Donnerstag, 03.12.2020

|

Keine Gefährdung? Ausschuss lehnt Felssicherung in Dietfurt ab

Der Vorschlag wurde mit sechs zu fünf Stimmen abgelehnt - 20.10.2020 06:01 Uhr

Johannes Musiol (links) zeigte vor Ort die Gefahrenstellen entlang der Felsformationen und deutete erste mögliche Sicherungsmaßnahmen an. Um konkreten Pläne zu erhalten und Kosten abzuschätzen, müsste die Stadt weiteres Geld in die Hand nehmen.

19.10.2020 © Foto: Lidia Piechulek


Inmitten von nassem Laub und quer gelegten Bäumen stellte sich der Bau- und Verkehrsausschuss des Treuchtlinger Stadtrats den Tatsachen. Eine Felsformation, knapp 30 Meter abseits des Wanderweges unterhalb des Dietfurter Sommerhauses gelegen, die kann ganz schön gefährlich werden.

Beziehungsweise könnte sie das, zumindest rein theoretisch. Bisher ist noch niemand verletzt worden. Niemand erinnert sich an einen herabfallenden Stein, auch nicht die Anwohner, die einige hundert Meter am Fuße des Hangs leben.

Auch Treuchtlingens Bürgermeister Kristina Becker war in Dietfurt vor Ort, um sich ein Bild von der Gefährdungslage unterhalb des Sommerhauses zu verschaffen.

19.10.2020 © Lidia Piechulek


Bürgermeisterin Kristina Becker informierte die Ausschussmitglieder bei einem Ortstermin über die Gespräche mit den Anwohnern, Johannes Musiol über seine Einschätzung der Gefährdungslage aus fachlicher Sicht. Das Fazit: Wie akut die Gefahr ist, lässt sich kaum abschätzen. Denn: "Ob sich in einem Jahr oder in 100 Jahren ein größerer Brocken vom Felsen löst, ist nicht vorhersehbar", betont Musiol.

Zeitgleich kommt sein Unternehmen, das Ingenieurbüro KP aus Gunzenhausen, in den Untersuchungen zu einem Schluss, der die Verwaltung zum Handeln zwingt: Eine Gefährdungslage sei nicht auszuschließen, lediglich der Zeitpunkt liege im Unklaren. Die Verwaltung sei demnach zum Handeln verpflichtet, erklärt Bauamtsleiter Jürgen Herbst. Wenn jemand zu Schaden käme, hafte die Stadt. Und dass einzelne Steine in der Vergangenheit durchaus ihren Weg in Richtung Tal nahmen, zeigt ein Blick auf den Hang unmittelbar unterhalb der Felsformation: Dort liegen sie vereinzelt und teilweise mit Moos bedeckt, unter dem Herbstlaub sind sie derzeit kaum sichtbar.

Vor Jahren hatte man hier größere Baumstämme quer zum Hang ausgelegt, welche die herabfallenden Steine bisher zuverlässig stoppten. Mittlerweile sind die Barrieren jedoch teilweise morsch geworden und müssten nach Einschätzung des Ingenieurbüros ersetzt werden. An manchen Stellen haben Bäume innerhalb der Felsen Wurzeln geschlagen, die auf das Gestein zusätzlichen Druck ausüben.

Gerechtfertigte Kosten?

Der Ausschuss sollte nun entscheiden, ob die Stadt 10 000 Euro in die Beauftragung des Ingenieurbüros und weiterer Spezialunternehmen investiert, um unter anderem herauszufinden, ob die Felssicherung langfristig verbessert werden muss. Die Firmen würden dann beauftragt, um die Bäume, die derzeit auf den Felsen wachsen, fachgerecht zu entfernen, das Geröll vom Hang zu räumen und weitere Stämme quer auszulegen, die die Felsen auf ihrem Weg nach unten aufhalten könnten. Darüber hinaus würde festgestellt, ob weitere Sicherungsmaßnahmen nötig sind, sowie die Kosten dafür berechnet.

Unter den Felsen liegen viele kleinere und größere Steine, die sich vor längerer Zeit vom Felsen gelöst haben.

19.10.2020 © Lidia Piechulek


CSU-Fraktionschef Uwe Linss lehnte das unumwunden ab. Er sei nach der Inaugenscheinnahme zu dem Schluss gelangt, dass "keine akute Gefahr" bestehe. Würde man im gesamten Stadtgebiet "alles absichern, so würde man arm", erklärte er. TBL-Fraktionsvorsitzender Hans König befand ebenfalls, dass seiner Meinung nach der Sicherungspflicht genüge getan sei, wenn man einmal im Halbjahr jemanden zu den Felsen schicke, um sich des aktuellen Zustands zu vergewissern.

An diesem Punkt schieden sich jedoch die Geister. So warf Stefan Biber (CSU) ein, dass es in seinen Augen sinnvoll sei, zumindest ein auf Felssicherung spezialisiertes Büro zu beauftragen – die Kommune stehe schließlich in der Verantwortung, wenn doch etwas passiere.

Stefan Fischer (SPD) pflichtete ihm bei: "Wir sehen zwar keine Gefahr, sind aber auch Laien", betonte er. Manfred Kreß (UFW) warf indessen ein, dass Gefahr und Kosten bei dieser Maßnahme in keinerlei Verhältnis stünden.

Sechs Stimmen dagegen

Am Ende lehnte der Ausschuss den Beschlussentwurf mit sechs zu fünf Stimmen ab. Nun ist es an den Mitarbeitern des Bauhofs, Räumungsarbeiten zu erledigen und die unmittelbar auf den Steinen und in Steinspalten wachsenden Bäume notdürftig zurückzuschneiden.

Jürgen Herbst appellierte bereits in der Sitzung an die Versammelten, man könne "eine Gefahr nicht einfach wegbeschließen". Die Kenntnis über eine – wenn auch recht unkonkrete – Gefährdungslage verpflichte die Verwaltung zum Handeln.

Doch sein Appell blieb ungehört. Gegenüber dem Treuchtlinger Kurier erklärte der Bauamtsleiter anschließend, dass das Thema für ihn noch nicht vom Tisch sei. Der aktuelle Beschluss der Stadtratsmitglieder sei schlichtweg nicht tragbar.

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Treuchtlingen, Dietfurt