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Kitas öffnen wieder: Extreme Belastung für Erzieherinnen

Sorgen um die Hygienestandards - Abstand ist nicht möglich - 22.02.2021 06:01 Uhr

Am 22. Februar nehmen die Kitas in Bayern wieder ihren Regelbetrieb auf. 

26.01.2021 © Monika Skolimowska / dpa


Seit heute gilt in den bayerischen Kitas wieder der Regelbetrieb. Die Leiterin des städtischen Kindergartens in Treuchtlingen, Gisela Meyer, ist darüber sowohl froh als auch besorgt.

Frau Meyer, wieso blicken Sie und ihre Kolleginnen mit gemischten Gefühlen auf die Wiedereröffnung?

Wir sehen, dass bei unseren Kindern ganz viel verloren gegangen ist. Und daher freuen wir uns für sie, dass sie wieder kommen können. Wir selbst haben aber Respekt vor einer – potenziell recht schnellen – Ansteckung mit Covid-19. Und wir sind gefährdet, und nicht geschützt.

Gisela Meyer leitet die Einrichtung seit 2001.

19.02.2021 © Foto: privat


Die Maßnahmen für Ihren Schutz sind also nicht ausreichend, sagen Sie?

Nein, gar nicht. Wir haben am Donnerstag blaue OP-Masken geliefert bekommen, die wir tragen werden. FFP2-Masken haben wir zwar auch, diese dürften wir aber ja nur zwei Stunden am Stück tragen und müssten dann eine Pause machen. Und wo sollten die Kinder hin, wenn wir Pause machen...?


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Wie sieht es mit dem 1,5-Meter-Abstand und den Hygienemaßnahmen aus?

Wir haben Gruppenräume mit 50 Quadratmetern und rechnen mit je 20 Kindern. Da ist ausreichender Abstand einfach unmöglich. Was die Hygiene anbelangt, bin ich da schon optimistischer. Das machen die Kinder ganz toll. Sie wissen zum Beispiel, dass sie zweimal "Alle meine Entlein" singen müssen, wenn sie sich die Hände waschen.

Impfungen erst im Herbst

Welche Maßnahme würden Sie sich wünschen, damit Sie sich bei der Arbeit sicherer fühlen können?

Eine Impfung wollen aktuell insgesamt zwar nur etwa 50 Prozent meiner Erzieherinnen, aber die Möglichkeit, mich impfen zu lassen, würde mir persönlich sehr helfen. Stattdessen gehören wir zur dritten Impfgruppe und sind wahrscheinlich erst im Herbst an der Reihe. Wir sind aber ja jeden Tag ganz nah an den Kindern dran. Und wenn wir ein Kind trösten müssen, ist Abstand zu halten nicht nur nicht möglich, sondern auch nicht menschlich.

Welche Ideen haben Sie, um Ihren und den Alltag der Kinder trotzdem möglichst sicher zu gestalten?

Wir werden immer viel lüften und so häufig wie möglich Ausflüge unternehmen. Wir haben ja Gott sei Dank den Stadtpark, Kurpark, Spielplätze und die Burg in der Nähe. Außerdem hat jede unserer vier Gruppen am Vormittag rotierend je eine Stunde Spielzeit im Freien und am Nachmittag eine halbe Stunde.

Wie blicken Sie persönlich auf die kommenden Tage?

Die Kinder werden teilweise die Benimm- und Coronaregeln vergessen haben, man muss ihnen wieder zeigen, dass sie auf die anderen Kinder Rücksicht nehmen müssen – und so weiter. Wir stellen uns alle auf eine pädagogisch schwierige Woche ein.

Eltern brauchen eine FFP2-Maske

Was ist der konkrete Ablauf?

Wir haben die Eltern unserer 97 Kinder angerufen und Bescheid gegeben, dass wieder geöffnet ist. Kommen werden wohl täglich etwa 80 Kinder, denn manche Eltern lassen ihr Kind trotz Öffnung lieber zuhause. Die Eltern geben ihre Kinder dann an der Eingangstür ab.

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Welchen Appell haben Sie an die Eltern?

Dass sie die Abstände untereinander jeden Morgen einhalten, wenn sie ihre Kinder zu uns bringen. Außerdem müssen sie dabei eine FFP2-Maske tragen. In unserer Einrichtung ist alles so arrangiert worden, dass die Trennung der Gruppen schon am Haupteingang los geht. Jede Gruppe hat einen separaten Eingang.

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