten nachgeordert, allerdings kommen die Produzenten der Bierkisten bei diesem aktuellen Andrang auch nicht hinterher. "Erst in acht Monaten sind die zusätzlichen Kisten da", erklärt Engelhardt stirnrunzelnd. Er kritisiert schon lange, dass das Pfand für eine Kiste Leergut mit 3,10 Euro zu gering bemessen ist. Würde man die Preise auf sechs oder zehn Euro pro Kiste anheben, hätten die Verbraucher auch einen größeren Anreiz, diese zeitnah oder überhaupt zurückzubringen.

Der Verband privater Brauereien versucht schon länger die Anhebung des Kistenpfandes durchzusetzen. Allerdings scheitert es immer wieder daran, dass sich große und kleine Brauereien in der Sache nicht einig werden – oder die Großen schlichtweg keinen Grund für eine Anhebung sehen, weil sie weniger stark betroffen sind.

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© Achim Bergmann

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Frage 1/10:

Silberner Brauerstern auf Hellblau. Wer ist's?

Die Brauerei Wagner aus Merkendorf, erstmals erwähnt 1797. Rund um Bamberg wird das Wagner sehr geschätzt, besonders das ungespundete Lager und das naturtrübe Kellerbier.

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Frage 2/10:

Diese Kirchtürme deckeln welches Bier?

Brauerei Trunk aus Vierzehnheiligen/Bad Staffelstein, der gute Stoff wird auch Nothelfer genannt. Nothelfer? Die Erklärung ist einleuchtend: Seit 1803 wird das Bier oberhalb der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen gebraut. Und wenn die erschöpften Pilger seit jeher oberhalb des Gotteshauses aus dem nahen Wald kommen, stärken sich nicht wenige erst mal mit einem kühlen Bier, bevor sie dann die Kirche betreten.

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Frage 3/10:

Nicht verkehrt, mit Schild und Schwert.

Seit über 300 Jahren in Familienbesitz zählt Held aus Oberailsfeld schon zu den bekannteren Privatbrauereien in der Region. Besonders das Helle ist beliebt. Seit 1680 wird hier schon gebraut.

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Frage 4/10:

Hier springt der Hirsch - auf welche Brauerei?

1845 übernahm der Müllerssohn Johannes Kraus das damalige "Wirtschaftsguth" in Hirschaid - und seither ist die Brauereigaststätte ohne Unterbrechung im Besitz der Familie.

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Frage 5/10:

Ein grüner Baum, wo steht der?

"Zum Grünen Baum" heißt der Brauereigasthof der Familie Bayer aus Theinheim im Steigerwald. Gefeiert wird hier oft, unlängst erst ein runder Geburtstag: Seit 1718 wird hier schon gebraut.

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Frage 6/10:

Ein bunter Vogel - auf welchem Bier sitzt er?

"Zum Pfau!", heißt es öfter, wenn es nach Frauendorf geht. Seit 1867 ist die Familie Hetzel Herr über die dort ansässige Brauerei.

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Frage 7/10:

Der Zwerg vom Berg, wo braut er sein Bier?

Der markante Zwerg stammt von der Staffelberg-Bräu aus Loffeld. In der sechsten Generation, seit 1856, führt die Familie Geldner-Wehrfritz dort die Brauerei. Zehn Jahre später, 1866, ließ Jakob Geldner ein eigenes Brauhaus folgen, nochmals zehn Jahre später dann eine eigene Faßhalle.

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Frage 8/10:

Raubtier mit Schild und Krone. Wer ist's?

In Untersiemau/Birkach wird seit 1822 das "Eller" gebraut. Als beliebtestes gilt das Rotbier, Christian Eller braut aber auch ein süffiges Pils.

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Frage 9/10:

Schwarzer Adler, wer hat sich den gekrallt?

Adler-Bräu aus Stettfeld ist inmitten der unterfränkischen Haßberge daheim - und das schon seit 1730. Bräustübla, Biergarten, Sudhaus und sogar einen "Bärentrunk" gibt's hier.

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Frage 10/10:

Weißer Löwe - wo kommt der her?

Hier sind Wirths-Leute am Werk! Die nun schon 9. und 10. Generation der Familie Wirth führt das Löwenbräu. Natürlich nicht zu verwechseln mit dem Münchner! "Unser" Löwenbräu stammt aus Neuhaus im Aischgrund und das schon seit 1747. Im Sortiment gibt es hier mehrere Löwen und sogar eine "Karpfen Weisse".

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Dann hier entlang!


Franken ist die Heimat des Bieres. Kein Wunder, denn die Region wartet mit der höchsten Brauereidichte Europas auf. Rund 300 Brauereien in Mittel-, Ober- und Unterfranken schaffen eine einzigartige Biervielfalt.

Alle Neuigkeiten und Wissenswertes zum fränkischen Bier finden Sie auch in der Facebook-Gruppe Wir lieben Bier aus Franken. In unserem Brauerei-Guide können Sie herausfinden, wer Ihre Lieblings-Biersorte ausschenkt.

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